13.07.2018 - 15:24 Uhr
PlößbergOberpfalz

Alles auf Anfang auf der Insel

Alles Hab und Gut verkauft, auch das Haus und das Zweitauto. Christina und Joseph Walberer aus Plößberg wollen mit ihrem Sohn Lukas nach Neuseeland auswandern. Eine Reise ins Ungewisse.

Die Familie Walberer mit Papa Joseph (28), Sohn Lukas (9) und Mama Christina (29) (von links) noch vor dem verkauften Haus in Plößberg. Mittlerweile ist die Familie nach Hamilton im Norden Neuseelands ausgewandert.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Bereits seit drei Jahren überlegt die junge Familie auszuwandern. "Deutschland kennt man irgendwann. Es gibt noch so viel von der Welt zu sehen. Wir hatten immer das Gefühl, dass da noch mehr ist, wir schauen nicht weit genug über den Tellerrand", sagt Joseph Walberer. Zunächst fasste das Paar Österreich ins Auge. Nach einem Urlaub in Wien allerdings stellten sie fest: Österreich ist nicht weit genug weg. Christina Walberer dreht per Internet an der Weltkugel. Wo spricht man englisch? Ihr wird Neuseeland angezeigt. Sie ist begeistert von den Vulkanen und Wasserfällen und der interessanten Kultur.

Hürden zum Verzweifeln

Der 28-Jährige und die 29-Jährige organisieren sich im vergangenen Oktober einen Einwanderungshelfer, der bei den wichtigsten Vorbereitungen helfen soll. "Ich habe mir auf einem Notizzettel alles in englisch aufgeschrieben, damit ich nichts vergesse", erklärt Joseph. Die Aufregung ist umsonst: Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Deutscher, der bei der Einwanderungsbehörde in Neuseeland arbeitete und sich dann als Einwanderungshelfer selbstständig machte. Trotz der Unterstützung folgt ein langer Weg. Um überhaupt ein Arbeitsvisum zu bekommen muss der Industriemechaniker zunächst seine Ausbildung anerkennen und beglaubigen lassen. "Die Einwanderung ist ganz schön kompliziert. Es gibt einige Hürden, alles kann bereits an einer Anerkennung scheitern", erklärt Christina. In manch bürokratischen Wirrwarr beginnt das Paar zu zweifeln. Aber sie nehmen jede Hürde, die sich auftut. Sie recherchieren im Internet, suchen sich Facebook-Gruppen oder fragen andere Auswanderer, die sehr nett und hilfsbereit gegenüber den Neulingen sind.

Ballast abwerfen

Noch vor Weihnachten fängt die Familie an ihr Haus, das sie eigentlich renovieren und vermieten will, zu entrümpeln. 2016 sind die Walberers wegen Josephs Job von Pressath nach Plößberg gezogen. Das Haus ist ihnen ans Herz gewachsen. Sie fingen an, es liebevoll zu renovieren. "Die Renovierung haben wir bis zur Hälfte geschafft. Dann stand fest, dass wir nicht in Deutschland bleiben wollen." Mit dem Hausverkauf rück alles immer näher. Die Aufgaben laufen auf einen Termin zusammen. Das war der größte Schritt. "Wir dachten nicht, dass die Waschmaschine so schnell verkauft ist. Innerhalb von zwei Tagen war sie weg. Ich hab drei Wochen bei meiner Mama gewaschen. Diese Fahrerei und das Warten, da dachte ich, ich mag nicht mehr." Dann sind die Visa gekommen, alle Probleme damit vergessen.

Ohne Haus und Krempel - der ganze Ballast ist fort. Für Christina hat das Aussortieren und Verkaufen eine befreiende Wirkung. "Das ist super ohne den ganzen Ballast." Nach dem Verkauf des Hauses und dem Auszug Ende Mai, wohnt die dreiköpfige Familie bei Christinas Bruder in Kirchenthumbach. Irgendwie lustig, findet die 29-Jährige, aber trotzdem seltsam: "Es ist wie vor 25 Jahren." Der Abschied für die Familie fällt dadurch fast noch schwerer. Die Eltern der Auswanderer machen sich Sorgen, auch weil sie ihr Enkelkind Lukas so lange nicht sehen.

