30.11.2021 - 14:22 Uhr
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Stärkt für das Leben: Selbstbewusstsein im Kindesalter aufbauen

Kinder können lernen, selbstbewusst zu sein – zum Beispiel auf dem Sportplatz oder im Supermarkt. Drei Fachfrauen geben Tipps, wie Eltern ihren Nachwuchs unterstützen können, Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Kinder müssen Selbstbewusstsein erst lernen. Eltern können sie dabei unterstützen.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Selbstbewusste Kinder können ihre Bedürfnisse klar äußern. Sie sind offen, kontaktfreudig und kennen ihre Stärken. Aber kein Kind ist von Geburt an so. Selbstbewusst zu sein kann ein Kind lernen – mit der Hilfe der Eltern. Sozialpädagogin Doris Schörner, Schulsozialpädagogin Susanne Metz und Erzieherin Iris Kaiser geben Tipps.

An Aufgaben wachsen lassen

Schüchtern versteckt sich der kleine Ben hinter den Beinen seiner Mutter. Vorsichtig lugt er immer wieder an ihr vorbei. Die anderen Kinder um ihn herum toben auf dem Spielplatz. Mit wachsender Neugier verfolgt er das Spiel. Aber zu fragen, ob er mitspielen darf, traut Ben sich einfach nicht. Dieses Verhalten weißt laut Erzieherin Iris Kaiser daraufhin, dass Ben wenig Selbstbewusstsein hat. Kinder wie Ben tun sich oft schwer, ihre Bedürfnisse klar zu äußern. „Sie trauen sich nicht, anderen direkt zu sagen: Ich habe Hunger“, erklärt die Erzieherin. Aber das ist nicht schlimm. Kinder werden nicht mit Selbstbewusstsein geboren. Sie müssen es erst lernen.

Bens Mutter kann ihm immer wieder kleine Aufgaben geben, die ihn innerlich wachsen lassen. Eltern sollten dabei immer auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen. Wenn Ben sich zum Beispiel die Schuhe binden will, obwohl er das noch nicht kann, sollte es die Mutter ihn trotzdem versuchen lassen, rät Sozialpädagogin Doris Schörner. Oder wenn der Junge etwas Tolles erlebt hat, zum Beispiel wenn er das erste Mal ohne Stützräder gefahren ist, dann sollten die Eltern ihm auch die Möglichkeit geben, der Oma selbst von seinem Erlebnis zu berichten.

Ehrlich loben

Kinder brauchen positive Bestärkung, sagt Schulsozialpädagogin Susanna Metz. Loben statt schimpfen. Aber Achtung: „Kinder können gut unterscheiden, ob es ein echtes Lob ist oder nur eine Floskel“, sagt Metz. Ehrliches Lob ist wichtig. Eltern sollten sich auf das Positive fokussieren. „Du bist zwar nicht so gut in Mathe, aber dafür bist du ein guter Sportler oder kannst gut lesen.“ Außerdem müssen die Kinder spüren, dass die Eltern an ihr Kind glauben. Dabei hilft tief in die Augen schauen und sagen: „Ich glaube fest daran, dass du das schaffen kannst.“

„Selbstbewusstsein ist auch etwas, das aus mir selbst wächst“, erklärt Iris Kaiser. Oft halten ihr Kindergartenkinder Bilder unter die Nase und wollen von ihr gelobt werden. Sie schaue sich dann das Bild an und fragt: „Wie findest du es denn?“ Viele Kinder reagieren erst irritiert, weil sie wie immer ein großes Lob erwartet haben, aber mit der Zeit zeigen sie der Erzieherin Bilder und sagen: „Schau mal, das hab ich gemalt, darauf bin ich stolz.“

„Selbstbewusstsein bedeutet Zufriedenheit und Glück, ohne von anderen Wertungen abhängig zu sein“, sagt auch Schörner. Selbstbewusste Kinder brauchen die Bestätigung von außen nicht und können Niederlagen besser wegstecken. Der soziale Umgang mit anderen Kindern kann Ben bei seiner Entwicklung ebenfalls helfen. Bereits im Babyalter sollten Eltern ihr Kind mit anderen zusammenbringen. Egal ob Babyschwimmen, Mutter-Kind-Gruppe, musikalische Früherziehung oder ein Spielplatzbesuch. „Am besten häufig den gleichen Spielplatz aufsuchen, so kann das Kind auch Beziehungen aufbauen“, rät Schörner. Um dort offen auf andere Kinder zugehen zu können, ist Sprache wichtig.

