13.07.2018 - 20:53 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Der Gelbe König aus der Oberpfalz

Wer "Yellow King Productions" hört, tippt nicht unbedingt auf Illschwang. Und doch ist hier das hälftig in Verlag und Audioproduktion aufgeteilte Unternehmen angesiedelt, das sich mit Hörbüchern, Hörspielen, Comics, Printbüchern und E-Books einen Namen gemacht hat.

Auf dem Weg zu einem verfallenen Tempel in den Traumlanden: Exklusiv für Oberpfalz-Medien haben Mario Weiß (vorne) und Marco Schinhammer eine unheimliche Szene aus der neuesten Hörspiel-Produktion „Der Schwarze Mann“ nachgestellt.
von Anke SchäferProfil

Sulzbach-Rosenberg/Illschwang.Bei "Yellow King Productions"(YKP) entstehen aber auch Audioguides, Radiospots sowie Sprachaufnahmen für Produktvideos und E-Learning. Der Kulturredaktion hat YKP-Geschäftsführer Mario Weiß einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht:

ONETZ: Herr Weiß, wann haben Sie die Multimedia-Agentur „Yellow King Productions“ gegründet?

Mario Weiß: Die Idee entstand erstmals im Sommer 2012 zusammen mit Patrick Santy aus Amberg- einem sehr guten Freund, der nicht nur Sprecher ist, sondern sich auch von Anfang an um das Graphic Design sowie die Administration der Homepage gekümmert hat, und Martin Dehling aus Sulzbach-Rosenberg, der unter anderem als Hörspielautor für YKP tätig ist. 2013 erschien dann unser erstes gemeinsames Hörspiel "Die falsche Erlösung" und noch im selben Jahr haben sich mein Cousin Marco Rubenbauer, der Amberger Künstler Johann Sturcz und der Vilsecker Übersetzer Christian F. Siege angeschlossen und so den regionalen Grundstein gesetzt. Auch mit dem Sounddesigner Michael Prechtl aus Sulzbach-Rosenberg pflegen wir eine enge Zusammenarbeit. Ein Meister seines Fachs, der unter anderem auch an internationalen VideospielProduktionen wie dem 2017 preisgekrönten Titel "Horizon Zero Dawn" beteiligt war.

ONETZ: Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Mario Weiß: Wenn ich meine Motivation mit einem Wort beschreiben müsste, dann würde ich wohl sagen "Audiolust". Ich habe als Musiker bereits mehrere Jahre Erfahrungen im Studio sammeln können. Und da ich seit meiner Kindheit Hörspiele verschlinge, hat es mich einfach gereizt, selbst einmal etwas in diese Richtung zu machen. Allgemein haben mich Stimmen und deren unterbewusste Wirkung schon immer fasziniert. Egal, ob im Bereich Radio und Werbung, Videospiel oder Filmsynchro.

Meine Grusel-Affinität tat dann ihr übriges und so war auch gleich klar, in welche Richtung das Ganze thematisch gehen soll. Und da wir so autark wie möglich sein wollten, haben wir uns im Laufe der Jahre einfach selbst eine Verlagsstruktur aufgebaut.

ONETZ: Was hat es mit dem Namen „Yellow King Productions“ auf sich?

Mario Weiß: Der Name findet seinen Ursprung in der frühen amerikanischen Horrorliteratur. "The King in Yellow" ist eine 1895 verfasste Kurzgeschichtensammlung des Autors und Malers Robert W. Chambers. Inhaltlich geht es um das fiktive Theaterstück Der König in Gelb, die Stadt Carcosa und eine geheimnisvolle, in gelbe Lumpen gehüllte Gestalt mit einer weißen, konturlosen Maske. Dies erschien uns als spannender Hintergrund für unser Fantasiegespinst, steht die Figur doch auch sinnbildlich für Kunst und Unterhaltung.

ONETZ: Horror und Hörspiel – das ist wohl eher kein massentaugliches Vergnügen. Lässt es sich dennoch gut leben in dieser Nische?

Mario Weiß: Erstmal muss ich traurigerweise dazu sagen, dass mir der tägliche Blick in die Zeitung verrät, dass Horror sehr wohl - wenn auch meist nicht freiwillig - ein massentaugliches Vergnügen zu sein scheint, denn es wird immer genug Menschen geben, die ihn verursachen und auch genügend, die diesen konsumieren. Grundsätzlich ist es so, dass wir nicht ausschließlich von Hörspielen leben, wir haben für die etwas Zartbesaiteten auch noch viele andere Titel im Programm!

ONETZ: Wo finden Sie Ihre Vorlagen und die geeigneten Sprecher dazu?

Mario Weiß: Was die Vorlagen betrifft, so finden wir vor allem in den Anfängen der Weird-Fiction (Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert) tolle Geschichten, die für eine Audioumsetzung geradezu prädestiniert sind. Teilweise übersetzen wir diese sogar selbst, um genau den Ton der Zeit zu treffen. Der Autor Howard Philipps Lovecraft z.B. hat den modernen Horror beeinflusst wie kein anderer. Daniel Schenkel aus Neumarkt ist da ein gutes Beispiel. Sein Roman "Der gelbe Traum" greift in bester David-Lynch-Manier den Mythos des gelben Königs auf, es erfüllt mich echt mit Stolz, dass so etwas aus der Oberpfalz kommt! Manchmal finde ich auch zufällig tolle Geschichten, wenn ich durch Amazon stöbere, und kontaktiere die Verlage. Mittlerweile kommt es sogar auch schon mal vor, dass der ein oder andere Autor selbst mit uns Kontakt aufnimmt. Grundsätzlich gilt: Wir veröffentlichen, was uns gefällt.

