30.09.2019 - 11:23 Uhr
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Schluss mit der Kurvendiskussion!

Paulina Pazulinec ist eine Erscheinung. 1,80 groß, braune Haare, wunderhübsches Gesicht. Die beige Bluse ist perfekt auf die Hose mit Glencheck-Muster abgestimmt. Seit 7 Jahren arbeitet die Oberpfälzerin mit Größe 42 als Curvy Model.

Paulina Pazulinec arbeitet seit Jahren als international erfolgreiches Curvy-Model.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

„Plus-Size, also Übergröße, sage ich eigentlich nicht so gerne. Lieber Curvy Model. In meinen Augen gibt es Plus-Size-Frauen nicht, sondern es gibt kurvige Frauen“, sagt die 25-Jährige. Ihr Karrierestart war ein bisschen wie in einem Film. Beim Shoppen in München hatte sie eine Model-Agentin angesprochen, ob sie XXL-Model werden will. Das war 2012. Paulina war da gerade frischgebackene Abiturientin. Sie nahm die Visitenkarte der Agentin mit und informierte sich. XXL klang etwas abschreckend. „Ich habe dann im Internet ein bisschen recherchiert und habe diese XXL-Models aus Amerika gesehen. Da war ich erstmal geschockt und dachte mir ,Oh mein Gott, so sehe ich doch nicht aus!‘“ Doch Curvy Model zu sein, ist viel mehr, als nur etwas mehr auf den Hüften. „Es geht eher darum, die Schönheit aus einer Frau herauszulocken. Bei den Straight-Size-Models geht es mittlerweile fast nur darum, ungewöhnlich auszusehen. Bei den Curvy Models steht die Persönlichkeit im Fokus“, erklärt die Weidenerin mit kroatischen Wurzeln. So hatte es ihr auch die Model-Agentin aus München erklärt, als Paulina zum Casting erschienen ist. Die damals 18-Jährige erhielt sofort einen Vertrag.

Ihr erster Job war für C&A. Darauf folgten unter anderem Aufträge für Bonprix, die Otto Group und Star-Designer Guido-Maria Kretschmer. Der hatte sie nach ihrer Teilnahme bei Shopping Queen in München (dort hat sie studiert) vom Laufsteg weg für seine Plus-Size Kollektion gebucht. „Das war der Wahnsinn!“ Ihr persönliches Highlight war aber eine andere Erfahrung: „Die Fashion-Week in Madrid. Da wurde ich in der Vogue abgebildet. Ich dachte mir: ‚Das ist der Jackpot eines jeden Models!‘“, schwärmt Paulina.

Mit ihrem Körper und sich selbst, war Paulina immer im Reinen. „Natürlich gibt es auch mal Phasen, in denen man sich unwohl fühlt oder zu dick. Aber das ist normal und dazu sollte auch jede Frau stehen. Wichtig ist nur, dass man sich dann für sich selbst herrichtet und sagt: ,Hey, ich kann was aus mir machen‘. Ich würde tatsächlich sagen, dass ich diese Bodypositivity schon immer in gewisser Weise hatte. Das habe ich auch immer vermittelt.“ An Schulfreundinnen, neue Model-Kolleginnen und ihre etwa 10.000 Instagram-Follower. Als Influencerin sieht sie sich nicht. Sie betrachtet das Phänomen lieber von einer anderen Seite und hat ihre Masterarbeit im Fach Interkulturelle Kommunikation und Moderation zum Thema „Influencer Marketing“ geschrieben. Auch wenn sie das Modeln liebt, hatte ihr Studium für sie von Beginn an Priorität. Nach Regensburg und München lebt sie zusammen mit ihrem Freund wieder in ihrer Heimatstadt Weiden. Paulina denkt an die Zukunft. „Ich sehe mich in 20 Jahren nicht mehr als Model. Das war eine tolle Erfahrung - jetzt ist es Zeit, was Neues anzufangen.“

Lass‘ krachen!

Problemzonen. Gibt es sowas überhaupt? Unsere Mode-Expertin und internationales Curvy Model Paulina Pazulinec sagt: Nein! Dieses böse Wörtchen wird aus dem Wortschatz verbannt. Es gibt nur noch Lieblingszonen. Denn mit dem richtigen Outfit kann jede Frau etwas aus sich machen. Dabei geht es nicht darum zu kaschieren, sondern die eigenen Vorzüge positiv hervorzuheben. Wie das geht, zeigt Paulina.

Info:

Der Sanduhr-Typ:

Bei der Sanduhr-Figur haben Schultern und Hüfte die gleiche Breite, dazwischen liegt die schmale Taille. Diese Figur empfinden viele als attraktiv, da sie sehr weiblich ist. Umso besser, dass man sie mit den richtigen Klamotten an der richtigen Stelle nachbauen kann, egal welcher Figur-Typ man ist. Es ist auch ganz egal, wie viel man wiegt, wenn man typgerecht stylt. Sanduhr-Typen können durchaus auch mehr auf den Rippen haben, es kommt lediglich darauf an, wie das Körperfett verteilt ist. Diese Frauen können nahezu alles tragen. Ein No-Go sind aber Figur-Killer, die die Taille verdecken, wie Oversize-Shirts. „Also, traut euch, körperbetont zu tragen. Habt keine Angst vor knalligen Farben“, sagt Paulina.