Am Anfang werden wir gar keine Zeit haben, die Leute zu Hause zu vermissen." Andererseits verpassen auch Familienfeste, wie etwa den 60. Geburtstag von Christinas Mama im September. "Wir haben vielleicht auch eine rosarote Brille auf. Wir freuen uns so sehr und blicken nur auf positive Dinge", meint Joseph. "Wir sind jetzt 14 Jahre zusammen. Wir schaffen das. Unser Vertrauen ineinander ist so stark", ist sich Christina sicher.

Träume erfüllen

"Gerade in der heutigen Zeit ist es doch so einfach, sich seine Träume zu erfüllen. Man muss es nur machen." Das Leben in Deutschland wird der Familie zu langweilig, zu eng. Alltagstrott. Routine. Jeden Tag das Gleiche. Christina will unbedingt einmal im Leben unter einem Wasserfall baden. "Wenn man sich traut, geht das", sagt Christina optimistisch.

Das schlechteste das der Familie passieren kann ist, dass es nicht klappt, dass die Auswanderer es nicht schaffen in Neuseeland Fuß zu fassen. "Wir hoffen natürlich, dass es klappt. Wenn nicht, ziehen wir zur nächsten Station weiter", sagt Christina. "Oder wir müssen in Deutschland von vorne anfangen", sagt Joseph. Aber dieses Risiko ist es wert, es zu versuchen. Jedem zweifelnden Moment steht der große Traum gegenüber.

Ins Ungewisse

Zwar sind Mitte Juni alle Papiere da, dennoch weiß die Familie nicht, wie schnell Joseph eine Arbeit findet. Er beantragte eine Kombination aus Arbeits- und Urlaubsvisum, das für ein Jahr gilt. Sein Ziel: Einen festen Arbeitsplatz zu bekommen. Junge qualifizierte Fachkräfte seien händeringend gesucht. Der Einwanderungshelfer hat dem 28-Jährigen schon ein paar Firmen herausgesucht, wo er sich bewerben kann. Davon hängt einiges ab. Erst wenn Joseph Arbeit hat, erhält er eine Aufenthaltserlaubnis, mit dem automatisch auch Frau und Sohn einwandern dürfen. Bis es soweit ist, haben Christina und Lukas ein Holiday-Visum und lernen Neuseeland derweilen als Urlauber kennen. Aber auch Christina möchte fest Fuß fassen und irgendwann wieder arbeiten. "In der Tourismusbranche kann ich mir das gut vorstellen."

Joseph fliegt Mitte Juni fünf Tage vor seiner Familie. In Neuseeland angekommen wartet auf die Drei nicht das übliche Touristen-Ding: "Es ist alles geplant", erklärt Christina. "Das Hostel ist gebucht und Josef wird vom Flughafen abgeholt." "Das trau ich mir nicht zu, 24 Stunden im Flieger sitzen, die Zeitverschiebung, und dann noch auf der verkehrten Seite Auto fahren?", erklärt Joseph lachend. Er hat dann einiges vorzubereiten, bevor Christian und Lukas etwa eine Woche später ankommen: Konto eröffnen, Auto kaufen, Arbeit finden.

Leben will die Familie in Hamilton, eine Kleinstadt auf der Nordinsel. Das Paar informierte sich intensiv, auch wegen der Schulen für den neunjährigen Sohn. Er freut sich schon auf die Schuluniform. Und darauf, an Weihnachten Palmen mit Christbaumkugeln anzuhängen. Denn während in Deutschland der Sommer Hochsaison hat, ist es in Neuseeland bereits Herbst. "Hier haben wir Sommer gehabt, dort wirds dann erst mal kalt", weiß Christina. Eine gute Zeit um auszuwandern, findet sie. "Da sind weniger Backpacker unterwegs. Wohnungen und Autos bekommst du so schneller und günstiger."

Die übrige Zeit in der Oberpfalz vergeht so schnell. Zum Abschied treffen sie sich noch einmal mit vielen Freunden um gemeinsam Zeit zu verbringen. "Einige haben schon angekündigt, und wollen bei uns Urlaub machen", freut sich das Ehepaar. "Neuseeland ist so vielfältig. Wenn wir reisen, sind die Fitschi-Inseln oder Bali um die Ecke." Die 29-Jährige hat bereits in Deutschland das Gefühl, sich in der Wahlheimat wohl zu fühlen.


Die ersten Schritte im neuen Land auf Video:

Info:

Christina Walberer hält in ihrem Video-Blog auf dem Youtube-Kanal [Team_Christella] über die Auswanderung auf dem Laufenden.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.