16.07.2019 - 15:27 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Kleiderkreisel im Kinderzimmer

Kinder haben oft ein anderes Verständnis von Ordnung als ihre Eltern. Entsprechend sieht auch der Kleiderschrank aus. Mit ein paar einfachen Tricks lässt sich das Chaos beseitigen.

Kleiderschränke von Kindern neigen zu chaotischem Innenleben.
von mvsProfil

Fela Himmes ist Mutter von zwei Kindern: Marleen wird im September fünf Jahre alt und zieht sich gern oft um. Carlo ist zweieinhalb Jahre alt und weiß, wie gut ihm Basecaps stehen. Wie bewältigt die 31-Jährige anfallende Wäscheberge?

ONETZ: Wie organisieren Sie die Kleidung Ihrer Kinder?

Fela Himmes: Also, wollen Sie die ehrliche Antwort oder eine beschönigte?

ONETZ: Die Wahrheit bitte.

Fela Himmes: Also dann. Mehr schlecht als recht. Meine beiden Kinder teilen sich einen Schrank, der für ihre Unmengen von Wäsche eigentlich zu klein ist. Ich versuche so gut zu schlichten, wie möglich. Blusen, Westen und Kleider, davon hat Marleen mehr als genug, hänge ich. Alles andere wird gerollt. Ich bilde mir ein, dass das Platz spart.

ONETZ: Wie genau sieht Ihr System aus, wann waschen Sie, wie organisieren Sie?

Fela Himmes: Ich wasche und trockne in der Maschine immer große Mengen auf einmal, lege sie in einer guten Stunde zusammen, sortiert nach Kindern, und bringe die zusammengelegte Kleidung in einem Korb zum Schrank. Ein gefährlicher Moment ist das.

ONETZ: Wieso gefährlich?

Fela Himmes: Wenn jetzt etwas dazwischen kommt, dann bleibt der Wäschekorb auch mal Tage lang stehen.

ONETZ: Was kann dazwischen kommen?

Fela Himmes: Alles. Die Kinder, Unlust. Aber wenn der Schrank eingeräumt ist, dann ist das eine Wohltat. Und es schockiert mich auch, weil ich in den nächsten zwei Wochen keine Wäsche mehr machen muss. Wir haben unfassbar viele Klamotten, mit denen wir so lang auskommen. Obwohl Marleen sich manchmal vier Mal am Tag umzieht.

ONETZ: Viermal?

Fela Himmes: Mit Verkleiden.

ONETZ: Woher haben Sie so viel Kleidung?

Fela Himmes: Unser „Kleiderkreisel“ ist ein ausgefeiltes System. Mein Mann und ich stammen ursprünglich aus dem Saarland, wo viele Verwandte und Freunde von uns leben. Meine Schwägerin hat drei Kinder im Grundschulalter, zwei Mädchen und einen Jungen. Die Pendler, also die Verwandten, die uns besuchen, bringen kistenweise Kleidung mit. Für die Größe 110 und 116 allein waren es vier Umzugskisten. Eine nur mit Jeans, die Marleen nicht mal mag. Aber zum Weggeben wäre es auch zu schade. Und ich habe eine eineinhalb- und zweijährige Cousine, an die wir wiederum alles weitergeben. Deren Eltern sind genauso dankbar und überfordert mit so viel Kleidung. Die würde auch noch für ein drittes Kind reichen.

ONETZ: Aber ab und an wird etwas aussortiert, weil es verschlissen ist?

Fela Himmes: Das passiert bei so viel Kleidung kaum, sie wird ja nicht richtig abgetragen. Und dann kommt noch hinzu, dass Marleen in den Waldkindergarten geht, wo auch ein T-Shirt mit Fleck in Ordnung ist, sogar höchst geeignet an einem Regentag mit schön viel Matsch.

ONETZ: Also ist der Kleiderkreisel ...

Fela Himmes: ... etwas, wofür ich sehr dankbar bin. Was mich aber auch stresst. Und der Stil ist recht vorgegeben. Ab und zu kaufe ich deshalb auch etwas, das mir besonders gut gefällt. Das kommt dann noch dazu.

