31.01.2020 - 09:00 Uhr
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Polarisierendes Polen

Scheinbar unendliche Dünen, prachtvolle Spuren aus dem Mittelalter, tobendes Großstadtleben, idyllische Waldlandschaften, aber auch grausame Mahnmale des Nationalsozialismus. Nein, die Rede ist nicht von einer Weltreise.

Polen polarisiert. Nicht nur die Hauptstadt Warschau ist geprägt von bunten Gegensätzen.
von Julia Hammer Kontakt Profil

All diese Gegensätze finden wir in nur einem Land – unserem Nachbarland Polen. Einem Land voll Abenteuer, pulsierendem Leben und großen Überraschungen. Neben all dem Trubel fällt vor allein eines auf, wenn man Polen das erste Mal besucht: In manchen Gebieten ist die Zeit einfach stehen geblieben. Verlässt man die Metropolen und fährt aufs Land hinaus, prägen Pferdefuhrwerke das Bild – und die Landstraßen. Entschleunigung, alte Traditionen, unglaubliche Gastfreundschaft. Genau das strahlen die Menschen aus – und genau das macht den unvergleichlichen Charme des Landes aus.

Warschau und seine Wahrzeichen

Unsere Rundreise beginnt im Herzen Polens. In Warschau. Die Hauptstadt an der Weichsel ist die achtgrößte Stadt Europas. Nach der Wende 1989 hat die Stadt enorm profitiert. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neuer Einkaufszentren, Wolkenkratzer und Freizeitmöglichkeiten dazugekommen. Sofort stechen die kleinen Gassen und farbenfrohen Häusschen in der liebevoll gestalteten Altstadt ins Auge. Wobei Altstadt eher der falsche Begriff ist, denn in weiten Teilen ist sie gerade einmal 60 Jahre alt – so wie das Warschauer Königsschloss. Das Gebäude aus dem 18 Jahrhundert wurde zwischen 1971 und 1988 wiederaufgebaut, nachdem es während des Zweiten Weltkriegs komplett zerstört worden war. Zu sehen ist das kaum. Mit viel Liebe zum Detail restaurierten die Arbeiter die Gebäude originalgetreu. Deshalb sollte man es sich auf keinen Fall entgehen lassen, einen Blick in das Schloss – eines der Wahrzeichen Polens – zu werden. Neben den Räumen der ehemaligen polnischen Herrschern kann man dort Gemälde von Rembrandt und Bellotto bewundern.

Ein weiteres liegt nur wenige Meter entfernt und ragt imposant in den Himmel: „Der Traum eines betrunkenen Bäckers.“ Der Kulturpalast in Hochhausform ist ein Geschenk der Sowjetunion aus den 50er Jahren. Keine architektonische Schönheit – aber ein wahrer Blickfang. Einer der ältesten und bezauberndsten Plätze ist der Markt in der Altstadt, von dem sich die engen kleinen Gassen ihren Weg in alle Richtungen bahnen. Es ist unmöglich, sich in diesen Ort nicht zu verlieben. Im Sommer reiht sich ein Straßencafé an das andere, im Winter ist die Altstadt mit prachtvollen Leuchten geschmückt, während durch die Gassen der süßliche Geruch der Faworki – das traditionelle polnische Schmalzgebäck – strömt. Angelegt wurde der Platz im 14. Jahrhundert – und bis heute hat er von seinem mittelalterlichen Charme nichts verloren. Vor Jahrhunderten wurden dort feuchtfröhliche Feste veranstaltet. Und auch heute noch verwandelt sich der Platz immer wieder in eine Freiluft-Kulturbühne für Konzerte und Theateraufführungen.

