11.05.2018 - 20:10 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Stadtrat beschließt Neubau eines weiteren Kindergartens mit Krippe "Spatzennest" wird zu klein

Die Zeit drängt: Ab 2020 reichen die Betreuungsplätze für Kleinkinder nicht mehr aus. Die Diözese winkt bei einer weiteren Krippengruppe ab und so entscheidet sich der Stadtrat nach kontrovers geführter Diskussion für einen Neubau mit weltlicher Trägerschaft. Auch zwei Kindergartengruppen sollen entstehen.

"St. Marien" ist ausgebucht. Nachdem es im Kindergarten (vorne) und in der Kinderkrippe "Spatzennest" (im Hintergrund) jeweils einen Bedarf für eine weitere Gruppe gibt, fasste der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss für den Neubau einer weiteren Kindertageseinrichtung. Der Standort wird noch festgelegt. Bild: Portner
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Nachdem sich der Stadtrat schon seit einem dreiviertel Jahr - und im April auf einer Sondersitzung - nichtöffentlich mit der Thematik beschäftigt hat, gab es diese Woche im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung einen einstimmigen Grundsatzbeschluss für den Neubau einer Kindertageseinrichtung. Dem ging allerdings eine längere Diskussion voraus, wobei der Bürgermeister und die CSU/CWG/Aktive-Fraktion für den Neubau plädierten und sich die PWG/SPD/JW-Fraktion erst nach einer Sitzungspause damit anfreunden konnte. Details wurden später im nichtöffentlichen Teil besprochen. Der Beschluss für den Standort wird laut Bürgermeister Heinz Weigl erst in der Juni-Sitzung fallen.

160 Kinder

Aufgrund der Bestätigung des Jugendamtes habe die Stadt einen zusätzlichen Bedarf für mindestens eine Kindergartengruppe (25 Plätze) und eine Krippengruppe (12 Plätze). Den Kindergarten St. Marien besuchen aktuell 160 Kinder (5 Kindergartengruppen und 2 Krippengruppen im "Spatzennest"). Seit 2016 gilt eine bischöfliche Anweisung, wonach Pfarreien nur noch eine bestimmte Zahl an Kindergartengruppen betreiben dürfen. Das Bistum hat festgeschrieben, dass für eine Pfarrei in der Regel vier Gruppen ausreichen müssen. Verwaltet der Pfarrer zwei Pfarreien, dürfen es höchstens sechs Gruppen sein.

"Von der PWG-Fraktion gibt es einen Antrag, die Planungskosten für einen eventuellen Neubau erst für 2019 in den Haushalt einzustellen", führte CSU/CWG/Aktive-Sprecher Alexander Ried an und fuhr fort: "Wir sind für heuer, denn wir müssen dringend eine weitere Krippengruppe schaffen." Diese werde dauerhaft benötigt und sei am jetzigen Standort nicht möglich. Ab 2020/21 dränge ein starker Geburtenjahrgang in die Einrichtung. Ried forderte die PWG auf, den Antrag zurückzuziehen. Den bereits diskutierten Waldkindergarten verfolge man derzeit nicht weiter, um den Landkindergarten Pullenried nicht zu gefährden. Wie Kämmerer Michael Hösl informierte, habe ein Waldkindergarten in Oberviechtach keine Auswirkung auf die gut geförderte und nicht ausgelastete Einrichtung in Pullenried, aber auf Pläne für Oberviechtach. Egbert Völkl sprach an, den Landkindergarten aufzuwerten und damit attraktiver auch für andere Familien im Stadtgebiet zu machen. "Wir haben ein Krippenproblem", führte Ried die Diskussion wieder zurück. "Wir stecken in einem Dilemma", sagte PWG/SPD/JW-Sprecher Josef Lohrer. Die Fraktion stehe hinter dem Bedarf, möchte aber, dass mögliche Alternativen näher untersucht werden, wie Waldkindergarten, Nutzung der Einrichtung in Pullenried, weitere Krippengruppe im Kindergarten Oberviechtach im Rahmen der ohnehin erforderlichen Sanierung. "Ein Neubau kommt uns teurer als eine zusätzliche Eingliederung, für welche der Raum nach einer Erweiterung auch da wäre", so Lohrer. Allerdings habe die Kirche signalisiert, keine Trägerschaft für eine weitere Krippen- oder Kindergartengruppe zu übernehmen, und das Landratsamt befürworte einen Neubau. Wie Lohrer weiter ausführte, müsse man diesen deshalb als Alternative in Betracht ziehen. Da die Zeitvorgabe sehr knapp bemessen ist, sei die Fraktion für eine Kostenschätzung und die Beauftragung eines Planers, um einen Förderantrag stellen zu können. Erst wenn man wisse, wie hoch Kosten und Förderung ausfallen, könne man über das weitere Vorgehen entscheiden.

Kirche gibt Gruppe ab

Alexander Ried sah dies anders: "Wir haben keine Alternative." Schon das jetzige Raumprogramm werfe Probleme auf: "Wir bringen keine zusätzliche Gruppe in den Baukörper." Nun schaltete sich auch Bürgermeister Heinz Weigl ein, der klarstellte, dass die Diözese keine weitere Gruppe genehmigen, sondern sogar eine abgeben würde. Und eine Einrichtung mit anderer Trägerschaft könne man nicht "einfach andocken". "Wir brauchen einen neuen Kindergarten", bekräftigte Weigl und verwies darauf, dass bei einer eventuell künftig angedachten kostenfreien Nutzung noch mehr Plätze gebucht werden. Auch könne man als Schul- und Einkaufsstadt nur punkten, wenn genügend Betreuungsplätze vorhanden sind. Weigl sprach an, dass aus dem Fördertopf 50 bis 60 Prozent bereitstehen und eventuell wieder ein Zusatzprogramm aufgelegt wird. Für einen Baubeginn im Frühjahr 2020 sei die Vorlaufzeit von zwei Jahren äußerst knapp. Deshalb müsse ein Beschluss gefasst werden, auch wenn es finanziell kein leichter Weg werde. Der Stadt lägen bereits drei Angebote von möglichen Betreibern vor. "Wir wollen die Förderung nicht gefährden und gehen den Weg einvernehmlich mit, auch wenn wir noch Bedenken haben", sagte PWG/SPD/JW-Sprecher Josef Lohrer. Einstimmig wurde sich noch für ein Bauherrengremium ausgesprochen, welches beratend tätig sein wird.

Wir stecken in einem Dilemma.Josef Lohrer

Wir bringen keine zusätzliche Gruppe in den Baukörper.Alexander Ried

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