Frühzeitig Selbstbewusstsein aufbauen

„Ein Kind, das sich gut ausdrücken kann, hat weniger Probleme. Es fühlt sich wohl und hat ein selbstbewusstes Auftreten vor anderen Kindern“, sagt Schörner. Deshalb sei es wichtig, dass die Eltern viel mit dem Kind reden und ihm selber vorlesen. Auch Singspiele helfen. Das Kind soll nicht nur vor dem Handy sitzen oder CD hören, sagt Schörner.

Auch Bewegung sei wichtig. Egal ob Judo, Fußball oder Ballett: Es sollte ein Sport sein, für den sich das Kind interessiert. Eltern sollten ihr Kind nicht einfach irgendwo anmelden, sondern immer das Kind mit einbeziehen. „Der Tom spielt Fußball, willst du da mal mit ihm hingehen?“ Beim Sport lernt das Kind auch mal das Lob an andere abzugeben. Lernt aber gleichzeitig auch was Teamgeist heißt. Sport stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, er stärkt auch die Frustrationstoleranz, Kommunikationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit, sagt Schörner.

Wenn die Eltern frühzeitig beginnen, das Selbstbewusstsein von Ben zu stärken, dann hilft das ihm nicht nur in der Schule. Das Kind ist in der Pubertät viel stabiler, hat weniger Selbstzweifel, ist in der Lage später gesunde Beziehungen zu führen und für sich einzustehen, sagt Metz. Außerdem sei die Gefahr von Suchterkrankungen und Essstörungen geringer. Auch Kaiser ist sich sicher: „Mit einem guten und gesunden Selbstbewusstsein kommen Menschen besser durchs Leben.“

Mit diesen kleinen Aufgaben können Eltern laut Iris Kaiser das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken:

  • Tischdecken oder andere kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen. Das Kind soll lernen: „Ich bin wichtig.“
  • Im Supermarkt aus einem Regal, das etwas weiter von den Eltern entfernt ist, etwas holen. Ohne die Hilfe der Eltern.
  • Beim Stammbäcker selber bestellen. Wenn das Kind den Bäcker gut kennt, kann es auch mal selber bezahlen.
  • Das Kind alleine auf eine kleine Mission schicken: „Geh mal rüber und bring der Oma/der Nachbarin ein Stück Kuchen.“

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Info:

Gefahrenquelle Social Media

Schulsozialpädagogin Susanna Metz hat Empfehlungen für den Umgang mit Social Media

  • Instagram, TikTok oder Fernsehserien vermitteln Kindern oft ein falsches Bild. Besonders in den sozialen Medien dreht sich viel um Selbstdarstellung.
  • Schwachstellen und Makel werden versteckt. Das schüchtert Kinder oft ein. Eltern sollten ihren Kindern deshalb immer wieder deutlich machen, dass alles nur Fiktion ist.
  • Realitätsbewusstsein schaffen ist wichtig. Dabei sollten Eltern immer betonen: „Jeder ist anders und das ist gut so.“

Schulsozialpädagogin Susanna Metz.

„Ein Kind, das sich gut ausdrücken kann, hat weniger Probleme. Es fühlt sich wohl und hat ein selbstbewusstes Auftreten vor anderen Kindern."

Sozialpädagogin Doris Schörner, Sozialpädagogin und Leiterin des Kinderhaus Tohuwabohu

Sozialpädagogin Doris Schörner, Sozialpädagogin und Leiterin des Kinderhaus Tohuwabohu

„Selbstbewusstsein ist auch etwas, das aus mir selbst wächst.“

Erzieherin Iris Kaiser

Erzieherin Iris Kaiser

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