05.11.2021 - 15:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Krimitatort Schwandorf: Der "Groumdeifl" von der Friedrich-Ebert-Straß'

Auf bairisch gesagt "einfach gschert". Der Schwandorfer Autor Fabian Borkner will seinen neuen Oberpfalz-Krimi "Groumdeifl" in der Friedrich-Ebert-Straße vorstellen. Dann kommt der Lockdown im Herbst 2020. Jetzt holt er Versäumtes nach.

Ein Toter im Krampuskostüm wird bei einem Rohrbruch in Schwandorf gefunden. Dahinter stecken aber mehr Krampus- und Perchtengruppen oder Weihnachtsbräuche. Es geht um krumme Geschäfte und hinterfotzige Machenschaften.
von Irma Held Kontakt Profil

Beim Klappentext zu "Groumdeifl", dem mittlerweile vierten Krimi aus der Feder des Schwandorfers Fabian Borkner, reibt sich so mancher in der Kreisstadt verwundert die Augen. Kann der Autor hellsehen? Im Klappentext ist von einer Langzeitbaustelle an der Schwandorfer Hauptverkehrsader die Rede. Jeder denkt aktuell an die Naabuferstraße, in der gefühlt eine Ewigkeit gearbeitet wird. Aber Nein, der Autor hat keine übersinnlichen Fähigkeiten. Als Schauplatz dient die Friedrich-Ebert-Straße, die grundlegend umgestaltet wurde. Kaum fertig, muss sie wegen eines Rohrbruchs wieder aufgerissen werden. Und noch vor dem Leck finden die Arbeiter einen Toten in einem furchteinflößenden Krampuskostüm mit Hörnermaske. Angst und Schrecken verbreitet aber nicht nur die verkleidete Leich.

Dort, in der Friedrich-Ebert-Straße, wollte Fabian Borkner im November 2020 in einer szenischen Einführung ähnlich wie bei "A Hochzeit und a Leich" den neuen Fall um die ermittelnden Versicherungsdetektive Agathe Viersen und Gerhard Leitner der Öffentlichkeit vorstellen. "Das war meine Grundidee", sagt Fabian Borkner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Einen Lokaltermin oder eine "Inaugenscheinnahme" des Leichenfundorts hat er inzwischen verworfen. Mit den Trausnitzer Burgdeifln ist stattdessen ein Video als Einführung zum "Groumdeifl" entstanden. Dieses wird bei den Lesungen ebenso gezeigt, wie Videoclips zu den vorher erschienenen Kriminalromanen. Um den Erlebnischarakter und die Spannung hoch zu halten, sind Überraschungen nicht auszuschließen.

Wer hat geschlampt?

"Normalerweise lese ich soweit, bis die Leiche kommt", sagt der 45-Jährige. Diese darf in Kriminalromanen natürlich nicht allzu lange auf sich warten lassen. Das Besondere an Fabian Borkners Krimireihe ist das ermittelnde Versicherungsduo, ein "charmanter Ansatz". Die Erklärung ist simpel: "Ich wollte nicht die 150. Kriminalkommissare entwickeln." Die Umsetzung ist aber kein Kinderspiel. "Ich muss immer einen Dreh finden, warum die Agathe und der Gerhard auf den Plan treten." Im neuen Fall könnten sie vielleicht im Auftrag ihrer Versicherung klären, ob diese für den Rohrschaden aufkommen oder ob ein anderer die Zeche zahlen muss. Fabian Borkner nennt seine Protagonisten liebevoll beim Vornamen, so als wären sie gute Begleiter seines wirklichen Lebens.

Davon hat er in jüngster Vergangenheit zwei verloren, an denen er in der Danksagung mit großer Wehmut gedenkt. Einer davon ist Arthur Schötz, Wirt und Musikant im Schwandorfer Stadtteil Kreith. "Er war ein starkes Bindeglied in Kreith." Zwischen Arthur Schötz und Fabian Borkner, der auch als Musiker auftritt, hat die Chemie einfach gestimmt. Den anderen, Michael Schickram, nennt er einen guten Ideengeber, bezeichnet ihn respektvoll als "positiven Spinner" und erklärt, was er damit meint. "Er hatte auf der intellektuellen Ebene einen großen Einfluss auf die Kreativität meiner Romane."

Florierende Szene

Genau darauf, auf Gespräche, auf Zufälliges sei er als Autor angewiesen. "Manchmal hilft ein Dialog", sagt Fabian Borkner. Auf die Idee, einen Krimi um diese Wintergestalten des Brauchtums zu stricken, sei er gekommen, als ihm jemand zugetragen habe, "dass es eine gewachsene und schon seit Jahren florierende Szene gibt". Auch der Tote in der Friedrich-Ebert-Straße ist Mitglied einer Krampusgruppe, die nicht in der Kreisstadt ansässig ist. Deshalb führen die Nachforschungen Agathe Viersen und Gerhard Leitner auf den Schwarzenfelder Miesberg, ins Amberger Kurfürstenbad und ins Zillertal.

"Schwandorfer Kammerstück"

Hauptschauplatz ist jedoch Schwandorf, weshalb Fabian Borkner von einem "Schwandorfer Kammerstück" spricht und den Band seiner Heimatstadt Schwandorf gewidmet hat. "Die ersten Bücher sind meiner Frau und meinen beiden Söhnen gewidmet. Jetzt sind mir Frau und Söhne ausgegangen", sagt er lachend. Wem er den nächsten Oberpfalz-Krimi widmet, verrät oder weiß er vielleicht noch nicht. Nur so viel sei denen verraten, die nicht des Oberpfälzischen mächtig sind: Groumdeifl heißt auf hochdeutsch Grubenteufel. Und der fünfte Fall des Ermittlerduos Viersen/Leitner spielt in der nördlichen Oberpfalz und kommt am traditionsreichen Zoigl nicht vorbei. Er erscheint voraussichtlich im Juni 2022. Fabian Borkner "Groumdeifl", ISBN 978-3-7408-0996-6, Emons-Verlag Köln, 256 Seiten, 12,40 Euro.

Mehr über Fabian Borkner

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Erste Infos zu "Groumdeifl"

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Hintergrund:

Zur Person: Fabian Borkner

  • Geboren 1976 in Rosenheim
  • Aufgewachsen in Schwarzenfeld und Schwandorf, lebt mit seiner Familie in einem Schwandorfer Stadtteil
  • Unterhaltungskünstler, Sänger und Conferéncier
  • Debüt-Roman 2017 mit dem Oberpfälzer Regionalkrimi "Kirwatanz" und dem Ermittlerduo Agathe Viersen und Gerhard Leitner
  • Autorenlesung aus "Groumdeifl" am Donnerstag, 11. November, ab 19.30 Uhr, im Oberpfälzer Künstlerhaus und am Freitag, 3. Dezember, ab 19.30 Uhr, Gemeindebücherei Schwarzenfeld
  • Kartenreservierung für die Lesung im Künstlerhaus erforderlich, telefonisch 09431/9716 oder E-Mail opf.kuenstlerhaus[at]schwandorf[dot]de
    Eintritt 10 Euro / erm. 8. Einlass 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn nach 3G plus Corona-Regelung
  • Kartenvorverkauf für die Lesung in Schwarzenfeld seit 4. November, Reservierung erforderlich, Eintritt 5 Euro, einschließlich Freigetränk.
Fabian Borkner liest aus seinem vierten Oberpfalz-Krimi „Groumdeifl“ am 11. November im Oberpfälzer Künstlerhaus.

 

 

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