24.06.2020 - 18:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fahrrad-Experte: Singt der Reifen, stimmt der Druck

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Wer mit dem Rad eine Tour plant, sollte sich nicht nur über seine Fitness, sondern auch die seines Gefährts Gedanken machen. Wo der Laie Hand anlegen kann und wo besser der Profi ran sollte, wissen Peter Stadler und Ludwig Russ.

An manche Dinge sollte der Laie besser den Fachmann ran lassen – dazu gehören unter anderem die Bremsen.
von Helmut KunzProfil

„Bevor man das Fahrrad aus dem Keller holt, prüft man es erst einmal auf seine Funktionalität hin.“ Peter Stadler ist Radl-Profi. Seit Jahrzehnten verkauft er als Händler in Amberg Zweiräder. Er kennt jeden Kniff. Stadler weiß, wie man sein Bike fit macht für die erste Tour. Als allererstes kommt bei ihm der Luftdruck auf den Prüfstand: Aufpumpen! „Keine Angst. Hier kann man gar nichts falsch machen. Zu viel Luft gibt es nicht.“ Sein akustisches Rezept: „Ich schnalze mit dem Finger hin, singt der Reifen, stimmt der Druck.“ „Je mehr Luft im Schlauch ist, desto leichter rollt das Radl.“ Oder um das Ganze auf das E-Bike zu übertragen: „Desto größer ist der Radius, den ich fahren kann. Umso mehr macht’s Spaß.“

Lebenswichtige Teile

Als nächstes müssen die Bremsen überprüft werden. „Da sollte der Laie die Finger weg lassen. Bremsen sind lebenswichtige Teile“, warnt Stadlers Weidener Kollege Ludwig Russ von „Radsport Russ“. Natürlich gebe es Spezialisten, denen er diese Arbeit durchaus zutraue. „Denen möchte ich nicht reinreden oder ihnen die Einstellung verbieten. Aber ein Unbedarfter sollte das nicht tun.“ Wer ein E-Bike fährt, sollte auf keinen Fall den Kundendienst verpassen. „Sonst verliert er ja die Garantie.“ Sobald die Bremsen eingestellt sind, rät Stadler, den Schraubenschlüssel zur Hand zu nehmen und alle Schrauben nachzuziehen: Achsmuttern, Lenker, Sattel. „Das kann jeder selber machen“, sagt Stadler. „Jetzt geht’s an die Beleuchtung, die genauso wichtig ist, wie die Bremsen.“ Man müsse beim Rad eben immer zwischen Funktionalität und Sicherheit unterscheiden. „Will jemand einen anderen Zahnkranz, weil er schneller fahren will, ist das Funktionalität. Sind die Bremsbeläge verschlissen, ist das Sicherheit.“

„Wenigstens kontrollieren sollte man die Beleuchtung“, empfiehlt Russ. „Das mache ich ja beim Auto auch. Da kann ich die Lampen allerdings nicht mehr selber wechseln.“ Wer sich die Montage an der Beleuchtung seines Fahrrads zutraue, wer mit der Technik zurechtkomme, der könne natürlich selber schrauben. „Wer nicht, muss zum Fachmann.“

Ludwig Russ warnt: „Ein Unbedarfter sollte nicht selbst die Bremsen reparieren.“

Rad muss glänzen

„Funktionieren also Reifendruck, Bremsen und Licht, kann ich mich getrost zurücklehnen. Jetzt stimmt mein Rad“, sagt Stadler. Aber: „Ein Rad will auch gepflegt sein. Stichwort: Es muss glänzen.“ Wer möchte auch schon bei der ersten Fahrt auf einem verrosteten oder verstaubten Drahtesel sitzen? Beim Radfahren spiele Freude mit. Da gehöre Liebe dazu. „Putzen und saubermachen kann jeder selber“, glaubt auch Russ. „Es gibt im Fachhandel eine Reihe von Pflege- und Reinigungssprays gegen Rost, Schmutz und Staub.“ Ganz wichtig: „Auch die Kette muss entrostet werden. Mit Kettenöl und Spray.“

Speichen prüfen

Ist das Profil abgefahren, sollte man sich schleunigst einen neuen Mantel zulegen, empfiehlt Peter Stadler.

Die Kette nachzuspannen erübrige sich. Bei einer Kettenschaltung stelle sich die Spannung automatisch ein, erklärt Stadler. Die Speichen hingegen müssten überprüft werden. Am besten nach Gehör. Ein Fahrrad-Check verlaufe sowohl optisch wie auch akustisch. „Ich halte ein kleines Holzstück an die Speichen, während ich den Reifen drehe.“ Ein heller Ton zwischendurch, lasse erkennen, dass wenigstens eine Speiche locker sei. „Speichen festzuziehen oder die Felge zu zentrieren, sollte man besser dem Fachmann überlassen. Denn eine Radltour sollte ja Spaß machen.“ Gebe man sein Radl in eine Werkstatt würden meist Schläuche, Mäntel und Speichen ausgetauscht.

Alles, was der Profi dem Laien an Vorsorge auferlegt, übernimmt natürlich auch der Fachmann. „Der ist auch zuständig für vom Kunden gewünschte Änderungen, wie andere Lenker, Sättel, schmälere oder breitete Reifen oder solche mit mehr Profil.“ Apropos Sattelhöhe: „Viele sind der Meinung, dass sie auf dem Sattel sitzend den Boden mit den Füßen berühren zu müssen.“ Dies sei eine Unsitte und falsch. „So einer bekommt von mir die Note 6, wegen Themaverfehlung“, so Stadler. Richtig sei: „Man soll mit den Füßen, auf dem Sattel sitzend, zum Treten aufs Pedal hinunter kommen.“ Der Radler trete sonst verkehrt, weil er das Knie zu stark abwinkle und gesundheitliche Schäden bekäme.

Zwei Kilometer um die Häuser

Wer unbeschwert in die Fahrrad-Saison starten will, dem legt Stadler ans Herz, bereits im Oktober sein Fahrrad grob auf eventuelle Schäden hin unter die Lupe zu nehmen. „Wenn ich mein Rad zum Überwintern in den Keller bringe, überprüfe ich, ob Profilbeschaffenheit, Licht und Bremse passen.“ Bevor man zur großen Reise aufbreche, sei zunächst einmal ein Kurztrip zu empfehlen. „Vielleicht zwei Kilometer um die Häuser, um zu testen, ob auch alles in Ordnung ist.“

Bei längeren Touren mahnt Russ zu Vorsicht. Wer mit seinem Fahrrad unterwegs sei, sollte für den Fall der Fälle auch Luftpumpe und Montage-Set dabei haben: Kombizange, Sechskantsternschlüssel, Reifenheber, Flickzeug oder besser noch einen Ersatzschlauch. „Hab ich Schnellspanner, brauche ich weniger Werkzeug. Dann geht alles ruckzuck. