13.05.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verhandlung vor dem Landgericht Therapie im zweiten Anlauf

Eines möchten sie alle: Loskommen von ihrer Sucht, die täglich Geld kostet. Große Beträge sind dann für Drogentherapien fällig. Bei 24 Monaten runde 200 000 Euro. Im Fall eines 30-Jährigen stellt sich die Frage, ob dieser lange Weg des Entzugs im zweiten Anlauf zum Erfolg führt.

von Autor HWOProfil

Amberg/Schwandorf. Der Mann hat Knasterfahrung. Immer wieder mal im Gefängnis. Kaum draußen, ging alles von vorne los: Straftaten ohne Ende, um die Drogen- und Alkoholsucht zu finanzieren. Eine erste Therapie war erfolglos. Die Klinik sagte: "Er hat wieder zu trinken begonnen." Er selbst war anderer Ansicht: "Auch der Therapeut hat gesoffen."

Endstation war immer vor Leuten in schwarzen Roben. Diesmal die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg. Sie schickte den 30-Jährigen zwar für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter, ordnete parallel dazu aber eine Entzugsmaßnahme von zweijähriger Dauer an. Damit entsprachen die Richter unter Vorsitz von Roswitha Stöber dem Antrag von Staatsanwalt Tobias Kinzler. Auch Verteidiger Rainer Hauenstein stemmte sich nicht gegen eine solche Entscheidung.

Im Klartext bedeutet das Urteil: Besteht der Mann die Bewährungsprobe einer nun angeordneten Drogentherapie, kann er mit Bewährung für die noch ausstehende Reststrafe rechnen. Denn die geschlossene Unterbringung gilt, wenn man so will, als verbüßte Strafhaft.

Die jetzt zur Debatte in einem zweitägigen Prozess stehenden Delikte waren typisch für einen Süchtigen. Immer auf der Suche nach Bargeld oder nach Sachen, die man verhökern kann. Einbrüche in Fitness- und Sonnenstudios in Maxhütte-Haidhof und Teublitz. Ein Wohnhausaufbruch in Nittenau, bei dem eine Mittäterin assistierte. Sie reichte Beutestücke aus dem Fenster, er will sie verladen haben. Ware im Wert von mehreren tausend Euro.

Krass war, was mit einem Motorrad geschah. Von einem jungen Mann aus dem Städtedreieck in Wolfsegg bei Regensburg gestohlen, später verkauft von dem 30-Jährigen für 800 Euro. Der Dieb ist zwischenzeitlich ebenso abgeurteilt wie der als Hehler geltende Käufer aus Maxhütte-Haidhof.

Im Spätsommer des Jahres 2016 kam es auf dem Gelände eines Flüssiggas-Herstellers unweit des Bahnhofs von Freihöls (Gemeinde Fensterbach) kurz nacheinander zu fünf Einbrüchen, bei denen insgesamt 37 leere Gasbehälter abhanden kamen. Alle fünf Straftaten, bei denen Zäune durchschnitten und Schlösser gesprengt wurden, ordnete man dem 30-Jährigen zu. Er selbst sagte in seiner zweistündigen Vernehmung, er sei nur ein einziges Mal dort gewesen und habe vier Behälter in seinen Wagen verstaut. Das Gegenteil konnte ihm die Strafkammer nicht nachweisen. Heute ist ein neuer Zaun um das Areal errichtet, der es Dieben schwer macht.

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