08.05.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Michael Mittermeier begeistert in der Max-Reger-Halle Warten auf "Adelholzener-Woman"

Superheld zu sein ist heutzutage ziemlich einfach: Die Zeiten, in denen einzig Superman und Batman große Taten leisten, sind längst vorbei. Und da stellt sich Michael Mittermeier am Montagabend in Weiden die Frage, ob man da überhaupt noch mitmachen will.

Mit seinem aktuellen Programm "Lucky Punch" setzt Michael Mittermeier in Weiden zahlreiche Treffer. Bild: Stiegler
von Holger Stiegler (STG)Profil

"Lucky Punch - Die Todes-Wuchtl schlägt zurück!" heißt das brandneue Programm, mit dem der 52-jährige Comedian durchs Land tourt. Die gefüllte Max-Reger-Halle belegt die Beliebtheit des Oberbayern. Es sind aber beileibe nicht nur "Glückstreffer", die Mittermeier an diesem Abend setzt, denn vielen Phänomenen und Absurditäten des Alltags gibt er gezielte Schläge mit, die voll ins Schwarze treffen. Auch als Oberpfälzer muss man an diesem Abend einiges aushalten können.

Spott über Donald Trump

Die Superhelden, der Inbegriff jugendlicher Träume, sind schon längst nicht mehr das, was sie einmal waren. "Es gibt Superhelden, die wir nicht einmal als Comic gelesen haben", empört sich der Künstler und bleibt gleich bei "Captain America" hängen: "Was leistet denn der? Burger essen, fett werden und Länder überfallen?" In einer Zeit, in der es Helden wie die "Grüne Laterne" und "Aquaman" gibt, fehle nicht viel, dass auch noch "Adelholzener-Woman" auf der Bildfläche erscheine.

Mittermeier hat ein relativ leichtes Spiel in Weiden, was auch an seiner Improvisationskunst liegt, mit der er Stimmungen aus dem Publikum bereitwillig aufnimmt. Dass auf seine Fragen ans Publikum nur zögerliche Resonanz kommt, lässt dieser natürlich gleich in seine Charakteristika der Oberpfälzer Menschen und Sprache einfließen ("Das Land, wo niemand antwortet"). Das ist natürlich alles nicht neu, aber trotzdem ziemlich originell und trifft den Geschmack der Zuhörer. Da passt es dann perfekt dazu, dass zwei Zuschauerinnen mit ihrer Aussprache von "Pointe" und einem Lach-Mix aus Hysterie und Ekstase ebenfalls für Running Gags sorgen.

Mittermeiers Rundumschlag kommt auch ohne klare Linie aus, da braucht es keine bedeutungsschwere Handlung für das Zweieinhalbstunden-Programm. Mit viel Leichtigkeit, jeder Menge Empörung sowie der passenden Gestik und Mimik schlägt Mittermeier große inhaltliche Bögen: Von Angela Merkel als "Siri Europas", über die kaltblütige Ermordung von Veganern mit Maggi-Spritzern bis hin zum Heuschnupfen, der sich halt doch am besten mit Schnaps behandeln lässt.

Mittermeier lässt sich aus über Nikolausbesuche, die AfD und natürlich über die Österreicher. Donald Trump überschütte er mit einem ehrfürchtigen Kompliment: "Man muss erkennen, wer der bessere Komiker ist!" Einer von dessen jüngsten Gags: die Idee, Lehrer in der Schule zu bewaffnen, um auf diese Weise Amokläufe zu verhindern. "Das ist wie Biertrinken zum Nüchternwerden", begeistert sich der Künstler. Dass es gerade in Deutschland gewisse Sympathien für den Waffen-Vorschlag gibt, verwundert Mittermeier wegen der vielen "Kampfmütter von Arschlochkindern" aber doch nicht.

"Bachelor": Nur Klischees

Auf köstliche Art und Weise nimmt sich der Comedian zudem den TV-Trash "Der Bachelor" vor - und vermutet, dass bei den Dieselabgastests neben den Affen auch die 25 Kandidatinnen Testpersonen waren. "Und beim Bachelor selber - da stimmt jedes Klischee", fasst Mittermeier die Quintessenz einer Begegnung mit einer dieser Personen zusammen. Nebenbei gibt es fürs Publikum auch noch die Info, dass man heute ja nicht mehr "Schlampen" sagen dürfe, sondern nur noch "Bitch".

Dann sind da noch die Hommage an Bruce Lee und Chuck Norris und der Ausflug in die Zeit, in der es noch echte Männer und echte Helden gab. Minutenlang kann sich Michael Mittermeier auch über die neuesten Trends in der Schambehaarung auslassen, klärt auf, was es mit der "Todes-Wuchtl" auf sich hat, und amüsiert sich - denn das geht bekanntlich immer - über hässliche Engländer ("Wie am Betriebsausflug von Walking Dead!"). Viel Applaus vom begeisterten Publikum.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.