15.10.2018 - 19:38 Uhr
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Starker Norden: Sieben Landtagsabgeordnete aus Weiden und Tirschenreuth

Zittern sie noch, oder feiern sie schon? Der Montag nach der Landtagswahl bietet Oberpfälzer Kandidaten einen Krimi ohne Auflösung. Was sich aber abzeichnet: Der Norden des Bezirks wird künftig stark in München vertreten sein.

Anna Toman mit ihren Wahlhelfern am Sonntagabend.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

(wüw) 18 Abgeordnete für die Oberpfalz: Am Montagmorgen ist klar, wie viele Parlamentarier welcher Parteien die kommenden fünf Jahren im Bayerischen Landtag vertreten sein werden. Und doch: Die Geduld mancher Kandidaten wird auf eine harte Probe gestellt. Denn während die Ergebnisse der meisten Stimmkreisen am frühen Nachmittag vorliegen, hängt alles am Stimmkreis Schwandorf. Laut Landeswahlleitung lagen zwar auch von dort früh Ergebnisse vor, weil die Plausibilitätsprüfung aber auf eine Ungereimtheit hindeutet, geht es nochmals ans Prüfen - bis zum späten Abend erfolglos.

Entspannt verläuft der Montag für dieCSU. Schon am Sonntagabend stand fest: Die Regierungspartei holt alle Direktmandate, aber kein Listenmandat. Für Tobias Reiß (Wahlkreis Tirschenreuth), Stephan Oetzinger (Weiden), Harald Schwartz (Amberg-Sulzbach) Alexander Flierl (Schwandorf), Gerhard Hopp (Cham), Franz Rieger (Regensburg-Stadt), Sylvia Stierstorfer (Regensburg-Land) und den bayernweiten Stimmenkönig und Bezirksvorsitzenden Albert Füracker (Neumarkt) ist der Einzug deshalb klar, die Listenkandidaten haben von Anfang an keine Hoffnung.

Weil der CSU nach ihrem Oberpfälzer Stimmenanteil nur sieben Sitze zustehen, die Partei also ein Überhangmandat holt, freuen sich dieFreien Wähler: Sie profitieren von einem Ausgleichsmandat und ziehen erstmals mit drei Oberpfälzer Abgeordneten ins Maximilianeum. Früh zeichnete sich ab, dass der amtierende Abgeordnete Joachim Hanisch wieder darunter ist. "Das ist ein tolles Ergebnis, mit deutlichem Abstand unser bestes", hatte Hanisch schon am Sonntagabend festgestellt. Dahinter geht es enger zu. Letztlich spricht aber viel für Tobias Gotthardt (Regensburg-Land) und Kerstin Radler (Regensburg-Stadt).

Überraschend früh herrscht bei den GrünenKlarheit. Auch hier setzte sich der amtierende Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol deutlich und wie erwartet an die Spitze. Überraschender ist, dass auch für Anna Toman und das zweite Mandat schnell alles klar ist. Die Bärnauer Lehrerin belegte zwar Listenplatz zwei. Gegen sie sprach aber ihr Wahlkreis. In Tirschenreuth tun sich die Grünen traditionell schwerer. Außerdem ist

Toman erst ein Jahr in der Partei.

"Ich wollte eigentlich erst einmal nur kommunalpolitisch aktiv werden", sagt die 27-jährige Tochter der früheren zweiten Bürgermeisterin von Bärnau, Cornelia Schwamberger (CSU). Zu den Grünen kam sie wegen ihres Mannes. Den Iraker hatte sie als ehrenamtliche Helferin in einer Bärnauer Flüchtlingsunterkunft kennengelernt. "Ich habe sehr viele unbefriedigende Dinge erlebt", erinnert sie sich an die Schwierigkeiten ihres Mannes, etwa mit der Arbeitserlaubnis. Deshalb habe sie sich für die Grünen entschieden.

Keine Jubelstimmung trotz eines starken persönlichen Ergebnisses herrscht am Montag bei Annette Karl. Die stellvertretende Landesvorsitzende der SPDwird am Montag nach dem Rücktritt Markus Rinderspachers als künftige Landtagsfraktionssprecherin gehandelt, doch darauf möchte Karl vor der Vorstandssitzung am Donnerstag nicht eingehen. Viel wichtiger sei ihr die Erneuerung der Partei. "Wir müssen nach der Wahl in Hessen miteinander solidarisch, aber hart zur Sache gehen." Hinter Karl liefern sich Uwe Bergmann aus dem Wahlkreis Amberg-Sulzbach und Margit Wild ein enges Rennen. Am Montagabend liegt die Regensburgerin knapp vorne. Bergmann selbst geht auf Nachfrage nicht davon aus, dass es für ihn reicht.

Die größte Überraschung zeichnet sich am Montag bei der AfDab. Alles spricht dafür, dass die Sitze an Stefan Löw (Tirschenreuth) und Roland Magerl (Weiden) gehen. Dass Listenführer Magerl in den Landtag einzieht, ist wenig überraschend. Dass sich aber Löw gegen den auf der Liste vor ihm platzierten Regensburger Benjamin Nolte durchsetzt, schon. Das gilt um so mehr, als Löw im eigenen Stimmkreis ein vergleichsweise schwaches Ergebnis einfährt, dafür in den anderen Stimmkreisen fleißig Stimmen sammelt.

Für den Weidener Christoph Skutella bringt der Montag den zweiten Tag des Zitterns. Am Sonntag ging es darum, ob seine FDPüberhaupt den Einzug schaffen würde, am Montag um den einzigen Listenplatz der Partei in der Oberpfalz. Am Abend sieht es dann gut aus für den 33-jährigen Musiklehrer, er führt mit einem stabilen Vorsprung vor seinen Regensburger Parteikollegen Vo Huu Loi.

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