18.07.2021 - 12:43 Uhr
RegensburgOberpfalz

Zwei im selben Team: Haindling und Schuierer

35 Jahre später. In Regensburg treffen zwei aufeinander, deren Namen eng mit dem Widerstand gegen die WAA bei Wackersdorf verbunden sind: Haindling-Bandleader Hans-Jürgen Buchner und der ehemalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer.

Eine Begegnung fast auf den Tag genau 35 Jahre nach dem Anti-WAA-Festival: In Regensburg trafen sich Haindling-Bandleader Hans-Jürgen Buchner (76) und der heuer 90 Jahre alt gewordene ehemalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (rechts). Bild: Houschka
von Autor HOUProfil

Als im Juli 1986 auf dem Burglengenfelder Lanzenanger mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa zusammenkamen, um mit prominenten Musikern gegen ein gigantisches Atomprojekt zu protestieren, standen Leute auf der Bühne, die man kannte: Wolfgang Niedecken und seine Band BAP, die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer, Wolf Maahn und die Deserteure.

Auf dem zweitägigen Programmzettel wurde auch Haindling angekündigt. Eine Gruppe aus Niederbayern und erst vier Jahre zuvor gegründet von einem Mann namens Hans-Jürgen Buchner. Später sagte er, wie alle anderen Protagonisten des legendär gewordenen Festivals: "Es war wichtig, in Burglengenfeld dabei gewesen zu sein."

Hans Schuierer weilte in Salzburg statt in Burglengenfeld

Einer fehlte damals. Hans Schuierer, Landrat von Schwandorf und namhaftester Gegner der WAA, konnte aus wichtigem Grund nicht kommen. In Salzburg gab es mit Bürgermeister Josef Reschen einen Gleichgesinnten. Reschen hatte seinerzeit eingeladen zur Festspieleröffnung. Das war ein Pflichttermin für den SPD-Mann aus der Oberpfalz. Bis heute erinnert er sich: "Reschens Kinder waren am Lanzenanger und ich in Salzburg."

Hans-Jürgen Buchner und Haindling machten Karriere. "Paula" ging auch dem Schwandorfer Landrat nicht aus dem Ohr. Bei seinen Fernseh- und Rundfunkauftritten nannte Hans Schuierer oft den Namen dieser Band aus dem gleichnamigen Ort bei Geiselhöring. "Ich wollte anrufen und Ihnen danken", hörte er jetzt vom Schöpfer der "Irgendwie und Sowieso"-Titelmelodie. Doch dabei gelangte Buchner zwar an einen Schuierer, nicht aber an den von ihm erwünschten. Jetzt weiß er die richtige Telefonnummer.

Spätes Treffen nach 35 Jahren. Auf dem Regensburger Dultplatz gab es das Strandkorb-Festival. Mit Haindling und Bandleader Buchner. Wegen Corona das erste Konzert der Niederbayern nach über einem Jahr. Hans Schuierer, vor ein paar Monaten 90 Jahre alt geworden, war von Veranstalter Arthur Theisinger eingeladen. "Weil man euch zusammenbringen musste", sagte er und vergaß dabei sich selbst.

Herzliche Begegnung

Theisinger (60) und die ebenfalls in Regensburg erschienene Renate Reichel spielten damals am Lanzenanger tragende Rollen. Sie inszenierten das Anti-WAA-Spektakel und standen dabei im Fokus von 6000 nach Burglengenfeld angerückten Polizeikräften. Weil das Musikereignis den Regierenden im bayerischen Freistaat ein Dorn im Auge war und nicht in ihr Konzept passte.

Das Treffen im VIP-Zelt gleich neben der Donau war kurz, intensiv und herzlich. "77 werd' ich heuer", verriet Buchner und erfuhr vom schmunzelnden Altlandrat: "Also ein junger Hüpfer". Dann wurde losgelegt. Mit allen Songs, die Hans Schuierer hören wollte. Ganz zum Schluss durfte sich der Haindling-Chef über ein Kompliment des ansonsten mit Lob sehr sparsam umgehenden Mannes aus dem Schwandorfer Vorort Klardorf freuen: "Er ist halt ein musikalisches Genie". In diese Anerkennung war auch Hans-Jürgen Buchners fortwährender Einsatz für eine intakte Umwelt mit eingeschlossen.

Kultmusiker blickt zurück

Deutschland & Welt
Hintergrund:

Zur Person: Hans-Jürgen Buchner

  • Geboren am 27. Dezember 1944 bei Berlin, der Vater war Regensburger Tierarzt, seine Mutter stammte aus Brandenburg.
  • Als Jugendlicher bringt er sich selbst Trompete, Saxofon und Gitarre bei.
  • Mit 16 macht er eine Lehre als Keramiker, später seinen Meisterbrief. Später eröffnet er seine eigene Töpferei in Straubing.
  • In den 80er Jahren gibt er mit seiner Frau anfangs Kneipenkonzerte, sein erstes Album „Haindling 1“ (1982) nimmt er in Eigenregie auf.
  • Weil ihn die Plattenfirma bittet, mit seiner Musik auf Tournee zu gehen, sucht er per Inserat Musiker und gründet die Band Haindling.
  • Als Filmkomponist hat er Musik für TV-Serien wie „Irgendwie und Sowieso“ oder „Café Meineid“ beigesteuert.

 

 

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