25.11.2021 - 13:44 Uhr
TeunzOberpfalz

Imker Michael Kehrer aus Teunz lässt sich beim Kerzen-Guss über die Schulter blicken

In der Küche von Michael Kehrer duftet es ganz dezent nach Bienenwachs. Die Kerzen-Produktion ist angelaufen, und keiner weiß so gut wie der 81-Jährige aus Teunz, was dabei alles schief gehen kann.

Michael Kehrer produziert seit rund 40 Jahren Kerzen aus Bienenwachs. 30 Völker liefern dem Treunzer Imker pro Jahr etwa 40 Kilo Rohstoff, ein Teil fließt allerdings auch in neue Waben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Seit 40 Jahren nutzt Michael Kehrer nicht nur den Honig, den seine 30 Bienenvölker liefern, sondern auch das Wachs. Alljährlich um Allerheiligen startet er in seiner Küche in Teunz die Kerzen-Produktion. Abend für Abend steht ein Topf auf dem Herd, auf dem Küchentisch liegen bunte Gummiringe, daneben meterweise Schnüre, die als Docht zum Einsatz kommen. Geschickt fädelt sie der 81-Jährige durch die zylindrische Silikonform, die von außen ganz unscheinbar aussieht. Zwei kleine Holzspieße klemmen den Docht am Rand der Silikonform ein, damit er nicht zur Seite hin verrutscht.

"Das ist ein bisserl eine Tüftelarbeit", sagt Kehrer und fingert an der Schnur herum, die sich in der schmalen Form für eine Blüten-Kerze so "boshaft" verkeilt hat. "Ich dreh' die Schnur dann auch noch ein wenig, damit die Kerze später nicht einseitig abbrennt", sagt der Profi und erzählt nebenbei, wie er überhaupt zum Imkern und schließlich zum Kerzengießen gekommen ist. "Die Bienen haben mich schon als Schüler fasziniert, drüben beim Nachbarn. Mein Großvater hat mir dann zwei Schwärme gekauft, das war 1957." Seither hat die Imkerei einen festen Platz im Leben des früheren Oberviechtacher Bauhofleiters. Fast drei Jahrzehnte lang war er Vorsitzender des Imkervereins, inzwischen steht er als Berater zur Verfügung und ist stolz darauf, dass er in all den Jahren als Imker nie ein Volk zukaufen musste.

Bienenkästen selbst gebaut

"Die Bienenkästen habe ich alle selbst gebaut", berichtet der 81-Jährige, der immer mit ein wenig mehr Vorrat an Völkern in den Winter geht, schon wegen der Varroa-Milbe. "So kann ich sicher sein, dass mir nicht zu viele hops gehen." Deshalb lässt er regelmäßig neue Waben pressen. Einen Teil zweigt der Bienenfreund für Kerzen ab. "Ich hab' da meinen eigenen Wachskreislauf", betont er.

Meldungen über gepanschtes Bienenwachs, das Brutschäden verursacht, haben ihn hellhörig gemacht. Lieber nimmt er den Reinigungsprozess fürs eigene Naturprodukt auf sich. Das kommt dann zunächst in den Dampfschmelzer. Das flüssige Wachs läuft durch ein Seihtuch und soll anschließend ganz langsam erkalten. Weitere Reststoffe setzen sich am Boden ab und werden dann noch entfernt.

Um zu testen, wie heiß das Wachs für die Kerzen sein soll, braucht der erfahrene Imker kein Thermometer. "Wenn sich im Topf so ein Rand absetzt, dann passt es", sagt er, nimmt das Gefäß vom Herd und gießt vorsichtig in die vorbereiteten Silikonformen. "Bei so einer kleinen Öffnung ist es ein wenig schwieriger", seufzt er, als er mit seiner flüssigen Ladung bei der Hülle angekommen ist, die später eine Kerze in Blütenform freigeben wird. Meistens macht er das abends, wenn Feierabend ist, dann kann er am Morgen danach die abgekühlte Kerze aus dem Silikon schälen, überschüssige Wachsreste entfernen und den Docht noch ein wenig kürzen.

