25.05.2020 - 13:43 Uhr
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Der neue Popbeauftragte der Oberpfalz: Trotz Corona viel zu tun

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Konzerte gibt es keine, Bandproben sind wegen Corona auch schwierig. Es ist eine seltsame Zeit, um eine neue Stelle als Popbeauftragter beim Bezirk Oberpfalz anzutreten. Säm Wagner macht es trotzdem. Und er sagt: Es gibt genug zu tun.

Matthias "Säm" Wagner produziert einen Podcast über die darbende Oberpfälzer Kulturszene in der Coronazeit
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Stell die vor, Du bist Popbeauftragter, aber es gibt keinen Pop. Dieses schiefe Sprachbild passt ganz gut zu Säm Wagners Situation. Seit Monaten steht fest, dass sich der 45-Jährige ab Mai als "Beauftragter für Popularmusik" des Bezirks in Vollzeit um die Szene der Oberpfalz kümmern soll. Seit Monaten hatte Wagner einen Plan für den Einstieg in den neuen Job: "Ich wollte mich ins Auto setzen, Musiker und Veranstalter besuchen."

Auch wenn es auf absehbare Zeit keine Konzerte gibt und Besuche nicht möglich sind: Wagner sagt, er habe viel zu tun. "Ich führe viele Telefongespräche." Der Beratungsbedarf sei derzeit groß. Im Bezirk gibt es zwar wenige Bands, die tatsächlich von ihrer Musik leben. Corona reiße trotzdem große Löcher. Tontechniker, Musiklehrer, die Gastronomie. Vielfach seien über Nacht sämtliche Einnahmen weggebrochen.

Wagner wird's: Der neue Popbeauftragte im Bezirk steht fest

Regensburg

Auch ohne die geplante Vorstellungsrunde: Wagner weiß was in der Szene passiert. Er ist seit Jahrzehnten Teil von ihr, wenn auch nicht als Musiker. Dass das Talent dafür nicht reicht, haben vier Jahre Gitarrenunterricht belegt, sagt Wagner. Musik habe ihn trotzdem begeistert: „Ich bin ein Fan, ich mag die Atmosphäre bei Konzerten." Privat höre er vor allem „Indiesachen“, "The Notwist" nennt Wagner als Referenz für seinen Geschmack. „Aber eigentlich bin ich breit aufgestellt.“ Das sei immer schon so gewesen: „In der Schulzeit war ich als Hip-Hoper unterwegs, hatte aber auch mal eine Metal-Kutte“, erzählt er von seiner Jugend in Pressath. Damals habe er auch den Spitznamen „Säm“ verpasst bekommen – mit Punkten auf dem a. „Matthias nennen mich nur noch meine Eltern“.

Bezirk beschließt: Popbeauftragter in Vollzeit

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Weil bald ein neuer Ausweis fällig ist, überlege er, den „Säm“ als Künstlernamen eintragen zu lassen. Das wäre möglich, weil er unter dem Namen bereits als DJ, Veranstalter, Buchautor aktiv war. Immer ging es dabei um Musik, fast immer um solche, die es noch nicht ins große Rampenlicht geschafft hatte.

Als Student in Regensburg veröffentlichte Wagner mit dem Mitterteicher Matthias Weber regelmäßig die Fanzine " "Pitti Platsch 3000". Unter dem Titel veranstalteten die beiden Konzertabende, veröffentlichten Sampler mit ihren Entdeckungen. „Einmal waren wir damit "Platte des Monats" in der Spex“, sagt Wagner. Später arbeitete er als Musikjournalist, unter anderem für den BR-Zündfunk. Zuletzt war er mehrere Jahre als Redakteur bei der „Mittelbayerischen Zeitung“ in Regensburg. Popbeauftragter ist er auch schon sei 2007. Bisher standen ihm dafür aber lediglich drei Wochenstunden zur Verfügung.

Neben der zusätzlichen Arbeitszeit, will er vor allem Erfahrungen, Wissen und Netzwerk einbringen. Der Bezirk gebe zwar auch Zuschüsse, etwa für Studioaufnahmen. Vor allem will Wagner aber bei der Suche nach Probenräumen und Auftrittsmöglichkeiten helfen. „Das geht etwas leichter, wenn der Bezirk mit anschiebt.“

Und Wagner will Kontakte herstellen, Tipps geben, wie sich auch mit wenig Mitteln auf dem Land ein wenig Popkultur schaffen lässt. Dass das funktioniren kann, zeige das Sündikat in Weiden, das Wagner in höchsten Tönen lobt. Andererseits wolle er auch dafür sorgen, dass es Musiker aus der eigenen Stadt raus schaffen: "Wie bekomme ich Auftritte in Regensburg", das sei die Frage, die er am häufigsten von jungen Bands zu hören bekomme.

Zuvor gelte es nun die Coronakrise zu überstehen. Wagner will die Zeit für einen Podcast mit Bands nutzen, die von ihrem auftrittsfreiem Leben berichten. Auch so lässt sich die Szene besser kennen lernen.

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