10.08.2020 - 11:35 Uhr
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Tierisch viel zu tun - Unterwegs mit Tierpfleger im Tierpark Höllohe

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Schon früh Morgens beginnt Tierpfleger Mario Merl seinen Dienst im Tierpark Höllohe. Der gebürtige Teublitzer arbeitet seit Januar in seinem Traumjob. Wir haben ihn einen Tag auf seiner tierischen Mission begleitet.

Das Herz von Mario Merl schlägt für seinen Traumberuf: Tierpfleger im Tierpark Höllohe.
von Laura Schertl Kontakt Profil

Die Strahlen der Morgensonne kämpfen sich durch das dichte Blätterdach im Tierpark Höllohe. Ein lauer Wind weht, es ist warm. Die Tiere warten ungeduldig auf ihr Frühstück. „Wir fangen direkt um 7 Uhr mit der ersten Futterrunde an, im Sommer teilweise schon um 6 Uhr“, erzählt der 49-Jährige. „Dann können die Tiere noch in Ruhe fressen, bevor die ersten Besucher kommen und wir haben mehr Platz mit den Autos.“ In seinem weißen Van warten mehrere Eimer Kraftfutter darauf, verteilt zu werden. Über eine Tonne Futtermittel wird monatlich im Tierpark verbraucht. „Hauptsächlich verfüttern wir Pellets, aber auch spezielles Wildtier- oder Taubenfutter. Das wird dann für jeden Tag vor portioniert.“ Als Höllohe wegen der Corona-Krise noch nicht öffnen durfte, wurden die Portionen sogar etwas größer: „Normalerweise füttern wir nur einmal am Tag, weil Besucher bei uns selbst die Tiere füttern dürfen. Da das aber zu diesem Zeitpunkt nicht ging, gab es Nachmittags noch eine zweite Ration“, erklärt Mario Merl.

Traumberuf Tierpfleger

Für den gebürtigen Teublitzer ist die Arbeit im Tierpark ein absoluter Traumberuf. Schon von Kindesbeinen an wuchs Mario Merl mit Tieren auf und ist nicht nur Hunde- sondern auch Katzenbesitzer. Trotzdem wurde seine Leidenschaft erst später zum Beruf. Nämlich dann, als sein Bruder die Leitung des Parks übernimmt und wenig später mehrere Stellen ausgeschrieben werden. „Eigentlich bin ich gelernter Koch, aber als ich die Ausschreibungen gesehen habe, dachte ich sofort: Die überzeuge ich schon von mir. Und tatsächlich haben sie mir dann eine Chance gegeben.“ Seit Januar diesen Jahres beginnt sein Arbeitstag also früh morgens mit dem Füttern der Bewohner des Tierparks Höllohe.

Die Ponys bekommen ihr Frühstück als eine der Ersten.

Sinnvoll Füttern

Den Anfang machen die Ponys. Erwartungsvoll stehen sie am Gatter des Geheges. Eines der Tiere wurde von Hand aufgezogen. Als die Mutter des Fohlens kurz nach der Geburt starb, nahm der Bruder von Mario Merl das Kleine bei sich auf. Die harte Arbeit zahlt sich aus. „Wenn mein Bruder jetzt zu den Ponys geht, kommt es sofort angerannt und legt sich sogar in seinen Schoß“, erzählt der Tierpfleger. Dass ihm die Liebe und die Arbeit mit Tieren im Blut liegt, sieht man ihm an. Umso mehr ärgert es ihn, wenn sich Besucher nicht an die Fütterungsregeln halten. „Manchmal verhalten sich die Menschen einfach verantwortungslos. Da wird gemähtes Gras mitgebracht oder Brot mitsamt der Tüte über die Zäune geworfen. Wir haben hier extra Futterautomaten mit Pellets, die gerne verteilt werden dürfen. Aber viele denken einfach nicht nach. Die füttern zwar gerne, das Leid der Tiere, das danach oftmals folgt sehen sie aber nicht.“

Kletterhilfe für Ziegen

Ein paar Gehege weiter warten die Ziegen ungeduldig auf ihren Pfleger. Hier schaut Mario Merl genauer hin. Seit mehreren Wochen lebt ein Neuzugang im „Männerverein“, wie er die Herde nennt. „Da muss man immer kontrollieren und notfalls auch mal eingreifen, wenn sie zu sehr raufen.“ Als er das Futter im Gehege verteilt, folgen ihm die Tiere auf Schritt und Tritt. „Die sind extrem neugierig. Wenn ich hier im Gehege was arbeite muss ich echt aufpassen. Die klauen mir auch schnell mal den Meterstab aus der Tasche.“ Die Pellets verteilt der Pfleger auf dem ganzen Gelände, damit sich die Ziegen nicht um das Futter streiten. In einem Gehege hat Mario Merl sogar Klettermöglichkeiten an das Häuschen gebaut. Sie werden gern genutzt. Mal mehr, mal weniger erfolgreich: „Als ich die gerade neu hin geschraubt hatte ist ein Bock ganz hoch geklettert, hat sich aber nicht mehr runter getraut. Ein Besucher hat uns dann in der Pause darauf hingewiesen, dass er recht hilflos da oben steht. Mit meiner Unterstützung hat er dann aber seinen ganzen Mut zusammengenommen und es dann doch noch runter geschafft. Aber er ist seitdem nie mehr hoch geklettert.“

Ein aufgeweckter Haufen: Die Ziegen im Tierpark Höllohe.

