25.01.2021 - 08:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona: Staus bei Erste-Hilfe-Kursen und Fahrunterricht

Für betriebliche Ersthelfer und Fahrschüler sind Erste-Hilfe-Kurse ein Muss. Corona aber macht Maltesern und Fahrlehrern einen Strich durch die Rechnung. Kompletter Stillstand herrscht trotzdem nicht.

Die Malteser haben 2020 ihre Ausbildungskurse mit verringerter Teilnehmerzahl und unter Hygienevorschriften abgehalten. Kurse werden derzeit aber nicht angeboten.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Viele müssen den Erste-Hilfe-Kurs mindestens einmal in ihrem Leben absolvieren. Zum Beispiel als betrieblicher Ersthelfer oder als Fahrschüler. Und nun warten Hunderte Menschen darauf, so einen Lehrgang überhaupt machen zu können, zumindest bei einer Einrichtung in Weiden. Der Grund – na klar: Corona.

Im Sommer und Herbst 2020 gab es Kurse bei den Maltesern. Seit etwa Mitte Dezember steht wieder alles still, wie schon im Frühjahr 2020, sagt Anke Bösl, Leiterin Ausbildung beim Malteser-Hilfsdienst Weiden. Das Haupteinzugsgebiet umfasst Weiden und den Landkreis.

Andere Regeln für Bundesverband

Der BRK-Kreisverband Weiden hingegen bietet auch derzeit Erste-Hilfe-Kurse an, wie Christian Putzer, Ausbildungsleiter für den Rettungsdienst, informiert. Die Anmeldung erfolgt online. Aber warum ist das so? Für die Malteser als Bundesverband gelten die bundesweiten Regeln, erklärt Bösl. Das BRK hingegen orientiere sich an den Regeln der Länder. In Bayern sind Erste-Hilfe-Kurse bei Einhaltung der Corona-Regeln erlaubt. Wann es bei den Maltesern wieder mit dem Unterricht losgeht, kann Bösl nicht beantworten.

Mehr als 300 Menschen hätten eigentlich schon längst ihre Erste-Hilfe-Ausbildung machen sollen. Schon im Dezember, so Bösl, sind einige Kurse der Malteser abgesagt worden – von der Teilnehmerseite her. Vor allem Betriebe hätten Termine storniert, um ihre Mitarbeiter vor einer möglichen Infektion zu schützen.

Beatmung nur theoretisch

Bestimmte Teile des Kurses für Pflegeschulungen online anzubieten, darüber denke der Malteserverband bereits nach. Umgesetzt werden könne jedoch nur der Theorieteil, die praktischen Übungen könnten digital nicht vermittelt werden. Für betriebliche Ersthelfer gibt es zudem eigentlich feste Termine, wann ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert sein muss. Die Fristen sind wegen Corona verlängert worden, weiß Bösl.

Beim BRK laufen die Lehrgänge. Putzer erklärt, dass bei praktischen Übungen der Kontakt zu anderen Menschen möglichst reduziert wird und Hygieneregeln gelten. Praktisch werde derzeit nur die Herzdruckmassage geübt. Die Beatmung werde im Theorieteil besprochen. In Kursen gilt FFP2-Masken-Pflicht. Zudem müssen Teilnehmer bestätigen, dass sie keinen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus nachgewiesen wurde, und keine grippeähnlichen Symptome haben.

"Wenn wir wieder loslegen dürfen, könnten wir jeden Tag drei Kurse anbieten", vermutet Bösl. Denn schon im Dezember waren die Januar- und Februarkurse bei den Maltesern komplett ausgebucht. Pro Jahr legen rund 1600 Menschen am Standort Weiden die Erste-Hilfe-Ausbildung ab. 2020 seien es viel weniger gewesen, Bösl schätzt etwa die Hälfte.

Viel los nach Lockdown

In der Warteschlange stehen auch alle, die einen Führerschein machen wollen. "Wir dürfen erst wieder aufmachen, wenn der Lockdown gelockert wird", sagt Günther Weiß, der Vorsitzende des bayerischen Fahrlehrerverbandes für Weiden und den Kreis Neustadt. Viele seiner Fahrschüler mussten Mitte Dezember ihre Ausbildung unterbrechen. Der Unterricht lief ohnehin schon entzerrt. Den Führerschein zu machen, dauere wegen Corona etwa sechs Monate, früher mussten Schüler durchschnittlich drei Monate einplanen.

"Vor Corona haben die Leute innerhalb von 14 Tagen einen Termin für einen Erste-Hilfe-Kurs bekommen", erzählt Fahrlehrer Weiß. Nun müssten sie bis zu eineinhalb Monate darauf warten. Auch Fahrschüler müssen sich gedulden: "Wir haben jetzt schon viele Leute in der Warteschleife."

"Tag hat nur 24 Stunden"

Wenn es wieder mit dem Fahrschulbetrieb losgehen darf, können die Wartenden aber auch nur in Etappen unterrichtet werden. Früher konnten Weiß' Fahrschüler mindestens einmal in der Woche eine Theoriestunde besuchen. Nun ist höchstens Unterricht alle zwei Wochen drin. "Der Tag hat nur 24 Stunden", sagt er. Und ist sich sicher, dass der Andrang in Fahrschulen groß sein wird, wenn es wieder losgeht.

Die Anmeldung für die Fahrprüfung ist übrigens auch ohne Vorlage eines Erste-Hilfe-Ausweises möglich, sagt Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landkreises. An der TÜV-Prüfstelle werde wie üblich die Führerscheinprüfung angemeldet, nur das Führerscheindokument verbleibe bei der Behörde bis zur Vorlage des Erste-Hilfe-Nachweises.

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Hintergrund:

Erste Hilfe leisten – auch in der Coronazeit

Christian Putzer, Ausbildungsleiter Rettungsdienst beim BRK-Kreisverband Weiden-Neustadt, und Anke Bösl vom Malteser Hilfsdienst erklären, wie Erste-Hilfe, auch in der Corona-Pandemie, aussehen kann:

  • Erste Hilfe bedeute, einen Notruf abzusetzen oder einfach nur für den Betroffenen da zu sein
  • Es gelte, „auf Eigenschutz achten“ und „situationsgerecht handeln“
  • "Das, was dem Ersthelfer zugemutet werden kann", solle an einem Unfallort getan werden, sagt Bösl
  • "Mit Maske zu helfen, wäre eine Lösung", meint Bösl - zum Beispiel, wenn ein Mensch offensichtlich körperliche Hilfe braucht

 

 

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