Info:

Runder Typ:

Bei einer runden Figur ist es wichtig ein Zentrum zu bilden und eine Taille zu kreieren, wo keine ist. Wickelkleider die den Fokus auf die Mitte legen eignen sich sehr gut. Paulina empfiehlt, mit einem Taillen-Gürtel zu arbeiten. Der sitzt am besten relativ nah unter der Brust, dort ist die schmalste Stelle. Die restlichen Klamotten sollten den Körper umfließen. Was auch geht: Wenn die Frau nicht zu viel Busen hat, passt ein Bleistift-Rock zu einem lockeren Oberteil. Wichtig ist, die Proportionen positiv hervorzuheben.

Info:

Dreiecks-Typ, Spitze oben:

In diesem Figurtyp findet sich Paulina selbst am Besten wieder. Ihr Körperschwerpunkt liegt auf Hüfte und Oberschenkel. Wer jetzt denkt, kräftige Oberschenkel sollten am besten unter lockeren Hosen versteckt werden, liegt daneben. Die Beine werden betont, ein lockeres Oberteil schafft oben Volumen, was besser zu den kräftigen Hüften passt und simuliert so wieder eine Sanduhr. Zu Paulinas Lieblingsteilen gehört die Slack im Glencheck-Muster und Beigetönen. Die Slack ist oben etwas lockerer und läuft dann schmal nach unten hin zu. Dazu kombiniert sie eine lockere, unifarbene Bluse in der gleichen Nuance. So werden Paulinas langen Beine optimal betont. Dazu passen zarte, helle Schuhe, die nicht zu klobig sind. In Paulinas Fall sind das nudefarbene Pumps, aber auch weiße Sneaker sehen wunderbar dazu aus. „Der Fokus liegt also auf einem It-Piece, der gemusterten, anliegenden Hose. Der Rest ist zurückhaltend, damit der Look nicht überladen wirkt“, erklärt das Model. Ein locker gebundener Pulli um die Schultern schafft ebenfalls Volumen ohne dabei aufzuladen. Paulinas Tipp: Das Outfit mit Statement-Ketten aufpeppen. Diese sorgen auch für Volumen auf dem Dekolleté.

Info:

Dreiecks-Typ, Spitze unten:

Der nächste Figur-Typ ist das genaue Gegenteil: Breitere Schultern, mehr Busen, aber eine schmale Hüfte und schlanke Beine. Paulina rät in diesem Fall dazu, das Dekolleté weniger zu beladen. „Die Frau sollte zu zarten Stoffen, wie Organza greifen. Zu Maxiröcken oder -kleidern. Dazu Cowboy-Boots, die gerade total im Trend sind.“ Beim Dreiecks-Typ mit breiterem Oberkörper wird der Fokus auf die Hüfte gelegt, oben bleibt es zart. „Unten kann man‘s ruhig krachen lassen mit Mustern oder Farben. Diesem Figur-Typ stehen auch ausgestellte Marlene-Hosen ganz wunderbar.“

Info:

Rechteck:

Der rechteckige Figur-Typ hat Schultern und Hüfte in etwa gleich breit und keine sehr ausgeprägte Taille. Hier ist es besonders wichtig, feminin zu stylen. „Diese Frau sollte den Fokus auf das Dekolleté setzen. Dazu florale Akzente, Spitze, Oversize-Halskette. Eben alles, was das Dekolleté betont. Dazu coole Boots oder Stiefelletten.“ Wer sich ein bisschen was traut kann mit dieser Figur laut Paulina auch zu Overknee-Stiefeln mit etwas Absatz greifen. Dazu ein glockenförmiger Rock, der an der Taille sitzt. Das schafft Kurven, wo eigentlich keine sind.

Wunderschönes Gesicht, tolle Rundungen und eine bezaubernde Ausstrahlung: Die Oberpfälzerin überzeugt Modedesigner auf der ganzen Welt.
Info:

Paulinas Hots or Nots

Hot: Ein Outfit, das Ton in Ton gehalten ist. „Das streckt optisch und schummelt schlanker. Oder probiere mal einen großen Hut, ein fließendes, langes Kleid mit cooler Jacke, dazu Stiefeletten und du bist perfekt angezogen für den Herbst!“

Not: „Oversized Oberteil mit ganz engen Leggins. Das würde ich wirklich aus dem Kleiderschrank verbannen. Klar, es gibt nichts Bequemeres für daheim. Aber wer wirklich stylisch sein will, sollte nicht zu diesen engen Leggins greifen.“

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