12.04.2019 - 11:27 Uhr
ParksteinOberpfalz

Brauchtumspflege mit Nadel und Faden

Knöpfe aus Gummi? Reißverschlüsse? Das geht ja gar nicht. Die Regeln fürs Nähen eines traditionellen Dirndls sind streng. In Kursen des Waldvereins gelingen den Teilnehmerinnen dennoch beeindruckende Unikate.

Viel fescher geht's nimmer: Mit Organisatorin Maria Enslein (Dritte von links) zeigen die Kursteilnehmerinnen die beeindruckenden Ergebnisse des Dirndl-Nähkurses.
von Redaktion ONETZProfil

Stellvertretender Bezirksheimatpfleger Florian Schwemin ist sichtlich angetan: „Es ist schon eine Kunst, mit Stoff, Faden und Nähnadel so ein tolles Produkt zu erstellen." Was ihn so beeindruckt, sind Dirndln, genäht von Laien. Beim Leinerbauern in Oed (Parkstein) stellten die Teilnehmerinnen des 28. Trachtennähkurses ihre selbstgefertigten Trachten vor. Seit 15 Jahren bietet der Oberpfälzer Waldverein, Ortsgruppe Neustadt/WN, die Nähkurse unter Regie von Maria Enslein an. Immer samstags hatten sich die Frauen im Beruflichen Schulungszentrum Neustadt/WN getroffen. Unter Anleitung von Trachtennäherin Edeltraud Wild aus Gaistal steckten die Teilnehmerinnen 25 Unterrichtsstunden und bis zu 30 Heimarbeitsstunden in ihre Dirndln. Wie sich bei der Präsentation zeigt, bewiesen sie dabei hervorragendes handwerkliches Geschick.

Edeltraud Wild weist auf Besonderheiten bei dieser Art von Tracht hin: Es dürfen keine Reißverschlüsse, keine Knöpfe aus Gummi und keine Haken verwendet werden. Und einen gewissen Schnitt muss sie haben. Erneuerte Trachten müssten - im Gegensatz zur Trachtenmode - charakterische Merkmale aus ehemaligen, traditionellen, meist bäuerlichen und auch bürgerlichen Trachten übernehmen. Auch die Länge des Rockes ist vorgegeben: nicht kürzer als bis zur Hälfte der Wade.

Das Einhalten der Vorschriften ist auch Voraussetzung für eine Förderung durch die Regierung der Oberpfalz. Denn die Dirndln sind Kulturgut und nicht mit den kommerziellen Angeboten gleichzusetzen. Die Regierung unterstütze diese Brauchtumspflege sehr gerne mit finanziellen Zuwendungen, sagt Schwemin. Die Nähkurse "haben das Ziel, Wissen zu erhalten, es zu vertiefen und dieses an die nachfolgende Generation weiterzugeben. Die Tracht ist ein Ausdruck von Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit.“

Der nächste Kurs beginnt im November 2019. Schon jetzt liegen 15 Anmeldungen vor.

Organisatorin Maria Enslein mit Kursleiterin Edeltraud Wild, stellvertretendem Bezirksheimatpfleger Florian Schwemin und Stofflieferantin Brigitte Ettl (von links).
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