11.12.2018 - 21:42 Uhr
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Wird der Zoigl Kulturerbe?

Süffige Nachricht für die Region: Der Zoigl ist auf dem Weg zum Kulturerbe. Das hat die Nordoberpfalz jetzt zwar ohne Siegel, aber immerhin mit Brief.

Auch die Arbeit in den Felsenkellern der Hausbrauer gehört zur Oberpfälzer Zoiglkultur. Alfons und Jo Bergler sowie Fritz Egeter (von links) füllen den eigenen Biervorrat für ein ganzes Jahr in die Fässer: Au der anderen Seite gibt es moderne Smartphone-Apps, aus denen die Gäste die Schanktermine in den Zoiglstuben erfahren.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Der ist am Freitag in Berlin unterschrieben worden und am Dienstag bei der Schutzgemeinschaft "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" angekommen. Damit ist die Aufnahme der Oberpfälzer Zoigltradition in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes perfekt.

Das Expertenkomitee, das die Liste aufstellt, würdigt die Oberpfälzer Zoiglkultur als jahrhundertealte Tradition, die in hohem Maße identitätsstiftend für die lokale Bevölkerung wirkt. "Sie schafft vor allem einen Raum der Begegnung, des Austauschs und der Integration von Zugezogenen und Fremden. Das Engagement der Trägergemeinschaft zur Erhaltung der Kulturform mit ihren verschiedenen Ritualen und Kommunikationsformen ist bemerkenswert. Die Öffentlichkeits- und Informationsarbeit der Träger, wie die Entwicklung einer Smartphone-App, sind zeitgemäß und sichern die Lebendigkeit der Zoiglkultur auf überzeugende Weise."

In Neuhaus, Windischeschenbach, Eslarn, Falkenberg und Mitterteich habe man mit der Auszeichnung nicht mehr gerechnet, sprach Reinhard Fütterer von einer Überraschung. Die Aufnahme in die Bundesliste ist für den Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" ein Zeichen der Wertschätzung für den echten Zoigl. "Ich freue mich narrisch, dass andere Leute das so sehen wie wir."

Der Unterschied zu Mitbewerbern für die Liste sieht der Neuhauser Zoiglwirt darin, dass man nicht nur für sich selbst etwas tue, sondern die jahrhundertealte Tradition, soweit möglich, erlebbar mache. Schließlich gehe es um mehr als Bier. "Das Wichtigste am Zoigl ist, dass man zusammenkommt." Nicht vergessen dürfe man die Hausbrauer, ohne die es keinen Zoiglwirt und keine Tradition mehr gäbe. "Aus dem ursprünglichen Hausbrauen ist der Ausschank entstanden. Daraus resultiert die ganze Zoiglkultur."

Charakteristisch für sie ist das gemeinschaftliche Brauen im lokalen Kommunbrauhaus sowie der von intensiver Kommunikation begleitete Ausschank und Konsum des handwerklich gebrauten Bieres bei Nebenerwerbswirten. Da nur geringe Biermengen hergestellt werden, erfolgt der Ausschank in wechselnden Zoiglstuben nur zu bestimmten, von den Wirten gemeinsam festgelegten Terminen.

Norbert Neugirg als Sprecher der Schutzgemeinschaft, der mit der Altneihauser Feierwehrkapell'n als inoffizieller Zoiglbotschafter unterwegs ist, will intensiv dafür trommeln und trompeten, dass die ganze Welt von der Zoiglkultur erfährt.

Nicht nur er hofft, dass 2021 die letzte Hürde genommen wird und die Zoiglkultur nominiert wird für die Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Ende 2019 steht die Entscheidung für die multinationale Bewerbung des Bauhüttenwesens an und 2020 die für die Deutsche Theater- und Orchesterlandschaft. Bereits verzeichnet sind aus Deutschland die Genossenschaftsidee und -praxis, Orgelbau und -musik, Falknerei sowie der Blaudruck.

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