13.05.2018 - 22:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Menschliches Verhalten durch Musik gedeutet Stefan Mickisch im Oberpfälzer Kulturhaus

Total ausverkauft sind die beiden Abende, an denen der Pianist Stefan Mickisch im Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses zu etlichen Opern von Richard Wagner interessante Erkenntnisse vorträgt und deren musikalische Umsetzung auf dem Klavier darstellt. Natürlich basiert eine originale Deutung auf einem Orchester, auf Singstimmen und deren Klangerzeugung, aber das Wesentliche einer musikalischen Aussage liegt in den Tonfolgen, und die kann ein Klavier, noch dazu wenn es von Stefan Mickisch gespielt wird, sehr genau vorführen.

Stefan Mickisch ist zurück. "Das Schwergewicht meines Konzertes mit Wagner verteilt sich auf vier seiner Musikdramen: Lohengrin, Tristan und Isolde, Parsifal und Götterdämmerung", begrüßte der Künstler sein heimatliches Publikum nach rund einjähriger Pause. Bild: Gerhard Götz
von Reinhold TietzProfil

Nietzsche schrieb Musik

Der musikalische Vortrag beginnt jedoch mit einer Entdeckung: Friedrich Nietzsche ist nicht nur ein großer Philosoph, sondern hat auch Musik verfasst. Unter anderen auch etliche Klavierstücke, von denen der Pianist drei Charakterstücke vorträgt. "Am Bache" ist dabei eher eine freundliche Romanze, das "Fragment" enthält etliche Melodieansätze, "Das zerbrochene Ringlein" ist als versonnene Erinnerung angelegt. Sofort schließt sich Mickischs Paraphrase zu "Lohengrin" an. Zwar ist bei Improvisationen, wie sie Paraphrasen darstellen, eine genau gleiche Abfolge an verschiedenen Abenden nicht gegeben, jedoch lassen sich am Klavier über einem unverrückbaren Fundament etliche Klangfolgen vorstellen, die das gültige Fundament von Wagners musikalischen Aussagen zweifelsfrei erhalten. Die historische Bedeutung der Oper "Lohengrin" liegt darin, dass Wagner in diesem Musikdrama die Grenzlinie zur romantischen Oper zieht. Tonarten werden als Charakteristika verwendet, also A-Dur als Lohengrins Tonart, Elsa in B-Dur, Ortrud und Telramund in fis-moll. Mickisch schafft es, sowohl in leisen Tonfolgen wie in großen Akkorden die tiefen Regungen von Menschen vorzuführen. In der Oper geht es ja neben der speziellen Handlung um das allgemeine Problem, dass in einer Standesgesellschaft unbedingt jeder Mensch nach seiner Herkunft beurteilt wird. Wenn Lohengrin dazu keine Angabe macht, ist der Konflikt programmiert.

Wagners Halbtonschritte

Der Pianist setzt sein enormes technisches Können dazu ein, die inneren Entwicklungen der handelnden Personen glaubhaft vorzuführen. Das gelingt ihm hervorragend in allen Passagen, die seine Paraphrase umsetzt. Es folgt die Paraphrase von "Tristan und Isolde". Mickisch erwähnt, dass er selbst verantwortlich ist für die Darstellung der Töne, während ein Dirigent auf das Spiel seiner 100 Orchestermusiker angewiesen ist. So sind seine Deutungen der Handlungen als Paraphrasen voll aus seinem Verständnis von "Tristan" und den anderen Opern zu erklären. Die bislang gültigen harmonischen Gesetzmäßigkeiten werden durch Wagner wesentlich erweitert, das erweist schon die Einleitung mit ihren Halbtonschritten, die "langsam und schmachtend" ertönen müssen und damit Herzpunkt der Harmonik und Melodik der Oper werden. Wagners Tonfolgen sind nun mal oft sehr kompliziert und tiefsinnig. Das vermittelt der Pianist glaubhaft. Rauschender Beifall belohnt ihn.

Nach der Pause ist "Parsifal" dran. Es geht um den Gral, eine Heilsvorstellung, die den Menschen innerhalb des Christentums zum Frieden führen soll. Das zeigt sich im überirdischen "Karfreitagszauber". Überhaupt ist diese Oper sehr melodienreich. Das spiegelt sich auch in leidenschaftlichen Klagen und anderen von Wagner intensiv dargestellten Stimmungen, die Stefan Mickisch auf dem Klavier glaubhaft nachvollzieht. Das gilt auch für das Abschluss-Stück, das Finale mit seinen diversen Episoden aus dem Ende der Trilogie "Der Ring des Nibelungen", der "Götterdämmerung". Die Sprache der Töne lässt die Gefühle, nicht nur die Worte, hervortreten. Genau das wollte Wagner und genau das, nämlich tief empfindsame Stimmungen zu erzeugen, schafft Stefan Mickisch mit jedem Stück, das er vorträgt.

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