09.05.2018 - 17:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Jagdverband appelliert an Landwirte: Keine Rehkitze totmähen Drohne kann Bambi retten

Das Rehkitz duckt sich ins Gras. Fuchs und Greifvögel können es nicht sehen. Aber da naht ein gefährliches, lautes Ungeheuer: Das Kreiselmähwerk tötet jedes Jahr Tausende von kleinen Rehen. Die Jäger appellieren an die Landwirte und bieten auch Lösungen an.

Dieses Kitz ist rechtzeitig gefunden, fachgerecht geborgen und wird nun am Waldrand ausgesetzt. Bild: BJV
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Die erste Mahd wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Denn die Ernte fällt mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere zusammen, die in den Wiesen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Doch "Drücken" schützt vor dem Fuchs und Greifvögeln, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk.

Wenn die Bauern im Frühjahr mit der Feldarbeit und dem Wiesenschnitt beginnen, fallen den riesigen Maschinen bundesweit jedes Jahr Hunderttausende von Rehkitzen, kleinen Hasen und Bodenbrütern zum Opfer. Allein 90 000 Rehkitze werden jährlich bei der ersten Grünlandmahd grausam verstümmelt oder getötet.

Keine Chancen

Das Problem: Die Jungtiere laufen auch bei großer Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in ihr Versteck. Maschinen mit einer Arbeitsbreite bis zu 14 Metern fahren mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Stunde über die Felder. Da haben die Tiere keine Chance mehr und werden vom Mähwerk erfasst.

Ein Problem ist das auch für die Landwirte selbst, denn sie verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie Jungtiere bei der Mahd verstümmeln oder töten, ohne im Vorfeld versucht zu haben, dieses Tierleid zu verhindern. Ihnen drohen hohe Strafen. Deshalb appelliert der Bayerische Jagdverband (BJV) an das Verantwortungsgefühl bei den Landwirten.

"Effektive Wildtierrettung beginnt bereits vor der Mahd", erklären die beiden Kreisgruppenvorsitzenden Franz Erras (Amberg) und Lore Kaiser (Sulzbach-Rosenberg). "Nur wenn die Landwirte die Mähtermine für Silage und zur Biomasseproduktion rechtzeitig abstimmen, hat der Jagdpächter die Möglichkeit, Wildscheuchen aufzustellen und die Wiesen und Felder nach Rehkitzen abzusuchen, obwohl er dazu nicht verpflichtet wäre."

Höherer Schnitt

Aber auch mit der richtigen Mähstrategie werden viele Wildtiere vor dem Mähtod gerettet: Beim Grünlandschnitt sollte die Wiese grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit auch ausgewachsene Tiere, Hasen und Fasane, während der Mahd noch die Möglichkeit zur Flucht haben.

Je höher der Schnitt, desto geringer sind die Verluste bei den Jungtieren, die sich auf den Boden drücken, und bei Bodenbrütern. Bei der Ernte von Grünroggen für die Biogasanlage hat sich eine Schnitthöhe von 15 bis 20 Zentimetern in der kritischen Aufzuchtzeit bewährt.

Elektronische Wildscheuchen, die Töne wie Menschenstimmen, Musik oder Geräusche in unterschiedlicher Lautstärke aussenden, versprechen Erfolg. Und es gibt noch etwas vollkommen Neues: Der Bayerische Jagdverband hat zusammen mit dem Unternehmen geo-konzept ein luftgestütztes Kitzrettungssystem per Drohne entwickelt.

Gründliche Suche

BJV-Präsident Vocke meint dazu in einer Pressemitteilung: "Wir können jetzt endlich Jägern, Landwirten und allen, die sich um Tierschutz bemühen, ein Wildrettungssystem anbieten, mit dem man schnell und sicher die kleinen Kitze, aber auch junge Hasen und Bodenbrüter finden und vor dem Mähtod retten kann."

Der Wildtierretter aus der Luft arbeitet mit einer Wärmebildkamera. In nur wenigen Minuten wird die ganze Wiese ohne Unterbrechung abgesucht. Nach dem Flug erhält man automatisch die genauen Koordinaten von der Stelle, an der ein Kitz liegen könnte. So können die Kitze in der Wiese schnell gefunden und geborgen werden. Ziel ist es, dieses Kitzrettungssystem vor allem auf großen Flächen und über Maschinenringe und Lohnunternehmer einzusetzen.

So können unmittelbar vor der Mahd schnell und gründlich die Wiesen abgesucht werden. "Das ist gelebter Tierschutz", so Vocke. Deshalb macht sich der BJV stark, dass der Einsatz solcher Copter als Tierschutzmaßnahme ins Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) aufgenommen und gefördert wird.

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Heinz Rahm

Wir haben am Vorabend des Mähens auf der Wiese Stöcke eingerammt und darüber Plastik- oder Papiersäcke gestülpt. Diesen ausgezeichneten Tipp hatten wir aus dem "Landwirtschaftlichen Wochenblatt". Seitdem ist bei uns nie wieder eine solche Tiertragödie passiert, vorher war es öfter der Fall! Wenn man die Wiese allerdings dann doch nicht mäht, muss man diese Sachen gleich wieder entfernen, sonst gewöhnen sich die Tiere daran.
Heinz Rahm, Reinheim (Kreis Darmstadt) - aus Högen, Gemeinde Weigendorf stammend

23.06.2018