Mittelalterliches Krakau

Mittelalterliches Krakau

Unsere nächste Station ist eine von vielen Städten, die sich wie eine Perlenkette um die malerische Hauptstadt ringen. Krakau. Viele Jahrhunderte lang war dort der Sitz der polnischen Könige. Krakau gilt bei vielen Touristen als schönste Stadt Polens. Nicht umsonst hat sie Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Der städtebauliche Prunk aus Barock, Gotik und Renaissance ist überwältigend, gleichzeitig verströmen die Menschen mit ihrer Offenheit modernen, herzlichen Flair. Das ist kein Wunder. Rund 150.000 Studenten leben, feiern und flanieren hier durch die Stadt. Krakau ist bunt, vielfältig und steckt voller Überraschungen. Mittelpunkt des Lebens ist der alte Stadtkern, umgeben von den historischen Stadtmauern. Im Innenstadtviertel ist die Auswahl an Cafés und Restaurants groß, in denen unter anderem eine der bekanntesten polnischen Spezialitäten – dem Bigos – angeboten werden. Bigos ist ein Eintopf aus Sauerkraut und Weißkohl mit Speck.Vor allem der Marktplatz – der Rynek Glowny – lohnt sich für einen längeren Stopp. Zur vollen Stunde ertönt dort das berühmte polnische Hejnał. Das Warnsignal wurde im Mittelalter zur Morgen- und Abenddämmerung gespielt, um die Öffnung und die Schließung der Stadttore anzukündigen. Seit 2010 wird Touristen ein ganz besonderer Spaziergang angeboten – unter dem mittelalterlich geprägten Marktplatz. Die Stadt lag früher rund 5 Meter tiefer. Immer wieder entdeckte mal damalige unterirdische Handelswege und Kramerläden, die heute öffentlich zugänglich sind. Direkt an den Platz grenzen die imposanten Tuchhallen mit ihren geschwungenen Torbögen. Der Eingang in eine andere Welt. Im Mittelalter handelten hier Geschäftsleute Tücher, Stoffe und Salze. Auch heute finden sich in der Mitte der Tuchhallen zahlreiche kleinere und größere Stände mit Holzverkleidungen, an denen Souvenirs, Schmuck und natürlich Tücher und Gewürze angeboten werden. Ein kleines Café lädt zum Verweilen ein. Das perfekte Plätzchen, um das Leben für einige Momente mit einem Latte Macchiato an sich vorbeiziehen zu lassen. Eine Sehenswürdigkeit sollte man sich in Krakau auf keinen Fall entgehen lassen – Schindlers Fabrik. In den Räumen der ehemaligen Emailfabrik von Oscar Schindler ist heute ein Museum. Dem Ort, an dem Schindler während des Zweiten Weltkriegs mehr als 1000 Juden das Leben rettete, in dem er vorgab, sie als kriegswichtige Arbeiter zu benötigen. Auf drei Stockwerken erleben die Besucher die Geschichte interaktiv. Auch das Büro von Schindler ist noch erhalten.

Wer glaubt, dass der 1993 produzierte Hollywoodstreifen und Welthit „Schindlers Liste“ mit Liam Neeson in den USA gedreht wurde, irrt. Die Aufnahmen stammen aus Krakau – besser gesagt aus dem jüdischen Viertel Kazimierz, das an die Emailfabrik angrenzt. Heute ist es das angesagte Viertel der Stadt Krakau mit einer großen Ausgehszene. An vielen Ecken finden sich Lokale, Kneipen und Clubs. Auf dem Plac Nowy wird im Sommer das jüdische Festival veranstaltet. Auch kulturell gibt es einiges zu entdecken. Neben sieben gut erhaltenen Synagogen erinnert das „Galizische Museum“ an den Holocaust.

Dünen soweit das Auge reicht.

Malerische Dünen von Leba

Nach all dem Stadttrubel wird unsere nächste Station ein bisschen ruhiger. Es geht zu den Dünen von Leba an die polnische Ostsee. Knapp 780 Kilometer ist die Künste lang – und traumhaft schön. Weiße Strände und malerische Steilküsten umringt von dichten Kiefernwäldern. Im ersten Moment wirkt das kleine Dorf Leba unscheinbar. Doch auf den zweiten Blick kann man sich nur in den Ort verlieben. Rustikale Strandhäuser, kleine Fischerboote, angekettet an Holzstegen, die ins Meer ragen – und überwältigende Sanddünen, die eher an die Sahara als an einen Ostseestrand erinnern. Über 40 Meter sind die Dünen hoch, die an das 3000-Seelen-Dorf angrenzen und zum Slowinski-Nationalpark gehören. Der Weg hinauf auf den Gipfel der Wanderdünen ist zwar beschwerlich, weil man im weichen Untergrund ständig wieder zurückrutscht. Hat man es endlich geschafft, wird man mit einem phänomenalen Ausblick belohnt: Sandmassen, soweit das Auge reicht, und am Horizont das blaue Meer. Der perfekte Moment, um die restliche Welt auszublenden und um einfach zu genießen.

Das Tor zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz - einem grausamen Mahnmal der Schrecken des Nationalsozialismus.

Erinnerungen an unvorstellbares Leid: Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz

„Wer einmal in seinem Leben in Auschwitz war, sieht die historische Vergangenheit Europas mit anderen Augen.“ Treffender hätte es der Schriftsteller Navid Kermani nicht formulieren können, den die Reise in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau nachhaltig geprägt hatte. Es ist erschütternd und beklemmend, durch das schwere Eisentor zu treten, über dem die weltweit bekannten Worte „Arbeit macht frei“ pranken. Auch 75 Jahre nach der Befreiung der Juden und des Lagerkomplexes im Januar 1945 durch die Rote Armee hat die Anlage, auf der sich zwischen 1940 und 1945 unvorstellbares Leid ereignete, kaum etwas von ihrem Schrecken verloren. Es ist emotional und enorm beklemmend. Dennoch sollte jede Polen-Rundreise in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau führen – eine der größten Mahnmale des Holocausts. Rund 45 Millionen Menschen haben die Gedenkstätte, die sich auf 191 Hektar erstreckt, seit ihrer Eröffnung 1947 besucht.

