08.05.2018 - 17:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ballhaus-Orchester im Seidel-Saal Donna Klara und der kleine grüne Kaktus

Der Seidel-Saal wird zum Ballhaus, als ein Orchester und ein Sänger die Besucher in die Schlagerwelt der halb goldenen, halb düsteren Zwischenkriegsjahre des vorigen Jahrhunderts entführen. Auch an eine einst über die Stadt hinaus bekannte Bar wird erinnert, "garniert" mit Männer-Strip.

Mit einem Männer-Strip erinnert der Trompeter Georg Obermaier an vergangene Capri-Bar-Zeiten in der Stadt. Bilder: hka (2)
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Von Helga Kamm

"Unsere Geschichte begann 1994", beschreibt der singende Kardiologe Peter Wittmann das Entstehen des Ballhausorchesters. Er und der Krankenpfleger und Pianist Horst Plössner waren "Die Gigolos", die sich auf Schlager und Chansons der 20ern und 30ern spezialisiert hatten.

Mit den Jahren gesellten sich weitere Musiker hinzu, das "Ballhausorchester" entstand, die Musik ist geblieben: Schlager und Chansons aus mehr als Hundert Jahren. Knapp drei Stunden tauchen die Besucher im Seidel-Saal ein in die Musik dieser vergangenen Zeit, in der es um Irrungen und Wirrungen der Liebe geht, um Glück, Leidenschaft, Lust, Eifersucht, Verzweiflung und Sehnsucht. Der Auftritt des Ballhausorchesters macht Eindruck. Neun Herren im Abendanzug, vom Alter her - wie ihr Publikum - etwa in der Lebensmitte, eine Vielzahl von Instrumenten und dann, ganz in Rot, der Orchesterchef. Lästern, so scheint es, kann der gebürtige Franke. So begrüßt er die "blaublütigen Herrschaften aus der Herzogstadt und die einfacheren aus dem bäuerlichen Rosenberg". "Entertainen lassen" will er sein Publikum, vor allem mit Musik, ebenso aber auch mit skurrilen Texten, kleinen Geschichten und mit Gedichten von Joachim Ringelnatz oder Heinz Erhardt.

Wittmann macht den Conferencier, vor allem aber ist er der Sänger des Ballhausorchesters. Mit seinem auch ins Tenorfach reichenden Bariton besingt er die schöne Isabella aus Kastilien, den kleinen grünen Kaktus, den roten Mohn oder den schönen Sigismund.

Variable Stimme

Es sind Lieder und Texte von berühmten Interpreten wie Bert Brecht und Kurt Weil, von Cole Porter über Zarah Leander bis hin zu Udo Lindenberg. "Bei dir war es immer so schön", "Du stehst nicht im Adressbuch" oder "Was macht der Meier auf dem Himalaya", das Publikum im Seidel-Saal kennt die Ohrwürmer, amüsiert sich über Wittmanns Komplimente an die "Creme de la Creme der Schönen im Saal" und würdigt mit Beifall seine Mimik, seine variable Stimme, sein Temperament und seine Tänzchen auf der Bühne.

Stimmiger Sound

Natürlich macht Wittmann nicht allein das Programm. Seine neun überwiegend studierten Vollblutmusiker kommen voll zum Einsatz, sorgen für den stimmigen Sound, mal in voller Besetzung, dann in "abgespeckter" Variante oder als Begleitung auf dem Keyboard. Saxofonist Georg Obermaier zeigt eine besondere Begabung: Zu Wittmanns Spötteln über die einst in Sulzbach-Rosenberg bekannt-berüchtigte Capri-Bar lässt er auf der Bühne strippend die Hosen fallen. Höhepunkt des Abends ist zweifellos die deutsche Version des Jacques-Brel-Klassikers "Ne me quitte pas", den Wittmann mit viel Sehnsucht und Herzblut als "Bitte geh nicht fort" interpretiert.

Für Liebhaber dieser Musik ist das Ballhausorchester ein Hochgenuss. Erinnerungen werden wach an die Comedian Harmonists, Marlene Dietrich und immer wieder Max Raabe, dazu der schmachtende Tenor und die Bühnenpräsenz Wittmanns - das Publikum ist begeistert.

Die Mitglieder des Ballhausorchesters: Peter Wittmann (Gesang, Conference), Horst Plössner (Piano), Benno Engelhardt (Trompete), Georg Obermaier, Juri Smirnov, Markus König (alle Saxofon), Werner Schreml (Euphonium), Thomas Stock (Schlagzeug), Oliver Hien (Violine) und Markus Fritsch (Bass).

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