15.03.2021 - 13:48 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Waldthurner Pfarrer muss auch Landwirt können

Georg Haller war der letzte Ökonomiepfarrer in Waldthurn. Vor 72 Jahren ist er bei der Austeilung der Kommunion gestorben. Über sein Leben hat Heimatkundler Georg Schmidbauer geforscht.

Pfarrer Georg Haller im Getreidefeld.
von Franz VölklProfil

Seit jeher gehörten zum Pfarrhof auch landwirtschaftliche Gründe, die der Geistliche und sein Gesinde bearbeiteten. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es selbstverständlich, dass ein Waldthurner Geistlicher neben seiner umfangreichen seelsorgerischen Tätigkeit auch Landwirt war. Nicht nur ein paar Hühner gackerten im Pfarrhühnerstall, auch so manches Schweinegrunzen oder das Muhen einer Kuh war hier zu hören, was jetzt unvorstellbar ist. Heute sind es noch vier Hühner, um die sich Pfarrhaushälterin Elisabeth Kodalle kümmert. Sie und Pfarrer Norbert Götz freuen sich so über manches Frühstücksei.

35 Jahre segensreiches Wirken

Georg Haller war der letzte Ökonomiepfarrer von Waldthurn. Er wirkte vom 25. Mai 1913 an 35 Jahre segensreich in der Pfarrei, in der er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Der Oberbernriether Heimatexperte Georg Schmidbauer blickt auf dessen Schaffen zurück. „In den Matrikeln der Diözese von 1916 ist über die Ökonomie des Pfarrhofs Waldthurn zu lesen“, erklärt Schmidbauer. Zum Pfarrgrund gehörten 3,030 Hektar Äcker, 0,062 Hektar Garten, 0, 613 Hektar Wiesen und 0,593 Hektar Ödland. „Wo und wie groß der Stall war, konnte ich nicht nachvollziehen“, bedauert Schmidbauer. Nach dem Tod (Dezember 1948) von Pfarrer Haller wurden die landwirtschaftlichen Gründe durch dessen Nachfolger Pfarrer Johann B. Götz verpachtet. Die Pfarrer Max Meindl, Andreas Renner, Marek Baron und auch der heutige Seelsorger Norbert Götz führten die Landwirtschaft nicht weiter.

Im Sommer war Pfarrer Haller oft auf seinen Wiesen und Feldern, um bei den landwirtschaftlichen Arbeiten mitzuhelfen. Die älteren Waldthurner erinnern sich noch, wie er auf der Wiese arbeitete, auf dem Kopf ein Taschentuch und einen Strohhut gegen die Sonne. Auch seine Kooperatoren spannte er, nicht immer zu deren Freude, gerne für die landwirtschaftlichen Arbeiten ein. Geboren wurde Haller am 13. November 1873 in Paulsdorf. Am 4. Juni 1899 wurde er im Hohen Dom zu Regensburg zum Priester geweiht. Als Kooperator wirkte er zuerst in Nabburg, ab 1902 in Cham. Im März 1908 wurde er für kurze Zeit Pfarrprovisor in Moosbach und dann im Mai desselben Jahres Expositus in Prunn im Altmühltal, weiß Schmidbauer.

Lesen Sie hier einen weiteren Bericht über die Forschungen von Georg Schmidbauer

Oberbernrieth bei Waldthurn

Voller Elan ging Haller zu Beginn seiner Tätigkeit in Waldthurn an die Arbeit. 1919 gründete er den Verein für Ambulante Krankenpflege und war viele Jahre dessen Vorsitzender. In wirtschaftlich schwieriger Zeit griff Pfarrer Haller den Gedanken an eine Erweiterung der Pfarrkirche auf. 1922 und 1923 wurde nach den Plänen des Architekten Schurr aus München an der Südseite der Kirche ein Anbau errichtet und damit wurden 255 neue Sitzplätze geschaffen. Das alte Presbyterium erhielt circa 100 Plätze für Kinder. Die Altäre wurden an der Nordseite des alten Langhauses angeordnet. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch der alte Pfarrhof umgebaut. 1927 erwarb Haller von Christoph Müllhofer das alte Lobkowitzer Schloss mit den dazugehörigen Grundstücken und schuf somit die Voraussetzung, dass am 30. Mai 1928 die ersten vier Oberzeller Schwestern nach Waldthurn kommen konnten. Ihre Aufgaben bestanden in der Ambulanten Krankenpflege, der Betreuung des Kindergartens und der Einrichtung einer Nähschule.

Auch Vorsitzender des Raiffeisenvereins

Nachdem es in der Pfarrei Waldthurn schon länger eine marianische Jungfrauenkongregation gab, gründete Pfarrer Haller am 16. April 1936 in einer sehr schwierigen Zeit eine Marianische Männerkongregation mit dem Titel Mariä Verkündigung. Unter Pfarrer Hallers Regie wurde 1934 die St. Wendelinkapelle in Spielberg und 1938 die St.-Michaels-Kapelle in Albersrieth gebaut. Er war auch Vorsitzender und Rechner des Raiffeisenvereins, dessen Geschäfte er im Pfarrhof abwickelte. Besonders am Herzen lag Pfarrer Haller, dass seine Pfarrei Priester- und Ordensberufe hervorbrachte. Er erteilte vielen Buben Lateinunterricht und bereitete so den Weg zum Priestertum für Pirmin Beimler aus Albersrieth, Paul Bodensteiner, ebenfalls aus Albersrieth, Franz Magerer und Georg Bergler, beide aus Waldthurn, Josef Gmeiner, Woppenrieth, Hans Voit, Waldthurn, Ansgar Schober, Buch, und Magnus Dobmeier aus Waldthurn. Dazu ergriffen mindestens zehn junge Frauen unter seiner Anleitung den Ordensberuf.

Pfarrer Haller war aber trotz seiner vielen Aktivitäten in erster Linie ein gewissenhafter, pflichtbewusster Seelsorger und Religionslehrer. Je einmal in der Woche feierte er Frühmesse in Lennesrieth und Albersrieth mit anschließendem Religionsunterricht in der Schule. Sommers wie winters legte er alle Wege zu Fuß zurück. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er zum Bischöflich Geistlichen Rat ernannt und war lange Dekan und Schuldekan im Dekanat Leuchtenberg. Am 7. Dezember 1948 starb Pfarrer Haller infolge eines Schlaganfalls bei der Austeilung der Kommunion. Seine letzte Ruhestätte fand er im Priestergrab auf dem Waldthurner Friedhof.

Hintergrund:

Ökonomiepfarrer

  • „Verband der katholischen Ökonomiepfarrer Bayerns“ am 15. Februar 1917 in Regensburg von 34 katholischen Priestern als Genossenschaftsbank gegründet
  • Namensänderung 1924, Verband wurde die Bezeichnung „LIGA“ vorangestellt
  • Heutige LIGA Bank ist eine kirchliche Genossenschaftsbank in Regensburg
  • Versteht sich als christliche Standesbank und stellt ihre Leistungen in den Dienst der katholischen Kirche
  • Seit über 50 Jahren größte Bank im Genossenschaftsverband Bayern
  • Geschäftsgebiet erstreckt sich auf den gesamten süddeutschen Raum und Österreich

 

 

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