01.07.2018 - 15:13 Uhr
WaidhausOberpfalz

Geschichte geschrieben

In der jüngeren Grenzgeschichte ist der 3. Juli ein bedeutender Gedenktag. Viele Jahrzehnte getrennte Nachbarn sehen gemeinsam einer neuen Zeit entgegen.

Auf 25 Jahre Partnerschaft können Waidhaus (im Hintergrund) und Rozvadov heute stolz sein. Die historische Grenzstraße verbindet beide Kommunen auf kürzester Strecke.
von Josef ForsterProfil

(fjo) Gezwungenermaßen beschränkten sich bis zum Fall des Eisernen Vorhangs Anfang der 1990er Jahre die wenigen Kontakte über die Grenze hinweg zumeist auf Polizei und Zoll. Eine Ausnahme machte am 1. August 1988 der erste tschechisch-deutsche Freundschaftstag beim ersten Waidhauser Heimatfest. Weil die tschechoslowakische Regierung dem damaligen Rozvadover Bürgermeister Jindrich Cerveny eine Teilnahme verboten hatte, gab es am nächsten Tag eine Wiederholung im dortigen Zollamt.

Bereits am 23. Februar 1990 trafen sich die beiden Kommunen innerhalb von nur zwei Monaten nach der historischen Durchtrennung des Grenzzauns im Rozvadover Ortsteil Nove Domký zu einer ersten gemeinsamen Gemeinderatssitzung. Dennoch sollten weitere drei Jahre bis zur Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrags ins Grenzland ziehen, Auf dem Weg dorthin ebnete das erste deutsch-tschechische Freundschaftsfest Ende August 1990 mit einem erstaunlichen Festprogramm noch bestehende Probleme und Hindernisse.

Schon Monate zuvor hatte sich Waidhaus zu einem Zentrum für deutsch-tschechische Gespräche und Verhandlungen entwickelt. Beide Kommunen erkannten immer mehr ihre Bedeutung in der Weltpolitik. Unter Berücksichtigung der Geschehnisse in der Vergangenheit wuchs das Bedürfnis, durch die Aufnahme „gegenseitiger Beziehungen einen verantwortungsvollen Beitrag für eine Zukunft in einem neuen vereinten Europa leisten zu können“. Dieses Bestreben fand als Klausel Eingang in den am 3. Juli 1993 durch den damaligen Waidhauser Bürgermeister Gustl Reichenberger und Cerveny unterzeichneten Partnerschaftsvertrag. Bereits am 26. Juni 1993 startete zur Vorbereitung auf dieses Ereignis eine Festwoche. Ohne die Aufgeschlossenheit beider Rathauschefs wäre eine Verwirklichung in dieser kurzen Zeit nicht möglich gewesen. Die einstige Gaststätte „Motorest“ auf böhmischer Seite mit ihrem deutschen Hausnamen „Richterkannes“ geriet zum Schauplatz vieler Treffen und mit dem Begriff „legendär“ ausgestatteter Feste.

Im Vertrag hielten die künftigen Partner fest „dass sich die Bevölkerung, Vereine, Behörden und sonstige Organisationen der beiden Gemeinden auf freier und gleichberechtigter Basis kennen und verstehen lernen“. Durch den Zusammenschluss sollte ein Weg zur gegenseitigen Zusammenarbeit in den verschiedensten Lebensbereichen möglich werden. Ins Auge fassten die Urheber zugleich „neue Möglichkeiten für eine erfolgreiche Entwicklung“, aber ebenso „neue Erfahrungen und gemeinsame Erlebnisse“ für die Bevölkerung beider Orte.

In weiteren gemeinsamen Sitzungen der Gemeinderäte wurde dazu in der Folgezeit jährlich die Basis gelegt. Daraus resultierten gemeinsame Sportturniere und als besonderer Höhepunkt die Organisation des ersten gemeinsamen „Muzika Festivals“ im August 2009.

Cervenys Nachfolger Borivoj Vrabec gewinnt dem damalige Zusammenschluss nur positive Seiten ab: „Unsere Gemeinden mussten – jede auf ihre Art – die historischen Ereignisse bewältigen. Aber zu jeder Zeit, egal ob diese gut oder schlecht gewesen war, lebten und leben auch heute noch, auf beiden Seiten der Grenze, einfache und außergewöhnliche Menschen, die ihre Heimat und ihr Zuhause geliebt haben und noch lieben.“

Dabei ist Vrabec die Kooperation zur Ausrichtung von Seniorentreffen, Feuerwehrübungen oder dem Fußballtraining der Kinder wichtig, worin er den Nutzen in jenen „aus dieser Zusammenarbeit entstandenen langjährigen Freundschaften zwischen den beiden Völkern“ hervorhebt. Auch der Waidhauser Bürgermeisterin Margit Kirzinger liegt sehr viel an der Partnerschaft mit Rozvadov. Erinnert sei nur an den jährlichen Auftakt der Sommerserenaden in der Nachbar- und Partnergemeinde. Das offizielle Fest zum 25-jährigen Jubiläum steht für Sonntag, 23. September, bereits im Kalender.

Ein Freundschafts-Kreuz ist das jüngste Projekt, unter dem Bürgermeisterin Margit Kirzinger und ihr Rozvadover Kollege Borivoj Vrabec hoffnungsvoll einer weiteren guten Zusammenarbeit entgegensehen.

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