08.05.2018 - 22:26 Uhr
Oberpfalz

Vor Entscheidung beim Ärztetag: Oberpfälzer Mediziner sind skeptisch Telemedizin und ihre Grenzen

Erfurt. Das Fernbehandlungsverbot soll beim Bundesärztetag in Erfurt auf den Prüfstand. Seit Dienstag tagt die Hauptversammlung der Bundesärztekammer und berät dabei auch über eine Lockerung der Vorgaben für den Einsatz der Telemedizin. Könnte damit eine Entlastung für die dünn besiedelte und ärztlich teils unterversorgte Nordoberpfalz verbunden sein? "Nur sehr bedingt", findet Dr. Wolfgang Rechl. Der Weidener Internist und Vizepräsident der Landesärztekammer ist als Delegierter in Erfurt und dabei besonders eng in die Diskussion um die Telemedizin eingebunden. "Natürlich werden wir Ärzte uns der technischen Entwicklung nicht widersetzen."

"Hausarzt" steht vor einem Laptop im Medizinisch-Theoretischen Zentrum (MTZ). Es soll die Nutzung der telemedizinischen Versorgung durch Hausärzte symbolisieren.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Anderseits warnt Rechl davor, von den Möglichkeiten der Fernmedizin zu viel zu erwarten. Auch neuere technische Möglichkeiten können den direkten Kontakt von Arzt zu Patient nicht ersetzen: "Es darf auf gar keinen Fall sein, dass die Telemedizin forciert wird, nur um Kosten zu sparen. Dies würde letztlich nur zulasten der Patienten gehen." Unterstützung erhält der Internist vom Sulzbach-Rosenberger Kollegen Dr. Martin Pöllath. Auch der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Amberg-Sulzbach warnt davor, die Möglichkeiten der Telemedizin zu überschätzen.

"Schon heute kommt es vor, dass wir Anfragen von Patienten erhalten, die sich im Ausland aufhalten", erklärt der Chirurg. Er gebe dann auch gerne Ratschläge. Allerdings ziehe er anderseits eine Grenze, wenn eine Diagnose oder Therapieempfehlung juristisch Folgen nach sich ziehen könnte. "Dann ist der persönliche Kontakt mit dem Patienten unerlässlich." Das beginnt für Pöllath bereits bei vermeintlich unbedeutenden Fällen, selbst wenn es etwa "nur" um eine Krankschreibung für den Arbeitgeber geht. "Wir hatten in diesem Winter eine schwere Grippewelle. Ob ein Patient an einem grippalen Infekt leidet oder an einer Influenza, kann ein entscheidender Unterschied sein", sagt Pöllath. Um dies aber festzustellen, führe an einer direkten Untersuchung durch den Arzt kein Weg vorbei. Nach einer solchen Erstdiagnose sei es dann aber vorstellbar, dass die weitere Behandlung unter Umständen aus der Ferne erfolge.

Als weitere wichtige Themen beim Ärztetag in Erfurt nennt Rechl eine Anpassung der Weiterbildungsordnung für die Fachärzte-Ausbildung. In diesem Thema stecke viel Arbeit der vergangenen Jahre. Außerdem geht es um die Gebührenordnung, die seit 30 Jahren nicht überarbeitet worden sei. Aus Rechls Sicht sei eine Anpassung dringend erforderlich, da viele inzwischen ganz selbstverständliche Behandlungs- und Diagnosetechniken in dieser Ordnung noch gar nicht vorgesehen sind.

Es darf auf gar keinen Fall sein, dass die Telemedizin forciert wird, nur um Kosten zu sparen. Dies würde letztlich nur zulasten der Patienten gehen.Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer aus Weiden

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