08.05.2018 - 20:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Von der Kindheit und vom Sterben Lesung mit Eva Demski

Eva Demski schreibt in ihrem jüngsten Buch wieder über Regensburg. Die Autorin las kürzlich in der Galerie St. Klara in den Räumen der Katholischen Jugendfürsorge und gestand: "Als Exil-Regensburgerin bin ich nie nervös - außer in Regensburg." Dafür hätte es für Eva Demski keinen Grund gegeben. Die Fangemeinde zwischen Donau und Dom ist ihr treu ergeben. Und das ist kein Wunder angesichts der wunderschönen Worte und Bilder und dem feinen Witz, mit denen die Autorin die Stadt ihrer Kindheit würdigt.

Eva Demski liest in der Galerie St. Klara aus ihrem neuen Buch "Den Koffer trag ich selber" vor. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Regensburg kommt gut weg bei der Autorin. Auch in ihrem neuen Buch "Den Koffer trag ich selber". "Am liebsten würde ich hier sitzenbleiben und alles vorlesen", gibt die Schriftstellerin zu. Dem Publikum, das die Galerie St. Klara bis auf den letzten Platz besetzt, wäre es wohl recht gewesen. Die knappen eineinhalb Stunden Kostprobe literarischer Häppchen von Eva Demski machen allenfalls Appetit auf mehr. Die Autorin serviert ihrem Publikum eine nicht enden wollende und auch nicht enden sollende Aneinanderreihung sinnlicher Eindrücke. Bunt, atmosphärisch, morbid, geistreich und witzig: So schreibt Eva Demski ihre persönlichen Erinnerungen über die ersten Jahre ihrer Kindheit in Regensburg.

Die verliefen inmitten einer "agnostischen Familie", deren Leben vor allem das Theater ausmachte. Dass ihnen als Nichtkatholiken einst ewige Verdammnis drohen würde, kümmerte von den Erwachsenen keinen. Lediglich der Großvater liebäugelte sein Leben lang mit dem Katholizismus - allerdings eher aus Verzückung angesichts der dort feilgebotenen barocken Herrlichkeit, wie es Demski ironisch begründet.

Die Welt ihrer frühen Kindheit schildert die Autorin in der für sie typischen literarischen Dichte und aus Sicht einer Vier- bis Sechsjährigen. Der Tod zeigte sich in dieser Welt überall. Väter waren nicht aus dem Krieg zurückgekommen, Geschwister vor der eigenen Geburt gestorben. Die tote Amsel bekam ein Requiem auf der Blockflöte. Im Theater sanken die Schauspieler Tag für Tag nach allen Regeln des kunstvollen Sterbens dahin.

Ferner schreibt sie von Blasmusik, Regensburger Parks, gespenstischen Villen und katholischer Zurechtrückung des protestantischen Kindes vonseiten der Englischen Fräulein.

Der Besuch der katholischen Schule hat bei der Schriftstellerin einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Praktische Überlegungen der Eltern und katholische Ambitionen des Großvaters hatten das halbe Heidenkind dorthin geführt. Angst vor der ewigen Verdammnis ist der mittlerweile als "Grande Dame der Frankfurter Literaturszene" bezeichneten Eva Demski bei ihrer Lesung nicht anzumerken. Wohl aber ein gewisses Unbehagen angesichts der zahlreich erschienenen Honoratioren in den Räumen der Katholischen Jugendfürsorge. "Falls Sie sich ärgern sollten", wendet die Autorin sich vorsichtshalber ans Publikum: "Ich bin dann ganz bald wieder weg."

Das wäre aber auch nicht nötig. Eva Demskis gewitzte Betrachtungen über Tod und Teufel, potenzielle Himmelsbewohner und fehlende Locken auf Nonnenstirnen rufen im ehemaligen Kloster St. Klara einhelligen Beifall hervor.

Regensburg kommt gut weg bei Eva Demski, und diese kommt gut weg in Regensburg. Dass sie im zweiten Teil der Lesung auch Stellen vorträgt, in denen es um ihren späteren Kontakt mit Außenseitern der Gesellschaft geht, hängt mit dem Anlass von Eva Demskis Besuch in Regensburg zusammen: Die Autorin ist Patin des "Kunstpreises für Menschen mit geistiger Behinderung". Dieser wird einen Tag nach der Lesung von der Katholischen Jugendfürsorge und dem Kunst- und Gewerbeverein Regensburg verliehen.

Die Schriftstellerin erzählt ferner von Verlegern, von Osteuropa und von Marcel Reich-Ranicki. Am eindrucksvollsten ihrer Lesung allerdings ist das vergangene Regensburg, das die Autorin mit starken Worten noch einmal auferstehen lässt. Kein Grund also, nervös zu sein.

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