Universaltalent nötig

Mario Merl hatte schon viele Ideen für die Verbesserung des Tierparks, die er dann auch umgesetzt hat. Das gehört auch zu seinem Job. Grünanlagen pflegen, Zäune ausbessern, Häuschen bauen. „Flexibel muss man hier schon sein. Ob Bulldog fahren oder Bäume fällen, eigentlich braucht man hier ein gewisses Universaltalent.“ Dazu gehört auch das Gefühl für die Tiere. Denn gerade die Wildtiere im Park sind eher skeptisch, was menschlichen Besuch in ihrem Reich anbelangt. Auch wenn der 49-Jährige sich schon das Vertrauen der meisten Tiere sichern konnte, Mufflons und Dammwild bleiben misstrauisch. Etwas aufgeschlossener ist der Hirsch im Gehege nebenan. Zusammen mit seinen Damen lässt er sich von Mario Merl gerne ein paar Leckereien füttern. Es folgen Wildschweine, Fische, Goldfasan, Silberfasan und Pfau.

Der Tierpark Höllohe ist ein Erlebnis für Groß und Klein

Teublitz

Den Schafen dauert diese Abfolge entschieden zu lange. Als der weiße Van des Tierpflegers am Gehege entlangfährt, laufen sie sofort hinterher. „Auf den Bock muss man aufpassen.“, erklärt Mario Merl. „Wenn man den nicht im Auge hat, boxt er einen gerne mal in die Hüfte.“ Ein junges, erst eine Woche altes Schaf hüpft übermütig zwischen den Großen hin und her. „In jedem Gehege schauen wir uns die Tiere natürlich auch an, ob alle gesund sind oder eines lahmt. Das erkennt man ziemlich schnell.“ Heute sind alle fit, lediglich eine Ohrmarke liest der Pfleger vom Boden auf. „Da hat wohl eines der Schafe seinen Personalausweis verloren“, sagt Mario Merl und schmunzelt. Später wird er überprüfen, zu welchem Tier die Marke gehört.

Mario Merl kontrolliert jeden Tag sorgfältig, ob es allen Tieren gut geht.

Musterschüler Eule

Die letzten Kandidaten der Futterrunde sind die Lieblinge des Tierpflegers: die Schneeeulen. „Am Anfang musste ich mir deren Vertrauen auch erst verdienen. Mittlerweile reagieren sie aber schon auf Pfiff und bald möchte ich auch mit dem Handschuh-Training anfangen.“ Und tatsächlich: Auf das Signal von Mario Merl fliegen die Eulen auf ihre Plätze und warten auf ihre Mahlzeit. „Unsere Schneeeulen bekommen hauptsächlich Küken und Mäuse. Die werfe ich ins Gras im Gehege, damit die Tiere ihr Futter auch suchen müssen.“ Als Mario Merl im Januar im Tierpark anfing, kaufte er sich sofort ein Fachbuch über Schneeeulen. „Interessant ist zum Beispiel, dass Schneeeulen anders als die meisten Eulen tagsüber jagen und ihrer Beute oft auch zu Fuß nachlaufen.“ Tatsächlich holen sich die Schneeeulen im Gehege ihre Mäuse auch lieber zu Fuß ab, anstatt zu fliegen.

Die Arbeit als Tierpfleger ist zeitaufwändig - viele Stunden verbringt Mario Merl hier jeden Tag.

Für Mario Merl ist die Futterrunde damit beendet. Es gibt aber noch genug zu tun. „Ich hole jetzt die Futterspenden aus dem Supermarkt ab, dann geht es ans Ausmisten.“ Von 7 bis 16 Uhr geht sein Arbeitstag. Doch pünktlich Feierabend macht er selten. „Bei den angesetzten 39 Stunden pro Woche bleibt es eigentlich nie. Da fährt man abends nochmal hin, um nach einem Tier zu sehen oder beim Dienst am Wochenende gibt es mehr zu tun. Aber ich mache es für die Tiere.“ Auch zahlreiche Kurse und Praktika muss Mario Merl für seinen Traumberuf noch absolvieren. „Aber das macht mir nichts. Tierpfleger war immer mein größter Wunsch. Das ist eben ein Job, da kannst du nicht auf die Uhr schauen.“

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