25.05.2020 - 09:35 Uhr
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Ungeschminkte Wahrheit - Ein märchenhaftes Pro und Contra zu Concealer und Co.

Die ungeschminkte Wahrheit ist oft bunt - und nicht selten schmerzhaft. Lohnt er sich nun - der Griff zu Wimperntusche, Lippenstifft und Rouge? Laura Schertl und Julia Hammer haben dazu eine ganz klare Meinung.

Wandelbar dank Concealer und Co.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Julia Hammer: A BAD FAIRY TALE

Es war einmal mitten in der Stadt … inmitten des Trubels und der perfekt geschminkten Frauen. Da war ein Mädchen, dem es beim bloßen Anblick von Wimperntusche die Tränen in die Augen trieb. Nicht nur einmal hatte sie versucht, der schwarzen Pampe die Hand zu reichen, um eine Lösung für die Fehde zu finden. Eines Tages stand sie vor ihrem Spiegel. Hoffnungsvoll, dass es ihr endlich gelinge, ihre Wimpern schwungvoll zu formen. Leise murmelte sie: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Da dachte sich der Pinsel: „Du nicht, Lady. DU NICHT.“

Ja – die Rede ist von mir. Julia. 29. Schminkfrei seit 2010. Nicht von heute auf morgen. Vielmehr die Folge einer frustrierenden Odyssee voll widerspenstiger Wimperntuschen, launiger Lippenstifte und listiger Lidschatten. Ich habe es versucht. Meine Freundinnen und Kolleginnen abgescannt. Modemagazine durchgeblättert, die Frauen mit ihrem perfekten Make-up bewundert. Und mich mit allem eingedeckt, was man braucht für ein schön geschminktes Gesicht. Die Probleme fingen beim Kauf an. Kajal und Wimperntusche waren ok. Die Wahl zwischen Schwarz und Schwarz. Also: Schwarz. Mein persönlicher Endgegner: das Make-up-Regal. Unzählige Mousses und Tuben, „besonders anschmiegsam“, „mattiert für Stunden“, „wirkt natürlich“, „makelloser Schneewittchen-Teint“. Das alles in flüssig, fest und 100 Farbnuancen. Ich habe mal gelesen, man sollte die hydratisierende Textur an der Hand testen, um den richtigen Farbton zu finden. Das habe ich gemacht.

Augen, rot wie Blut

Wo hätte ich es auch sonst testen sollen? Mitten in der Drogerie in meinem Gesicht, um den Laden dann wie Two-Face aus den Batman-Comics zu verlassen? Ich habe etwas Mousseartiges gekauft. Hat zu meiner Hand gepasst – und ich fand die Verpackung schön. Noch am gleichen Abend habe ich es getestet. Erst Creme, dann Concealer, dann Make-up-Mousse. Je mehr Schichten, desto weniger bewegungsfähig wurde meine Haut. Aber wer schön sein will … das ist bekannt. Und ich habe richtig gelitten. Nach 35 Minuten war das Gespachtel fertig und mein Gesicht dank monotoner Farbe von 3D in 2D verwandelt. Die Reaktion meiner Freunde war eindeutig. „Krank?“ „Wow. Letzte Nacht durchgefeiert?“ Shit. Falscher Farbton. An diesem Abend war ich das Mädchen mit der Haut, weiß wie Schnee, den unterlaufenen Augen, rot wie Blut, und dem Haar, schwarz wie Ebenholz. Ich fühlte mich so hässlich wie die böse Stiefmutter.

Der Wimperntusche wollte ich noch eine Chance geben. Ein unwiderstehlicher Augenaufschlag. Ihr wisst schon – romantische Filmmusik, Zeitlupe, direkter Zoom auf die Augen mit perfekt getuschten Wimpern. Wahnsinn. Ein magischer Moment. Also stehe ich vor dem Spiegel, atme tief ein, setze an – und zucke. Ich steche mir die Bürste ins Auge. Die Kontaktlinse ist schwarz, mein Blick getrübt. Aufgeben? Keine Option. Ich pinsle hektisch weiter, während mein Auge versucht, den klebrigen Fremdkörper auszutränen. Das Ergebnis: schmerzende Panda-Augen. An diesem Tag hat sich auch Wimperntusche für mich erledigt. Ich entsorge sie hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Künftig heißt es: „Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist die Ungeschminkteste im ganzen Land?“ Julia. 29. Und glücklich darüber.

