03.05.2020 - 15:37 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ludwig Spreitzer: Großer Streiter für den Landkreis Tirschenreuth zieht sich zurück

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Ludwig Spreitzer war 18 Jahre Kreisrat und hat als "Spätzünder", wie er selbst sagt, die Kreispolitik maßgeblich beeinflusst. Ein Netzwerker, der seine Kontakte auf vielen Ebenen zu nutzen wusste.

Ludwig Spreitzer im Gartenstuhl, gemütlich zurückgelehnt: Das sind neue Bilder eines Vollblutpolitikers, der nicht nur als Kreisrat, sondern auch viele Jahrzehnte als Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister sowie als Seniorenbeauftragter des Landkreises und besonders als Bezirkstagsvizepräsident in der Lokalpolitik viel zu sagen hatte.
von Ulla Britta BaumerProfil

Tochter Annette Spreitzer legt jeden Morgen frische Semmeln vor die Haustür, bevor sie an ihren Arbeitsplatz als Mittelschulleiterin in Windischeschenbach fährt. Ihr Vater, Ludwig Spreitzer, soll in Coronazeiten so wenig wie möglich hinausgehen. Aber auch sonst ist es ruhiger geworden um den "Luke", Ludwig Spreitzer. Die Coronakrise hat den Vollblutpolitiker und ehemaligen Schulamtsdirektor, wie so viele andere mit ihm, vorerst einmal auch in die Knie gezwungen. Spreitzer, der am 5. Mai 80. Geburtstag feiert, gehört wegen eines Herzinfarkts im vergangenen Jahr und aus Altersgründen zur gefährdeten Personengruppe und bleibt lieber möglichst Zuhause.

Schlaflose Nächte

"Ich mache zweimal täglich meinen Morgenlauf", betont Spreitzer, dass er Bewegung schon braucht und korrigiert sich schmunzelnd. "Tatsächlich laufe ich nicht mehr. Es ist mehr ein schnelles Gehen." Zeit hat er jetzt viel für seine Hobbys. Spreitzer hat sein Kreistagmandat nach 18 Jahren abgelegt. Zum 1. Mai schied er mit anderen langgedienten Kollegen wie Rainer Fischer und Hannelore Bienlein-Holl aus. "Eine große Feier gibt es wegen Corona nicht", sagt er. Es liegt kein Bedauern in seiner Stimme.

Er sei ein "politischer Spätzünder", sagt er von sich. Der Waldsassener Stadtrat und stellvertretende Bürgermeister wurde 1994 Bezirksrat und 2001 Bezirkstagspräsident. 2002 erst wurde er Kreisrat. Sein politisches Netzwerk hat Ludwig Spreitzer zu einem wichtigen CSU-Mann im Kreistag gemacht. Er denkt an die Gründung des Sibyllenbads als Bezirkseinrichtung, was eine große Herausforderung gewesen sei. Gefuchst habe ihn allerdings die Debatte auf Kreisebene über eine mögliche Geschäftsführung des Bades durch die Kewog, sagt er. Da seien schlaflose Nächte vorgegeben gewesen, zeigt er sich froh, dass der Bezirk die Fäden weiter in der Hand behielt.

Immer wieder nach München

Spreitzers Karriere als Kreisrat begann in Zeiten von Landrat Karl Haberkorn. Spreitzer brachte viel Erfahrungen als Stadtrat, stellvertretender Bürgermeister und Bezirksvize mit. Die Krankenhäuser seien immer ein brisantes Thema gewesen, erzählt er. Und die Kreissparkassen. Spreitzers Lieblingskind ist das Kloster Waldsassen. Zu den bisher verbauten 39 Millionen Euro sagt er: "Das ist ein Wunder." Drei Mal die Woche, sinniert er über vergangene Tage nach, sei er nach Regensburg zum Bezirk gefahren. "Und einmal pro Woche zu Ministerin Monika Hohlmeier nach München." Sie habe ihn immer um 9 Uhr zu sich zitiert. "Es war immer Stau und ich musste immer anrufen, dass ich später komme." Die Kontakte mit Hohlmeier hätten geholfen, auch beim Sibyllenbad und der Klostersanierung so manche Türe zu öffnen. "Die Monika" treffe er jetzt nur noch selten. Wenn sie auch weiterhin im Vorstandsgremium des Kloster-Fördervereins sei.

Diskutiert und dann ins Wirtshaus

Von seiner Arbeit im Kreistag kann Spreitzer nur Gutes berichten. Viele große Aufgaben habe man parteiübergreifend beschließen können. Er nennt hier auch die Einrichtung der Seniorenbeauftragten auf Gemeindeebene, die er vor zwölf Jahren aufgebaut habe als Seniorenbeauftragter für den Landkreis. "Ich glaube, wir sind sehr erfolgreich", sagt er. Spreitzer war der Chef von 26 Seniorenbeauftragten. Auch diesen Posten legt er nun nieder.