Bei den Sprechern ist das ganz unterschiedlich. Es gibt ja viele Agenturen/Datenbanken, auf die man zurückgreifen kann. Aber viel schöner ist es, wenn hinter jedem Kontakt eine kleine Geschichte steckt. Unseren Haussprecher Dominik Valentin Peter habe ich rein zufällig über ein Youtube Video gefunden und wir haben ihm mit der Spedition eine Sprecherkabine von Berlin bis in die Schweiz geschickt, um seine Aufnahmesituation zu verbessern.

ONETZ: Fertigen Sie die Hörspiel-Fassungen in eigener Regie?

Mario Weiß: Nicht ausschließlich, aber oft. Ich glaube, das ist gut zu vergleichen mit einem Regisseur beim Film oder Theater. Man hat eine gewisse Vorstellung einer Sache, wirft sie in den Raum und arbeitet diese dann gemeinsam mit anderen aus. Das ist wirklich eine spannende Sache. Angefangen vom Schreiben des Skripts bis zur Verteilung der Sprechrollen, dem Sounddesign, der Musik. Da werden dem Teufel "Perfektionismus" wirklich alle Tore geöffnet! Wichtig ist dabei, dass am Ende alle zufrieden sind und einer sagt "So, das war's jetzt!". Dieser jemand bin dann meistens ich.

ONETZ: Inwiefern sind Print-Versionen für Sie ein Thema?

Mario Weiß: Das hängt vom Titel ab und von der Vorstellung des Autors bzw. der Beteiligten. Für mich als Fan gibt es nichts Schöneres als ein gutes Buch in den Händen zu halten oder mir eine CD ins Auto zu packen, um mir auf einer längeren Fahrt ein gutes Hörbuch anhören zu können. Aber als Verlag sollte man auch versuchen, das wirtschaftliche Risiko zu minimieren.

ONETZ: Haben Sie einen aktuellen Bestseller und wenn ja, welcher ist das?

Mario Weiß: Da wäre definitiv die Audioumsetzung des Horror-Klassikers "Dagon" von H.P. Lovecraft zu nennen. Mit einer Spielzeit von knapp 20 Minuten ist diese zwar eher im Bereich "Kurzhörspiel" anzusiedeln, wurde aber schon in einem Halloween-Special von Focus-Online positiv besprochen und befindet sich bei der Plattform Audible derzeit in der Listung sehr weit oben.

ONETZ: Sie waren auch auf der Regionalbuchmesse 2017 in Sulzbach-Rosenberg vertreten. Wurden Sie dabei von den Besuchern neu entdeckt oder konnten einige schon vorher etwas mit „Yellow King Productions“ anfangen?

Mario Weiß: Das war eigentlich die perfekte Mischung aus beidem: Leute, die man schon kannte, aber auch viele neue Gesichter. Ganz überrascht war ich, dass eine Studentin aus Regensburg beim größten Schneesturm extra nach Sulzbach gekommen ist, weil sie als großer Lovecraft-Fan bereits von uns gehört hatte. Ich persönlich fand die Messe auch gerade wegen des Austausches mit anderen Verlagen und Autoren super. So hatte ich den Regensburger LOhrBär-Verlag, der sich ausschließlich auf Hörspiele spezialisiert hat, bis dato noch gar nicht auf dem Schirm.

ONETZ: Was sind Ihre nächsten Projekte?

Mario Weiß: Für dieses Jahr sind noch einige spannende Veröffentlichungen geplant. Soeben erschien das Grusel-Hörspiel "Der Schwarze Mann", das wir für den Neumarkter Autor Daniel Schenkel umgesetzt haben, dicht gefolgt von "Das Artefakt", von Jörg Fischer. Im dritten Quartal geht es weiter mit der atmosphärischen Horror-Lesung "Der Hinker" des Kölner Autors Oliver Susami. Des Weiteren das Comic "The Glory - für den Ruhm" von Glenn Møane aus Norwegen sowie ein Roman von Tobias Sichelstiel aus Amberg. Zum Jahresende hin veröffentlichen wir auch noch die 5-teilige Fantasy-Hörbuchreihe "Elfenblüte" der Regensburger Autorin Julia Katrin Knoll. Da freu ich mich ganz besonders drauf!

Service:

Das neue Hörspiel „Der schwarze Mann“ von Daniel Schenkel ist im Juni erschienen. Am Samstag, 21. Juli (19.30 Uhr) veranstaltet YKP in Kooperation mit dem Kulturschloss Theuern den Hörspielabend „Horror in der alten Mühle“ mit „Haita der Schäfer“ und „Ein Bewohner von Carcosa“ von Ambrose Bierce und der Live-Premiere von Daniel Schenkels „Der schwarze Mann“.

www.yellow-king-productions.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.