09.06.2020 - 12:41 Uhr
PressathOberpfalz

Neue Impulse für das Gehirn

Kann Denksport die Gehirnleistung erhalten oder sogar steigern? Schützt Gedächtnistraining gar vor Demenz? Auch die körperliche Fitness scheint eine Rolle zu spielen.

„Alles, was das Gehirn anstrengt, alles Neue trainiert unsere Gehirnzellen“, sagt Gedächtnistrainerin Daniela Thoma.
von Christa VoglProfil

Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren herausgefunden, dass das menschliche Gehirn seine größte Leistungsfähigkeit mit 30 Jahren erreicht. Danach lassen die Gedächtnisfunktionen allmählich nach. Etwa im Alter von 50 beginnt der normale Abbau von Zellstrukturen, was sich vor allem beim Kurzzeitgedächtnis auswirkt: Es ist nicht mehr so leistungsfähig wie früher. Das bedeutet: Gelesenes, Gehörtes und Gesehenes ist nicht mehr zuverlässig abrufbereit. Es wird zunehmend schwieriger, komplexe Zusammenhänge schnell und gut zu erfassen. Wie kann man dem entgegenwirken? Und: Ist das überhaupt möglich?

Daniela Thoma aus Schwarzenbach bei Pressath ist seit 2002 als Lern- und Gedächtnistrainerin an Bildungseinrichtungen, bei Vereinen und auch in Firmen unterwegs. Die entsprechende Ausbildung dazu absolvierte sie bei der Gesellschaft für Gehirntraining e.V. über verschiedene Seminare und Prüfungen. Durch die Teilnahme an den von ihr angebotenen Kursen soll die geistige Fitness erhalten und verbessert werden. Schlagworte dafür lauten "Braintraining", "Gehirnjogging", "Brain Gym" oder auch ganz einfach Gehirnleistungstraining.

Daniela Thomas Seminare basieren auf dem Konzept des Mentalen Aktivierungs-Trainings (MAT) für die gezielte Förderung der Grundfunktionen der Hirnleistung. "Durch die Übungen in meinen Kursen werden zwei Grundgrößen trainiert: die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (zum Beispiel: Wie viel Zeit benötige ich, um einen Text zu lesen, dessen Inhalt aufzunehmen und ihn korrekt wiederzugeben?) sowie die Merkspanne (zum Beispiel: Ich schreibe einen Einkaufszettel, ich vergesse ihn zu Hause, ich stehe im Supermarkt. An wie viele Artikel, die auf dem Zettel stehen, erinnere ich mich noch?).

Anwendungen im Alltag

Die Kurse - im Normalfall dauert eine Sitzung zwischen 60 und 90 Minuten - bestehen jeweils aus einem kurzen theoretischen Teil gefolgt von praktischen Übungen und vor allen Dingen aus Anwendungstipps für den Alltag. Die Unterlagen dafür erhält Thoma von der Gesellschaft für Gehirntraining e.V., zum Teil erstellt sie die Aufgaben aber auch selbst.

Die Grundprinzipien des Trainings erklärt die 51-Jährige wie folgt: "Alles Ungewohnte, alles nicht Routinemäßige ist gut für das Gehirn. Alles, was das Gehirn anstrengt, alles Neue trainiert unsere Gehirnzellen." Daher seien die von ihr angebotenen Übungen sehr abwechslungsreich, um dem Gehirn ständig neue Impulse zu geben. Sie passe den Schwierigkeitsgrad der Übungen an die jeweiligen Kursteilnehmer an.

"Hirngerechte" Ernährung

"Auch deswegen ist es natürlich besser, nicht alleine zu Hause Übungen am Computer oder mit Hilfe eines Buches zu bearbeiten, sondern einen Kurs zu besuchen, bei dem man angeleitet wird", ist sich Thoma sicher. Ausschlaggebend für den Erfolg seien neben einem regelmäßigen täglichen Training auch weitere Faktoren wie "hirngerechte" Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und allgemeine Sinnestüchtigkeit. Denn, so betont sie: "Das Gehirn ist ein Muskel. Er muss trainiert werden. Genauso wie der Bizeps."

Doch kann man die grauen Zellen wirklich trainieren und so die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern? Ulman Lindenberger, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin ist skeptisch und erklärt in einem Interview mit dem "Spiegel": "Ein Trainingsprogramm, das unser Denken generell verbessert, gibt es bislang nicht." Was in der Praxis bedeutet, dass sich nach einer Trainingsphase die Teilnehmer eben nur in den trainierten Aufgaben enorm verbessern. Also nur bei genau den Aufgabentypen, die sie üben.

Daniela Thoma aus Schwarzenbach bei Pressath ist seit 2002 als Lern- und Gedächtnistrainerin an Bildungseinrichtungen, bei Vereinen und auch in Firmen tätig.

Wo aber liegt dann die Lösung? In der Wissenschaft ist in Bezug auf die geistige Leistungsfähigkeit immer wieder die Rede von "einem gesunden und aktiven Lebensstil". Zum Beispiel mit Hilfe des lebensnahen Lernens, das heißt durch die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt: Indem man beispielsweise ein Musikinstrument lernt, einen Sprachkurs belegt oder einen Tanzkurs macht. Der Alltag wird dadurch mit neuen Anregungen und somit mehr Lernerfahrungen angereichert.

Neubildung von Nervenzellen

Es ist wichtig, aktiv, offen und neugierig zu bleiben. Bereits diese Bausteine bewirken eine stärkere Neubildung von Nervenzellen. Doch auch Bewegung, das heißt körperliche Aktivität spielt beim Gehirntraining eine sehr wichtige Rolle. Die deutsche Altersforscherin Ursula Staudinger hat herausgefunden, dass regelmäßiges, moderates Ausdauertraining wie Nordic Walking oder Tai Chi die Reaktionsgeschwindigkeit in Intelligenztests verbessert, also die Hirnleistung positiv beeinflusst.

Besser konzentrieren, schneller denken, weniger vergessen: Bisher gibt es noch kein Allheilmittel, um diese Ziele zu erreichen. Belegt ist jedoch, dass durch einen Mix aus Bewegung, immer neuen Herausforderungen im Alltag und lebenslangem, aktivem Lernen das Gehirn positiv beeinflusst wird. Eine Garantie, das Gehirn dadurch generell vor Abbauprozessen zu schützen und bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben, gibt es allerdings nicht.

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