10.02.2020 - 18:34 Uhr
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Sturmbilanz von "Sabine": Alles halb so wild

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Orkan "Sabine" hat kein Chaos in der Oberpfalz hinterlassen. Unterrichtsausfall und die Einstellung des Bahnverkehrs waren dennoch die richtigen Entscheidungen, meint Wetterexperte Andy Neumaier.

An der A93 bei Windischeschenbach hat der Sturm „Sabine“ einen Hochsitz umgeworfen. Er drohte, auf die Fahrbahn zu rutschen.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Etwas später und etwas schwächer als zunächst erwartet hat der Orkan "Sabine" die Oberpfalz heimgesucht. "Dennoch reichten die Windgeschwindigkeiten von 96 Stundenkilometer in Kümmersbruck bis 107 Stundenkilometer in Weiden", weiß Meteorologe Andy Neumaier. In Weiden gab es die orkanartigen Böen nichtmal bei den berüchtigten Stürmen "Vivien", "Wiebke" oder "Kyrill", erinnert sich der Experte. Ab Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde sprechen die Fachleute von einem Orkan. Diese Stärke habe "Sabine" nur in freien Hochlagen von Oberpfälzer Wald und Bayernwald erreicht. Am stärksten war sie auf dem Großen Arber (161 Kilometern pro Stunde).

Das Blechdach eines Gebäudes in Sulzbach-Rosenberg ist in einem Baum hängen geblieben.

Weil die Experten vor "Sabine" so sehr gewarnt haben, fiel vorsorglich die Schule aus. Die Deutsche Bahn hat ihren Fernverkehr eingestellt, auch die bayerische Länderbahn schloss sich an. Die Sturmbilanz fällt am Montagabend jedoch überraschend glimpflich aus:

Ein Baum ist in Regenstauf auf ein geparktes Auto gefallen, verletzt wurde niemand. Der Wind bläst von einem Kinderheim in Sulzbach-Rosenberg das Blech vom Dach. 300 Quadratmeter Metall seien in angrenzende Bäume geweht worden, so die Polizei. Auch beim THW Ortsverband Laaber (Kreis Regensburg) riss eine Windböe das Garagendach weg. Das Blech wurde über das Haus des Technischen Hilfswerks geschleudert und blieb rund 50 Meter entfernt in Bäumen hängen. Nach ersten Erkenntnissen wurden die Einsatzfahrzeuge nicht wesentlich beschädigt.

Sturm "Sabine" hat auf der A3 bei Nittendorf einen Lastwagen-Anhänger umgekippt. Später hat eine Windböe aus der anderen Richtung den Anhänger wieder aufgerichtet.

Keine Verletzten

Das Polizeipräsidium Oberpfalz meldete bis zum frühen Nachmittag 100 Polizeieinsätze, die meisten in den Kreisen Neumarkt und Regensburg. "Vereinzelt wurden Verkehrsunfällen gemeldet, wobei es zu keinem Personenschaden kam", teilt Polizeikommissarin Franziska Meinl mit. Die meisten Einsätze registrierten die Beamten wegen Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume (36). Ab Montagnachmittag gingen die Polizeieinsätze zurück. Weitaus mehr Einsätze zählte das Präsidium Oberfranken: Dort waren es zwischen 3 und 15 Uhr 320, meist wegen herabgefallener Äste und umgefallene Bäume. Niemand wurde verletzt. In Stadtsteinach (Kreis Kulmbach) brach das Zirkus-Stallzelt zusammen. "Glücklicherweise erlitt niemand Verletzungen und auch die entlaufenen Ponys blieben unversehrt", teilt die Polizei mit.

Ab Montagmittag nahm die Bahn in Sachsen nach und nach wieder ihren Betrieb auf. In Bayern dauerte das wesentlich länger. Dort blieb der Schienennahverkehr den ganzen Tag eingestellt, "da zahlreiche Strecken beeinträchtigt sind", teilte Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller. Erkundungsfahrten starteten in Ostbayern. Wegen vieler umgestürzter Bäume wurden sie wieder eingestellt. " Auf der Strecke Hof-Selb-As kollidierte ein Triebwagen einer Erkundungsfahrt mit einem umgestürzten Baum, sagte Puchmüller. Der Wagen wurde beschädigt, Menschen kamen nicht zu Schaden. Bis einschließlich Dienstag kommt es zu Zugausfällen und Verspätungen, teilte die Deutsche Bahn mit. Dass sich das Unternehmen für die Einstellung des Verkehrs entschieden hat, "ist wenig verwunderlich, da einfach viel zu viele Strecken durch bewaldetes Gebiet führen, und auch hier schon ein paar Äste in den Oberleitungen oder auf Gleisen für Chaos sorgen können", meint der Meteorologe.

Ein Kommentar zum Sturm "Sabine"

Weiden in der Oberpfalz

Schulausfälle richtig

"Wenn ein großflächiger Sturm über Europa zieht, von dem man im Vorfeld nie genau weiß, wie er sich regional auswirkt, aber bereits Windmeldungen von über 120km/h hat, dann geht Sicherheit vor", so Neumaier. Die Entscheidung, den Unterricht in der Oberpfalz ausfallen zu lassen, sei daher richtig gewesen. "Es reicht ein doofer Zufall, und ein Schulbus verunglückt mit einem Baum, der ab etwa 80 bis 90 Kilometern pro Stunde geworfen werden kann", findet er.

Doch das große Chaos blieb aus. "Hinterher ist man immer schlauer", sagt Neumaier. "Aber angesichts der Wettermodell-Lage vom Sonntag und der bereits vorliegenden Windgeschwindigkeiten aus Nord- und Westdeutschland waren alle getroffenen Entscheidungen absolut richtig, und der Sicherheit geschuldet."

Sturm „Sabine“ in Zahlen:

Der Orkan in Daten und Fakten:

  • Einsätze: Bis 14.15 Uhr am Montag zählte das Oberpfälzer Polizeipräsidium 100 Einsätze, die meisten im Kreis Regensburg und Neumarkt.
  • Geschwindigkeit: Der Orkan erreichte 161 Stundenkilometer, gemessen auf dem Großen Arber. Noch schneller war „Sabine“ in Tschechien, wo der Sturm im Riesengebirge 180 Stundenkilometer erreicht hat. Der Dienst stufte Sturm „Sabine“ als Winterorkan ein, wie er alle zwei Jahre vorkomme. Er komme nahe ran an Sturm „Kyrill“ (2007). Orkanstärke habe ein Sturm ab 120 Kilometern pro Stunde, so der Deutsche Wetterdienst.
  • Strom: 60 000 Haushalte in Bayern waren gestern zeitweise ohne Strom, wie das Bayernwerk mitteilte. Noch am Nachmittag registrierte es 25000 Haushalte. Der Wind hat allerdings die Stromproduktion ordentlich angetrieben. Zeitweise seien in Deutschland rund 43,7 Gigawatt Windstrom ins Netz eingespeist worden, sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet – ein Rekord.

Weitere Informationen zu Sturm "Sabine"

Weiden in der Oberpfalz
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