13.05.2018 - 10:14 Uhr
PirkOberpfalz

Heimatforscher Georg Kick veröffentlicht Buch über Pischeldorf Morastwiese stoppt Vormarsch

Zur Autorenlesung aus dem Buch "Pischeldorf - Geschichte und Geschichten" hatten die Kultur-Freunde den Heimatforscher Georg Kick eingeladen. Kick bezeichnet sich selbst als "Laienprediger aus Rothenstadt". Dr. Hermann Schwab erinnert an eine Begebenheit am Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Amerikaner nach Pirk auch Pischeldorf einnehmen wollten. Dorthin führte aber nur ein Fußweg. Die schweren Kettenfahrzeuge sanken im morastigen Wiesenboden ein.

Georg Kick liest aus seinem Buch über Pischeldorf und ergänzt die Sätze durch anekdotenreiche Erzählungen. Bild: fsb
von Redaktion OnetzProfil

Georg Kick widmete das Buch seinem Großvater Bartholomäus (Löinderl), einem Pischeldorfer, der 1902 Margarete Bogner in Rothenstadt geheiratet hatte. Er habe versucht, bereits veröffentlichte Daten aus der Geschichte des Ortes zusammenzufassen und das Schicksal eines Bauerndorfes lesbar zu schildern. Durch seinen reichen Erfahrungsschatz, Recherchen und Forschungen bereicherte er das mit vielen Anekdoten gefüllte Werk mit Leben. Kick macht deutlich, wie das bäuerliche Leben den Tages- und Jahresablauf der Menschen prägte und wie sich das wohlhabende Bauerndorf durch die gravierenden Veränderungen seit dem Krieg veränderte.

Eigentlich war Kick mit dem geschichtlichen Teil des Büchleins 2004 fertig. Doch nach Auflösung des Flurbereinigungsamtes, das den aktuellen Teil beisteuern sollte, wurde es auf Eis gelegt. Vor zwei Jahren las Kick nochmals sein Manuskript und entschloss sich, es zu ergänzen.

Bei der Lesung schilderte er zwischen den Zeilen weitere Infos und Begebenheiten. Mit einem Meterstab als Zeitleiste verdeutlichte der Autor die durch Ausgrabungen in der Bonau nachgewiesene Anwesenheit von Menschen in der Pischeldorfer Flur in vorchristlicher Zeit und die Gründung der Rodungs-Siedlung im 11. Jahrhundert. Über 800 Jahre änderte sich die Struktur des an der "Magdeburger Straße" gelegenen Dorfes mit seinen elf in ihrer Größe gleichbleibenden Höfen kaum. Man führte nahezu immer das gleiche Leben, geprägt von harter Arbeit.

Die Glaubenswirren zu Beginn des 17. Jahrhunderts gingen am letztlich immer katholischen Pischeldorf ohne erkennbare Spuren vorbei, doch weil sie lieber nach Rothenstadt zur Kirche gingen als nach Schirmitz/Pirk, bestrafte der Landrichter in Leuchtenberg einmal zwei Bauern zu je 10 Gulden, dem Wert einer Kuh. Der von der Dorfgemeinschaft angestellte Dorfhirte, der ein Leben auf unterster sozialer Stufe fristete, war bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Schlüsselfigur der Viehhaltung. Dann übernahmen Buben aus kinderreichen und ärmlichen Familien der Umgebung seien Aufgaben.

Schon immer ein Problem war die Hofübergabe, wie sich auch im Austrägler-Spruch "Überge(b)m - nimmå le(b)m" zeigt. Nach dem Krieg brach die Mechanisierung der Landwirtschaft wie eine Lawine über das Land herein. Die Produktionserträge stiegen um ein Vielfaches. Die Probleme mit der Überproduktion und der dramatischen Veränderung der Dorfstruktur begannen. Hatte Pischeldorf vor etwa 150 Jahren halb so viele Einwohner wie Pirk, so lebten 2004 dort 46 Menschen und nur vier Höfe haben heute Nutzvieh.

Eine Besonderheit des Ortes ist der Familienname Kick, der über Jahrhunderte hinweg von sieben bis neun der elf Bauernhöfe geführt wurde. Deshalb waren zur Unterscheidung die Hausnamen wie "Bauåmichl", "Löindårl", "Gosl", "Adlbauå" oder "Schneidåkundl" enorm notwendig. Ein auch das Umland bewegendes Ereignis war die seit 1978 über acht Jahre im Hof des Originals "Gosl-Michl" gefeierte "Oiå-Kirwå". Entstanden ist sie durch eine für das "Königlich Bayerische Amtsgericht" reife, im Buch ausführlich geschilderte Episode.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.