11.09.2018 - 18:46 Uhr
Weickenricht bei FreihungOberpfalz

Erinnerungen eines Postbuben

Ein 90. Geburtstag ist Anlass zum Feiern. Aber auch zur Rückschau auf ein langes Leben. Beides trifft auf Andreas Peter aus Weickenricht zu. An seinem Ehrentag erzählt er Geschichten aus seiner Jugend, die selbst seiner Tochter Inge völlig neu sind.

Andreas Peter als 15-jähriger Flakhelfer 1943 in Prag.

Geboren ist Andreas Peter im August 1928 als ältestes von sieben Kindern. Mit drei Schwestern und drei Brüdern ist er in Weickenricht aufgewachsen. Nach sieben Jahren in der einklassigen Volksschule in Seugast bekam er mit 13 Jahren eine Stelle als Posthilfsbote mit wechselndem Einsatz in Freihung und Eschenbach.

Den Weg nach Eschenbach legte er jeweils am Wochende zu Fuß zurück - in siebeneinhalb Stunden. Oder, wenn ein Postfahrrad verfügbar war, in zwei Stunden. Für die auswärtigen Boten gab es beim Postamt ein kleines Zimmer, in dem sie wohnen konnten. In dieser Zeit ernährte sich Andreas Peter hauptsächlich von Bratkartoffeln und Eiern - denn Eier und Kartoffeln bekam er regelmäßig geschenkt. Die gab er dann im örtlichen Wirtshaus ab, wo sie ihm kostenlos zubereitet wurden.

"Setz de hi und iss!"

Die tägliche Strecke, die er als Hilfsbote zu Fuß oder per Rad zurücklegen musste, mit einer Posttasche über der Schulter, schwankte zwischen vier und zehn Kilometern. Um die Mittagszeit kam er dabei auch zum Anwesen des Bürgermeisters von Tremmersdorf. Dort erwartete ihn eine Überraschung. Die Gattin des Gemeindechefs forderte ihn auf: "Dou setz de hi und iss!" Als der kleine Andreas nicht gleich reagierte, fügt die resolute Frau noch hinzu: "Es is scho allawal so gwen, dass da Postbot bei uns Mittoch gessn hot!" Das blieb dann auch so während Peters Einsatz in dieser Gemeinde. Eine zweite Überraschung erwartete ihn in Speinshart: Der Prior des Klosters lud ihn regelmäßig zum Kaffeetrinken ein. Ihm musste er dann berichten, was er unterwegs an Neuigkeiten erfahren hatte. Auch sonst war er gerngesehen, denn er brachte das Kinder- und das Milchgeld. Im Gegenzug kassierte er aber auch die Beiträge zur Krankenversicherung.

Der berufliche Werdegang bei der Deutschen Reichspost wurde 1943 durch die Einberufung zum Militär unterbrochen. Andreas Peter war damals gerade mal 15 Jahre alt. In Pilsen wurde er zum Flakhelfer ausgebildet und dann in Prag eingesetzt. Zwischendurch musste er im Winter ein Vierteljahr Reichsarbeitsdienst in Tittling bei Passau ableisten. Dort traf er den Seugaster Hubert Reiser, gerade ein Jahr älter als er selbst und Ausbilder beim Arbeitsdienst. Danach war Peter wieder als Flakhelfer in Mährisch-Ostrau eingesetzt. Dort wurde er dann entlassen und gleich zur schweren motorisierten Artillerie nach Ansbach abkommandiert.

Auf der Flucht

In Ansbach geriet er mit 16 Jahren in amerikanische Gefangenschaft. Mit mehreren Tausend Gefangenen sollte er in einem Fußmarsch nach Stuttgart verlegt werden. Neben ihm marschierte der Soldat Hans Schwab, der aus dem Fränkischen stammte. "Der Gefangenentransport war nicht sehr streng bewacht", erinnert sich Peter, deshalb gelang den beiden die Flucht. Sie versteckten sich im Wald und setzten ihren Weg nur nachts fort. Irgendwann kamen sie in eine Gegend, die der Schwab Hans kannte. Tatsächlich schafften sie es, sich bis in dessen Heimatdorf, nach Weidenbach zwischen Ansbach und Gunzenhausen, durchzuschlagen. Die Bewohner waren sehr hilfsbereit, versorgten Andreas Peter mit ziviler Kleidung und gaben ihm Essen. Außerdem überließen sie ihm ein Fahrrad, das von einer deutschen Einquartierung zurückgeblieben war. Ein Bauer schenkte ihm einen halben Laib Brot und ein Stück Geräuchertes für seinen Heimweg.

Ein tödlicher Schuss

Als er gerade aufbrechen wollte, marschierten die Amerikaner in das Dorf ein. Der hilfreiche Bauer war gerade auf dem Weg in den Stall, um nach dem Vieh zu sehen, da fiel nur ein einziger Schuss aus einer Panzerkanone - und schlug direkt in den Innenhof des Bauernhofes ein. Der Bauer wurde von einem Splitter des Geschosses tödlich getroffen. Andreas Peter war tief erschüttert und blieb noch bis zur Beerdigung. Nach drei Tagen machte er sich mit dem Fahrrad und zu Fuß auf den Heimweg.

Irgendwann stand er vor den Toren Nürnbergs. Er durchquerte die zerbombte Stadt, in der chaotische Zustände herrschten. Peter wusste nicht, wie er den Weg nach Hause finden sollte. Also ging er einfach immer weiter nach Osten. Am 6. Mai 1945 kam er endlich an und traf auf deutsche Offiziere, die hier einquartiert waren. Er befürchtete das Schlimmste. Aber sie behandelten ihn sehr gut. Zwei Tage später war der Krieg zu Ende. Andreas Peter war damals 16 Jahre alt. In späteren Jahren hat er nach seinem damaligen Kumpel Hans Schwab gesucht, ihn aber zu seinem Bedauern nicht mehr ausfindig machen können.

Andreas Peter an seinem 90. Geburtstag in Weickenricht.

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