Wandelbar dank Concealer und Co.

Laura Schertl: A GOOD FAIRY TALE

Ein glückliches Paar hatte keinen Buben, sondern ein Mädchen. Mit zierlicher Gestalt und Kleidern aus seidenen Fädchen. War sie dabei, das Schloss zu verlassen, sah sie allerlei Damen in den traumhaften Gassen. Ihre Schönheit, das war klar, kam nicht von allein. Sie halfen nach, mit Pinseln und Pudern, und zwar vom Kopf bis zum Bein. Das Mädchen, ganz begeistert, mit goldenem Haar, wollte das auch können, so viel war klar. Zwischen Glitzer und Glamour und guten Gerüchen gab sie sich selbst ein großes Versprechen: „Mich so zu verwandeln, das lerne ich bald, dann hab’ ich die Schönheit in meiner Gewalt.“

Und? Wer hat es bis hierher geschafft? Wie viele Leser sind noch dabei? Alle? Super, dann können wir ja loslegen. Falls ihr euch jetzt denkt: „Hoffentlich kann sie sich besser schminken als sie dichtet“ – da kann ich euch beruhigen. Ich kriege derartig glitzernde Looks hin, das ein Pfau neben mir wie ein echt dezenter Typ aussieht. Die Anzahl meiner Lidschatten-Paletten ist über die Jahre exponentiell gestiegen und ich habe keinen Skrupel, mir den 25. Lippenstift in Rosé zu kaufen, nur weil der Ton minimal dunkler ist als alles, was ich bisher zuhause habe. Und meine favorisierte Foundation kaufe ich am liebsten in der Special-Edition mit Glitzerdeckel. Ja, ich habe eine Leidenschaft für Schminke, die sich spät, aber um so heftiger entwickelt hat. Während andere schon ihre Augenbrauen nachmalten, übte ich noch, mir mit der Mascara nicht durchgängig ins Auge zu stechen. Oder mit frisch getuschten Wimpern zu niesen. Klassiker. (Tipp: Zunge an den Gaumen drücken. Dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, niesen zu müssen um eine nicht von mir evaluierte Prozentzahl). Aber irgendwann, als die anderen bei Mascara und Lippenstift stehen blieben, kam ich wie der Phoenix aus der Asche … okay, ganz so dramatisch war es nicht. Ich hatte Youtube-Tutorials für mich entdeckt und begann, Looks nachzuschminken. Die wichtigste Lektion war: Du wirst niemals, absolut NIEMALS, ein Cat-Eye dann hinbekommen, wenn du es brauchst. So will es das Eyeliner-Gesetz. Entweder sitzt die eine Seite tiefer als die andere, der Liner ist links dicker als rechts oder du verkackst es so richtig und bei dem Versuch, das Elend auszubessern, endest du mit einem Amy-Whinehouse-Gedächtnis-Auge. Machst du das Cat-Eye aber zum ersten Mal ganz nebenbei, dann klappt es immer. Und von da an nie mehr.

Leben mit Glitzer

Auch richtig Freude bringt Folgendes: In einem fast einstündigen Prozess wurde die Haut durch einen Primer vorbereitet, die Foundation aufgetragen, mit Concealer alles abgedeckt, mit Puder verputzt, die Wangenknochen konturiert, Lidschatten aufwändig verblendet und mit Glitzer perfektioniert, ein optimaler Lidstrich gezogen, es fehlt nur noch die Mascara. Und dann verlierst du plötzlich sämtliche motorische Fähigkeiten und rammst dir das Ding bis hinter an den Sehnerv. Gefühlt. Es folgt hektisches Blinzeln, optische Ähnlichkeit mit einem Waschbär und hysterisches Schluchzen, weil jetzt die ganze Schmierage wieder abgekratzt werden muss. Im solchen Momenten würde ich gerne ins Auto steigen, auf die Autobahn fahren und schreien. Wenn aber alles glatt läuft, freue ich mich, wenn mir mein Spiegelbild gefällt. Manchmal dezent, manchmal eher Olivia Jones. Das kommt ganz auf die Laune an. Wer mit mir feiern geht, muss mit dem Glitzer leben. Und, wer hat Lust?

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