Spreitzer ist auch stolz auf seine einstigen Mitstreiter von der Seniorenfachstelle, Walter Brucker und Wolfgang Fenzl, die in der Hierarchie des Landratsamtes aufgestiegen seien. "Verdient", so Spreitzer. Treuer Weggefährte sei der SPD-Mann Rainer Fischer gewesen. Mit ihm habe er viele Debatten ausgefochten. "Immer fair. Hinterher sind wir gemeinsam ins Wirtshaus." Man habe ihm gern angedichtet, er habe unter der schwarzen Hülle eine rote Seele, lacht er. Spreitzers politisches Leben ist geprägt von Begegnungen mit Politpromis wie den Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber oder dem tschechischen Präsidenten Václav Havel.

Sohn lebt in Neuseeland

"Ich habe noch genug zu tun", sagt Spreitzer auf die Frage, wie er die neu gewonnene Zeit nutzen will. Seine Enkelkinder, Sohn Björn lebt in Neuseeland, vermisst er sehr, denn wegen Corona können sie in diesem Jahr nicht nach Waldsassen reisen. Treu bleibt Spreitzer vielen Organisationen im Landkreis. Er ist Mitglied in sage und schreibe 50 Vereinen, sehr häufig agiert er im Vorstand.

Seine "letzte Tat" als Seniorenbeauftragter, eine Fahrt mit den 26 Kollegen aus dem Landkreis nach Berlin in den Bundestag, soll im Herbst stattfinden. "Das ist meine Abschiedsfahrt. Ich hoffe, bis dahin dürfen wir wieder reisen." Langweilig wird dem "Luke" auch ohne Kreistag, wie man sieht, gewiss nicht.

Im Blickpunkt:

Keine Besuche zum 80. Geburtstag

Große Feiern zum 80. Geburtstag wird es nicht geben bei Ludwig Spreitzer. Der Jubilar bittet darum, aufgrund der Coronalage von Besuchen absolut abzusehen. "Keiner soll böse sein, dass die Türen diesmal nicht offen stehen", wirbt er um Verständnis.

Hintergrund:

Von Regensburg nach Waldsassen

Ludwig Spreitzer wurde am 5. Mai 1940 in Regensburg geboren. Als Junglehrer kam er 1963 nach Waldsassen. An der dortigen Knabenschule sowie aushilfsweise in Falkenberg und Münchenreuth unterrichtete er bis 1966, dann an der Sonderschule und wieder an der Knabenschule Waldsassen bis 1971. Spreitzer wurde Seminarleiter, war 1976 bis 1990 Rektor der Hauptschule Waldsassen und bis zu seiner Pensionierung 2005 Schulamtsdirektor in Tirschenreuth. Seine Ehefrau Hildegard, eine Waldsassenerin, heiratete er 1971. Auf Tochter Annette folgte Sohn Björn.

1984 wurde Spreitzer in den Waldsassener Stadtrat gewählt, 1985 zum Fraktionsvorsitzenden der CSU. 1992 wurde er Zweiter Bürgermeister, 1994 Bezirksrat, 1996 Kulturreferent des Bezirks Oberpfalz, 2001 Vizepräsident des Bezirks Oberpfalz. 2002 folgte der Einzug in den Kreistag, 2006 die Berufung als Seniorenbeauftragter des Landkreises.

Er arbeitet in wichtigen Organisationen im Landkreis mit, angefangen vom Kuratorium der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen bis hin zur Lebenshilfe Tirschenreuth. Maßgeblich war er als Gründer der Städte- und Schulpartnerschaft mit dem walisischen Pencoed beteiligt. Ludwig Spreitzer ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, der Europäischen Verdienstmedaille, der Bürgermedaille der Stadt Waldsassen, der Bezirksmedaille des Bezirks Oberpfalz, der Schmellermedaille des Landkreises Tirschenreuth sowie Familiar der Abtei Waldsassen.

Bundesverdienstkreuz am Bande für Ludwig Spreitzer:

40 Jahre CSU Waldsassen feierten Ludwig Spreitzer (rechts) und Karlheinz Hoyer (links) gemeinsam mit Ministerpräsident Franz Josef Strauß (Mitte).
Ludwig Spreitzer (Dritter von links) beim CSU-Ausflug in der Hohen Tatra mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel (Fünfter von links).
Auch als Seniorenbeauftragter war Ludwig Spreitzer noch im Jahr 2016 zu allen "Schandtaten" bereit. Hier knutscht er mit einem Lama vom Mitterhof. Und schon war der "Luke" schon wieder in der Zeitung. Natürlich lichtete Oberpfalz-Medien das nette Bildchen sogleich auf der Kreisseite auffällig platziert ab.
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