Geht da auch mal was schief? "Anfangs ist mir schon mal der Docht seitlich verrutscht", gesteht der Kerzenproduzent, der im Laufe der Jahre seine Technik verfeinert hat. "Und mit Kerzenformen, die frisch aus dem kalten Keller kommen, wird das auch nichts", so seine Erfahrung. Gerade für die dicke Vater-unser-Kerze, bei der sich jedes Wort als Relief abzeichnen soll, ist ein vorheriges Erwärmen der Form unerlässlich: "Dann geht das Wachs auch sauber raus."

Faible weitervererbt

Während der 81-Jährige die Gummiringe von den ausgekühlten Formen nimmt, kommt die Sprache auf das Honigjahr. Zwei schlechte Jahre habe man da jetzt hinter sich, deutschlandweit, sagt Kehrer und lenkt den Blick auf den Klimawandel. "Im Frühjahr mussten wir die Bienen füttern, sonst wären sie verhungert", merkt er kopfschüttelnd an. Aber ein bisserl Honig sei dann doch noch rausgekommen, "und an Wachs fehlt es nicht." Sein Know-how hat der Imker inzwischen nicht nur an viele Kollegen weitergegeben. Enkel Maximilian ist mit 23 Jahren längst in die Imker-Wissenschaft eingeweiht. Tochter Christine Hammer hat vom Vater ebenfalls ein Faible fürs Basteln geerbt und fühlt sich wohl mit dem Material Wachs. Ihre Kerzen, beispielsweise Taufkerzen, werden zwar nicht am eigenen Herd gegossen, kriegen dort aber durch Deko-Teile eine ganz individuelle Note.

Inzwischen sind alle am Vorabend gegossenen Tannenbäume, Engel und Kerzen mit Wabenmuster aus der gummiartigen Hülle gelöst. Einen Überzug aus Klarlack spart sich der 81-Jährige, die Kerze soll schließlich nach Wachs riechen, nicht nach Farbe. Nur die Spitze des Dochts behandelt er mit einem feinen Pinsel, damit sie nicht ausfranst. "Früher, als meine Frau noch lebte, hat sie die Kerzen dann in Zellophan verpackt und eine Schleife rangemacht, aber dafür hab ich kein Händchen", gesteht Michael Kehrer. Ein Teil der Kerzen ist als Weihnachtsgeschenk für seine Honig-Kunden gedacht.

Keine Frage der Rendite

"Diese hier sind allerdings bestellt für einen Adventskranz", erklärt er und deutet auf ein Modell in Tropfenform. Ob der Verkauf sich lohnt, das ist für den Teunzer zweitrangig. "Ist doch schön, wenn man eine Aufgabe hat", lautet seine Devise, "und bis man schaut, sind die Kerzen weg."

Schlechte Ernte für die Imker

Schwarzenfeld
Hintergrund:

Tipps und Tricks bei der Kerzen-Produktion

  • Technik: Kerzen können auf viele Arten hergestellt werden, durch Pressen, Gießen, Ziehen, Extrudieren, tauchen, Aufgießen oder Kneten. Vor allem aufwendige Kerzen werden in Silikonformen gegossenen
  • Temperatur: Bienenwachs hat einen Schmelzpunkt von 62 Grad Celsius. Eine ideale Temperatur für den Kerzenguss ist laut Imker Michael Kehrer etwa 80 Grad. Ist das Material zu heiß, so reißt das Wachs. Ist die Form beim Guss zu kühl, lässt sich die Kerze nicht so gut herauslösen
  • Auffrischung: Bienenwachs-Kerzen, die zu lange und zu kühl gelagert wurden, können außen einen Grauschleier bekommen. Imker Michael Kehrer rät dann zu einem warmen, aber keinesfalls zu heißen Bad für die Kerze.
  • Wachsfälschung: Der hohe Preis von Bienenwachs hat schon im 14. Jahrhundert zu Fälschungen geführt: Das Wachs wurde beispielsweise mit Butter, Talg, Pech, Teer, Harz oder Mehl gestreckt Moderne Varianten enthalten Stearin und Paraffin. Bienen können das verfälschte Wachs zwar akzeptieren, Teile der Brut sterben aber durch die fremden Stoffe ab, die Völker verkümmern unter Umständen.

 

 

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