11.10.2019 - 11:35 Uhr
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Power-Rotschopf mit Oberpfälzer Mundwerk

Kesse Kabarettistin mit Hang zu derbem Humor, hemmungslose Charakterdarstellerin, die nicht davor zurückschreckt, eine Großstadt-Pornodarstellerin zu mimen, Geschäftsfrau und Vegetarierin. Aber vor allem eins: Vollblut-Oberpfälzerin.

Christina Baumer ist begabt, witzig - und eine echte Vollblut-Oberpfälzerin.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Christina Baumer ist ein wahrer Hingucker. Und Hinhörer – nicht nur wegen ihres herrlich auffallendem Oberpfälzer Dialektes. Mit ihren feuerroten Haare und den Sommersprossen hat die gebürtige Triebendorferin (Kreis Tirschenreuth) einen enormen Wiedererkennungswert auf dem deutschen Schauspielmarkt. An die Welt des Glanz und Glamour hat sich die 33-Jährige bis heute nicht ganz gewöhnt. „In der Heimat werde ich immer noch öfter erkannt als in München. Doch durch meine Rolle im Tatort ist es auch da mehr geworden. In der Oberpfalz werde ich schon mal beim Skilanglauf auf der Silberhütte angesprochen. Das finde ich schön – dass die Oberpfälzer so zusammenhalten und stolz auf mich sind.“

Die Mutter Buchautorin, der Bruder Fotograf und Schriftsteller, der Vater Kunsthandwerker: „Ich habe dem Leben außerhalb der Kunst wirklich eine Chance gegeben. Ich habe ein Jahr Lehramt für Gymnasium Deutsch und Englisch studiert“, erzählt die Schauspielerin und lacht. Als sie jedoch ihre Zeit mehr in Theatergruppen als im Hörsaal verbringt, entscheidet sie sich für die Schauspielerei. Ein Weg, der für die Stiftländerin in Regensburg beginnt – an der Akademie für Darstellende Kunst Bayern, die sie 2010 mit Bestnote abschließt. Schon während ihres Studiums führt die Mimin Regie bei mehreren bayerischen Volksstücken, bis sie schließlich mit ihrem ersten selbstproduzierten Kabarett auf Tour durch den Freistaat geht: „Die Kellnerin Anni“. Eine Rolle, die ihr nicht nur unzählige Lacher und größere Bekanntheit verschafft, sondern auch schauspielerisch weitergebracht hat. Denn lange Zeit war das so eine Sache mit dem Hochdeutsch, erinnert sich die junge Frau heute.

Nebenrolle im Münchener Tatort

„Anfangs war es schwer. Da ich mittlerweile aber auch des Hochdeutschen mächtig bin, ist es nun ein Vorteil. Ich übe heute noch, um nicht wieder zurückzufallen, hatte lange Stimm- und Artikulationstraining. Es gibt aber unzählige Filme du Serien, in denen bayerisch gesprochen wird. Manchmal darf ich dabei richtig oberpfälzeln.“

Bei ihren Auftritten liebt Baumer kleine, urige Lokations. Seit 2016 tourt sie mit ihrem aktuellen Programm „Zum Fressen gern“ durch Bayern. Kabarett, bei dem Baumer nicht nur Kabarettistin ist. Sie ist Autorin, Produzentin – und Hauptdarstellerin – das komplette künstlerische Rundumpaket. Manchmal sogar in doppelter Rolle – wie ihre „Paradezwillinge“ Chris und Tina immer wieder beweisen. „Auf die Charaktere kam ich schnell. Ich wollte unbedingt zwei Rollen spielen – und da lagen diese nahe. Ich bin eben nun mal beide. Einerseits Vegetarierin, eine Schauspielerin, die in München lebt und arbeitet, andererseits das einfache Mädel vom Dorf, das seine Heimat liebt, gerne mal zwei oder drei Bier trinkt.“

Doch nicht nur Oberpfälzer Bühnen ziehen die Wahlmünchenerin an. Bereits 21 Mal stand sie für TV-Produktionen vor der Kamera. Ihr größter Erfolg ist auch ihre umstrittenste Rolle: Die der kecken Amateur-Pornodarstellerin im „Tatort: Hardcore“ 2017, in dem die Münchener Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) einen Mord im Porno-Milieu aufklären müssen. „Der Dreh für den Tatort war herrlich“, erinnert sie sich. „Das lag vor allem an den tollen Kollegen. Sie haben mich gelobt, mir geholfen, wenn ich nervös war. Die Vorbereitungen waren auch etwas außergewöhnlich. Ich habe mir viele Pornos angeschaut. Denn es geht beim Schauspiel darum, ein Rollenprofil zu erstellen. Auch das Rauchen musste ich als Nichtraucher üben.“ Die Nebenrolle im Tatort entpuppt sich für Baumer als wahrer Glücksgriff. „Es ist das am meisten beachtete Format im deutschen Fernsehen. Es hat mir einen Karriereaufschwung verschafft. Seitdem werde ich regelmäßig gebucht.“ Für Baumer gibt es in der Filmindustrie eine Grenze, die sie niemals überschreiben würde. „Da ich in den vergangenen Jahren rund 20 Kilo abgenommen habe, würde ich für eine Rolle nie stark zunehmen. Bridget Jones wäre also nichts für mich. Ansonsten: Haare rasieren, Sportarten lernen, Stunts machen – das ist alles kein Problem“, erzählt sie und schmunzelt.

Baumer liebt ihre Oberpfälzer Heimat, in der ihre Familie noch heute lebt. Warum also der Umzug nach München? „Weil es in der Oberpfalz als Schauspielerin leider nicht so viel zu tun gibt“, erzählt die 33-Jährige. Ganz auf sie verzichten muss ihre alte Heimat aber nicht auf sie. Regelmäßig ist Baumer im Landkreis Tirschenreuth, besucht ihre Oma, geht in der Kipp baden oder genießt ein Eis in Erbendorf. Die Oberpfälzerin hat ihr ganz persönliches Glück gefunden. Eine Karriere, die sie erfüllt, klare Vorstellungen, Anerkennung. Doch ein bestimmter Traum begleitet sie schon seit Langem: „Ich will mit meinem kabarettistischen Programm im Circus Krone spielen – so wie Moni Gruber.“

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