ONETZ: Noch wohnen Sie zur Miete, bald bauen Sie ein Haus. Hat die Kleiderfrage beim Grundriss eine Rolle gespielt? Eine Etage nur für Kleidung?

Fela Himmes: Nein, das nicht. Aber der Architekt hat uns beim ersten Gespräch einen Kleiderschacht vorgeschlagen. Ich habe davon vorher noch nie gehört. Er führt vom ersten Stock in den Waschraum, so dass die Wäsche direkt vor der Maschine landet. Ich war von Anfang an begeistert.

ONETZ: Sie haben sich nicht für den ersten Hausentwurf entschieden ...

Fela Himmes: … aber auch in der finalen Version ist der Schacht geblieben. Und nach unserem Gespräch jetzt habe ich Lust bekommen, doch mal ordentlich zu reduzieren. Ich bin schockiert über die Massen an Kleidung. Ich bin mir eigentlich durchaus im Klaren darüber, dass man nicht so viel braucht. Wenn ich das Interview mit mir lesen würde, würde ich wohl denken: Boah, was für einen Luxus hat die denn? Vielleicht ist es ja auch so. Das regt mich zum Nachdenken an.

ONETZ: Aber nicht in dem Moment nachdenken, wenn der Korb voll frischer Wäsche zum Einsortieren ist.

Fela Himmes: Stimmt, alles andere wäre ja gefährlich.

Der geordnete Kleiderschrank:

Praktische Tipps für zu Hause

1. Aussortieren: Alles, was nicht mehr oder noch nie getragen wurde, geht an befreundete Haushalte oder in die Kleidersammlung von Diakonie oder Rotem Kreuz. Die Kleidung sollte immer gut in Schuss und frisch gewaschen sein.

2. Hängen: Längere Klamotten, wie Kleider, sollten gehängt werden. Einheitliche Bügel schaffen einen einheitlichen Look und einen Ansatz von Boutique-Feeling. Wie sortiert wird, hängt von den konkreten Umständen ab. Beispielsweise kann es Sinn machen, die Kleiderstange in der Mitte zu teilen: links die Sachen von Kind eins, rechts von Kind zwei. Diese wiederum geordnet von Weste über Kleid und Pullover bis zum T-Shirt. Jede Kategorie dann noch nach Farbe. So ist schnell ersichtlich, wovon zu wenig da ist, wovon zu viel. Jeweils links außen könnte die „Räuber“-Kleidung hängen, die nicht geschont werden muss und zum Spielen draußen angezogen wird, und rechts außen Schlafanzug und Nachthemden.

3. Klassische Kistenkandidaten: In einer Schachtel werden Unterhosen, in einer Unterhemden gefaltet und hintereinander hochkant geschlichtet. Eine weitere Kiste je Kind ist für Socken und Strumpfhosen. So bleibt zusammen, was sonst leicht zum Herumfliegen neigt. Und die Kinder, selbst die Kleinsten, können mithelfen beim Einsortieren. Das aktive Einbeziehen in die Haushaltsarbeit ist spielerisch gemacht.

4. Rotieren: Viertel- bis halbjährlich landet zu kleine oder der Jahreszeit nicht mehr angemessene Kleidung in Kisten verpackt im Keller oder auf dem Dachboden. Wichtig: Die Kisten leserlich und systematisch beschriften. Lieber mehr Kisten packen, als eine riesige, in der von Kleidergröße 92 bis 116 die Klamotten mehrerer Jahre verschwinden. Kleiner gepackt lassen sich Kisten voll Kleidung auch leichter weitergeben.

5. Wählerisch werden und fast fashion-bewusst meiden: Gute Qualität kostet zwar etwas mehr, hält aber auch länger und lässt sich von mehr als einem Kind nutzen.

Fela Himmes mit ihren Kindern Carlo und Marleen
Oben aufgehängt: Ordnung, wie Eltern sie sich wünschen. Unten hineingestopft: Die Interpretation von "Aufräumen" durch eine Fünfjährige.
Für diesen Kleiderschrank hat die Stunde des Organisierens geschlagen: Reduktion, mehr Regalböden, vielleicht ein Sortieren nach Farben und schmale Kisten, in denen gut Gefaltetes stabil zusammen bleibt, stehen ihm bevor.
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