Über 1,5 Millionen Menschen – 90 Prozent davon Juden - verloren ihr Leben auf dieser Anlage, die von der SS als Konzentrations- und Vernichtungslager während des Zweiten Weltkriegs betrieben wurde. Menschen, denen die Gedenkstätte ein Gesicht gibt, eine Geschichte. Neben verschiedenen Mahnmalen befindet sich auf dem Gelände der Hauptlager Auschwitz I und II das Staatliche Museum Auschwitz Birkenau. Der Anblick der Schwarz-Weiß-Aufnahmen an den Wänden, die die Gefangenen in gestreiften Anzügen mit einer Nummer auf der Brust zeigt - abgemagert, kahlgeschoren – raubt einem den Atem. In Glasvitrinen sind Kleidungsstücke der damals inhaftierten Menschen ausgestellt, die meist den Tod in der Gaskammer oder Unterernährung fanden. Kleine Kinderschuhe sind fein säuberlich aufgereiht, Briefe an Verwandte lassen erahnen, welch großes Leid hinter den hohen Zäunen rund 50 Kilometer entfernt von Krakau herrschte. Auch die Gaskammer, die Krematorien und die ehemaligen Schlafsäle, in denen noch heute die Stockbetten aus heut stehen, können besichtigt werden. Ein Besuch der Gedenkstätte fällt nicht leicht. Noch weniger, sich komplett auf die Geschichte einzulassen. Doch das sollte man. Denn man wird es nie wieder vergessen.

Wandern im wunderschönen Riesengebirge

Bevor es nach Hause geht, heißt es: Ruhe tanken in der Natur. Was würde sich da besser eignen als ein kleiner Abstecher in Rübezahls Reich – dem Riesengebirge? Laut Überlieferung streift die Sagenfigur noch heute durch die Wälder und bewacht die Schätze der Berge. Und davon gibt es viele: atemberaubende Bergkessel, prasselnde Wasserfälle, kleine verschlafene Dörfer und die malerische Schneekoppe. Das reinste Paradies für Wintersportler und Wanderbegeisterte. Das Riesengebirge erstreckt sich an der Grenze zwischen Polen und Tschechien und erreicht auf der Schneekoppe eine Höhe von 1602 Metern. Und genau die ist das Ziel unserer Wanderung auf dem rund 28 Kilometer langen tschechisch-polnischen Freundschaftsweg. Die Strecke schlängelt sich entlang des Hauptkamms inmitten größtenteils unberührter Natur, Stille und frischer Luft. Verlaufen kann man sich nicht. Der Weg ist rot markiert, die Beschreibungen zweisprachig. Los geht es vom Startpunkt „Szrenica“. Nach nur wenigen Minuten bietet sich die erste traumhafte Panoramaaussicht auf das Riesengebirge. Auch, wenn 28 Kilometer für den einen oder anderen erst einmal abschreckend wirken – anstrengend ist die Wanderung nicht. Und selbst wenn, entlohnt das Ziel definitiv: die Schneekoppe. Der Freundschaftsweg führt direkt hinauf zum Gipfel des Berges, auf dem oft noch weit in den Mai hinein Schnee liegt. Also: Jacke einpacken. Auf dem höchsten Punkt erwartet die Besucher eine Baude – eine 1970 erbaute Berghütte mit Restaurant, Gästezimmer und einer meteorologischen Station. Vor allem aber eines: Ein atemberaubender Blick über das weite Teile des Riesengebirges. Wer weiß. Mit etwas Glück erblickt man Rübezahl, der durch seine Wälder streift.

Gut zu wissen:

Tipps für die Reise nach Polen

Wichtige Notrufnummern:

• 999: Rettungsdienst/Notarzt

• 998: Feuerwehr

• 997: Polizei

• 981: Pannendienst

Verhaltensregeln:

• In Polen gilt ein strenges Alkoholverbot in der Öffentlichkeit

• Das Trinkgeld ist etwa 10 bis 15 Prozent der Verzehrsumme

• Die öffentlichen Toiletten sind in Polen anders als bei uns gekennzeichnet. Kreis für Damen, Dreieck für die Herren. Also: Zeichen beachten

Verkehr:

• Außerhalb von Orten gilt die Höchst- geschwindigkeit von 90 km/h

• Auf den Autobahnen darf die Geschwindigkeit von 140 km/h nicht überschritten werden

• Wichtige Papiere, die ihr unbedingt dabei haben müsst: Führerschein, Zulassungsbescheinigung, KfZ.Haftpflichtversicherung und eine grüne Versicherungskarte

• Es gilt eine durchgehende Lichtpflicht im Straßenverkehr

• Die Promille-Grenze liegt bei 0,2.

• Alle Autobahnen sind mautpflichtig

• Bei Handy am Steuer wird ein Bußgeld von 50 Euro fällig

• Unbedingt dabeihaben: Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Koffer sowie Warnweste und Warndreieck

Sag es auf polnisch:

Wichtige Wörte für die Reise nach Polen

Hallo Cześć!

Guten Tag Dzień dobry!

Tschüss Cześć!

Ja tak

Nein nie

Danke Dziękuję!

Bitte Proszę!

Hilfe Pomocy!

Ich heiße … Nazywam się...

Wie geht es dir? Jak się masz?

Ich hätte gern … Chciałbym ...

Wie spät ist es? Która godzina?

Was kostet …? Ile kosztuje...?

Zahlen bitte Rachunek poproszę!

Ich spreche kein Polnisch Nie mówię po polsku.

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