09.05.2018 - 20:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ausstellung: Fotos von Benno Hurt Der Süden zwischen gestern und heute

"Der frühe Süden." Dieser Titel lässt sich doppelt auslegen. Denn Benno Hurt porträtierte in seinen Fotoserien einen Süden, wie es ihn heute nicht mehr gibt.

Benno Hurt wäre nicht Benno Hurt, wenn er den Süden auf pittoreskes Dolce Vita reduzieren würde. Ästhetisch ansprechend sind seine Fotos dabei allemal. Im Kunstkabinett in Regensburg zeigt der Fotograf Bilder seiner frühen Zeit. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Es ist lange her, dass sich wagemutige deutsche Urlauberpioniere mit der Frage konfrontiert sahen "Und Sie wissen, was Sie dort unten erwartet?" Der Teutonengrill hat an Exotik längst eingebüßt. Den Regensburger Schriftsteller und Fotografen Benno Hurt hat der Zauber nicht losgelassen. Seine "Reise ans Meer", in der er vor rund zehn Jahren den oben zitierten Satz niederschrieb, ist einerseits eine Erinnerung an das Aufeinandertreffen miefigen Spießertums mit südlicher Verheißung vor der Kulisse der 50er Jahre. Und außerdem eine Fortsetzung des eigenen fotografischen Schaffens, mit dem Hurt in den 70er Jahren eine Bestandsaufnahme vor Ort vornahm.

Auch die Bilder werden nun wieder hervorgeholt. Soll heißen: Zwischen 1975 und 1980 schoss Benno Hurt ausdrucksstarke Fotos in Italien und Griechenland. Nun sind diese Aufnahmen Regensburg zu sehen: Das Kunstkabinett liefert zum wiederholten Mal eine Hurt'sche Präsentation. "Der frühe Süden" lautet der Titel der Ausstellung. Dass Benno Hurt dabei sein eigenes fotografisches Frühwerk zeigt, macht den Namen so doppeldeutig. Die Aufnahmen, geschossen mit manuell eingestellter Spiegelreflexkamera und gebannt auf Diafilme, sind an sich schon nostalgisch genug. Die Motive tun ihr übriges.

Rost und Beton

Diese zeigen schon viel vom klassischen Benno Hurt. Es sind Momentaufnahmen jenseits von klischeehaftem südlichen Liebreiz. Umso mehr besticht die besondere Ästhetik der Bilder. Da ist zunächst das Licht, der entscheidende Faktor im fotografischen Schaffen Benno Hurts. So wie er es mittels reiner Handwerkskunst eingefangen hat, braucht es nicht viel mehr, um im Süden zu schwelgen.

Dass sich unter der Sonne verrostete Gitter, beschmierte Betonmauern sowie Tanksäulen und Plastikstühle verteilen, macht den besonderen Reiz der Bilder aus. Hinzu kommen die Menschen, die Hurt im entscheidenden Moment eingefangen hat. Ein einsames Paar in den verlassenen Straßen der flirrenden Mittagshitze. Eine Horde Halbstarker mit zukunftsweisendem Machogehabe. "Das Schöne, Ästhetische der Italien-Bilder verstellt nicht den bösen Blick auf das, was die italienische Gesellschaft im Innersten so zerrissen, so widerspruchsvoll macht", bemerkt Marianne Schönsteiner-Mehr, die sich in ihrer Galerie Kunstkabinett den Italien-Bildern des Fotografen widmet.

Masse an Fernsehsendern

Peter Lang, der die Ausstellungen mit Texten begleitet, ordnet die Italien-Bilder Benno Hurts ein in eine Zeit "zwischen Don Camillo und Peppone und Berlusconi". Der strenge Katholizismus, der in den Fotografien des Künstlers spürbar ist, wird durchsetzt von einer fragwürdigen Modernisierung, die das Land beispielsweise mit einer Masse minderwertiger Fernsehsender überschwemmte. Charakteristisch ist hier ein Foto, das auch als Aushängeschild der Ausstellung im Kunstkabinett dient: Vor plakathaft ausgehängten Todesanzeigen liegt ein Haufen Müllsäcke. Vergänglichkeit und Verfall - die Auslegung seiner nicht betitelten Bilder überlässt Hurt dem Publikum.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Benno Hurt - Der frühe Süden: Italien 1975-1980 Fotografien" läuft bis 23. Mai im Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7, Regensburg. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr sowie Samstag von 10 bis 14 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/94157856 oder im Internet unter www.kunstkabinett-regensburg.de. Zur Ausstellungen ist ein gemeinsamer Katalog erschienen. (wsu)

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