25.05.2020 - 12:58 Uhr
Vilshofen bei RiedenOberpfalz

Kohle, die der Umwelt hilft

Hoffnung Pflanzenkohle. Das Herstellungsverfahren "könnte im Kampf gegen die globale Erwärmung verwendet werden" - heißt es bei Wikipedia gleich im zweiten Satz. In Vilshofen (Landkreis Amberg-Sulzbach) stellt ein Unternehmen das zukunftsträchtige Produkt her.

Carbon-Cycle-Mitarbeiter Norbert Gebhard erklärt den Pflanzenkohlen-Herstellungsprozess.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Das Prinzip ist eigentlich schnell erklärt: Oben kommen die Hackschnitzel rein, unten kommt dreieinhalb Stunden später die Pflanzenkohle raus. So einfach ist es aber dann doch nicht. Beim Unternehmen Carbon Cycle mit Sitz in Vilshofen braucht es für die Herstellung der Kohle, die kontrollierte Pyrolyse, eine haushohe Anlage. In einem Labor untersucht Mitarbeiter Norbert Gebhard die Beschaffenheit des Stoffs, experimentiert mit dem Material. Welcher Mahlgrad ist am Besten für die jeweilige Anwendung? Wie viel Wasser bindet es bei welchen Voraussetzungen? Es steckt viel Wissenschaft in der Kohlen-Herstellung.

In einem Labor untersucht ein Mitarbeiter der Firma die Qualität und Beschaffenheit der produzierten Pflanzenkohle.

Dabei ist das alles keine neue Erfindung. Das Köhlerverfahren gibt es schon seit Jahrhunderten. Dennoch ist die Idee der Unternehmer zukunftsträchtig. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Tonne Pflanzenkohle im Boden bindet 3,6 Tonnen Kohlendioxid über Jahrhunderte. In die Erde eingebrachte Pflanzenkohle erhöht die Bodenfruchtbarkeit und fördert die Dauerhumusbildung. "Mit der Verbesserung des Bodenmilieus habe ich dann natürlich auch höhere erträge", erklärt Gebhard. Bedingt durch die große innere Oberfläche der Kohle speichert sie bis zum fünffachen seines Eigengewichts an Wasser - vor allem interessant wegen der zunehmenden Trockenzeiten.

Die Anlage wird regelmäßig mit Hackschnitzeln gefüllt.

Das gemalene Material wird auch in Tierfutter untergemischt. "Futtereffizienz, Tiergesundheit und das Stallklima werden dadurch verbessert", sagt Gebhard. Neben gesünderen, vitaleren Tieren kommt ein ganz banaler, aber nicht zu vernachlässigender Faktor hinzu: Die Absonderungen der Tiere stinken weniger. Zugefüttert wird die gemahlene Futterkohle aber nur in geringen Dosen. Bei einer Kuh, die täglich zig Kilogramm Futter frisst, wird pro Tag nicht mehr als 30 bis 50 Gramm Kohle untergemischt.

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Die Idee zu Carbon Cycle ist bereits 2015 geboren. Mit der Produktion startete das Unternehmen, das in der Hand der vier Gesellschafter Gerd Büttner, Michael Wiederer, Rudi Zeitler und Martin Eckl ist, im August 2019. Am Anfang verpackten die Mitarbeiter die Pflanzenkohle noch per Hand. Mittlerweile erledigt das eine Verpackungsmaschine. Die Hackschnitzel besorgt sich das Unternehmen aus einem Umkreis von rund 80 Kilometern. Carbon Cycle bedient aktuell vor allem Großkunden, aber zunehmend auch Landwirte und Hobbygärtner. Neben der Zufütterung eignet sich die Pflanzenkohle laut Gebhard ebenfalls sehr gut zum Einsatz im heimischen Kompost oder Garten. Mittlerweile werden auch kleinere Packungen angeboten. Es wird spannend, wie sehr Pflanzenkohle in Zukunft zum Einsatz kommt. Gebhard wünscht sich in jedem Fall, dass die politischen Rahmenbedingungen für die nachhaltige Nutzung der Pflanzenkohle geschaffen werden. Andere Länder würden etwa bereits mit Pflanzenkohle CO2-Zertifikaten handeln.

Die Pflanzenkohle kommt aus der Anlage unten raus, oben werden die Hackschnitzel eingebracht.
Die Pflanzenkohle kommt aus der Anlage unten raus, oben werden die Hackschnitzel eingebracht.
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