17.07.2018 - 13:56 Uhr
Sorghof bei VilseckOberpfalz

Vor 80 Jahren: Aus Haag und Langenbruck wird Sorghof

Vor fünf Jahren hat Sorghof 75. Geburtstag gefeiert. Zum 80. ist es kein gesondertes Fest geplant. Aber im Hintergrund der Kirwa am Wochenende, die es seit 70 Jahren gibt, wird diesem kleinen Jubiläum zumindest gedanklich Rechnung getragen.

Fronleichnam 1954:. Die Straße ist mit Birken geschmückt und mit Schilf bedeckt. Rechts ist der spätere Schulgarten zu sehen. Einige Parzellen sind noch unbebaut. Die Kirche wurde im August 1951 eingeweiht.

(er) Bei einer Busfahrt in die alte Heimat am Samstag, 25. August, die schon ausgebucht ist, werden alte Erinnerungen an die Absiedlung im Jahr 1938 aufgefrischt. Stationen der Fahrt sind unter anderem der Bleidornturm, der Friedhof Haag und die Kirchenruine Hopfenohe. In der Wüstung Pappenberg wird vor der Kirchenruine Maria Himmelfahrt zusammen mit den Insassen von zehn weiteren Bussen eine Andacht mit Weihbischof Reinhard Pappenberger gefeiert.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Vor genau 80 Jahren wurde der Truppenübungsplatz Grafenwöhr auf Geheiß Adolf Hitler über die Hälfte nach Westen erweitert, wodurch 780 Familien mit über 3500 Menschen aus 58 Orten und Weilern ihre vertraute Heimat verlassen mussten. Die eigens gegründete Reichsumsiedlungsgesellschaft Berlin (Ruges) wickelte die Absiedlung ab und leistete in vielen Fällen Vorschusszahlungen.

Heute zeugen nur noch vereinzelte Mauerreste von den einst lebendigen Dörfern und Gemeinden. Die Erweiterung des Truppenübungsplatzes war zugleich die Geburtsstunde Sorghofs. Viele Einwohner aus den beiden größeren Ortschaften Haag und Langenbruck sowie aus mehreren kleineren Dörfern und Einzelhöfen wurden hier neu angesiedelt und mussten ein neues Leben beginnen. Hinzu kamen später Heimatvertriebene aus den früheren deutschen Ostgebieten.

Ab Juli 1937 wurde auf dem Gelände des alten Obersorghofes und des abgelösten Gutes Altneuhaus Baugrund für die neue Siedlung zur Verfügung gestellt und in 44 Urparzellen aufgeteilt. Bis zur Eingemeindung 1971 führte der Ort Sorghof den Gemeindenamen Langenbruck. Am 19. August 1951 erfüllte sich mit der Einweihung der neu erbauten Herz-Jesu-Kirche ein langgehegter Wunsch der Bevölkerung.

Doch bereits seit 1948 feierte die junge Ortschaft Sorghof an jedem vierten Sonntag im Juli eine Kirwa, der Termin ist angelehnt an die frühere Magdalenenkirwa von Altneuhaus. Diese Brücke zur alten Heimat wurde auch nach dem Neubau der eigenen Kirche beibehalten.

Heute zählt Sorghof knapp 1000 Einwohner, und der Gemeinschaftssinn ist nach wie vor lebendig. Der frühere Bürgermeister von Sorghof und Langenbruck, Anton Englhardt, sagte zu Lebzeiten: „In vorbildlicher Weise haben die Sorghofer ihre Ortschaft aufgebaut, ausgebaut und vergrößert. Das war nicht immer leicht.“




Auch das neue Sorghof hat einen Mittelpunkt gebraucht: Als solcher dient der Gasthof zum Südlager von Adolf Galler.

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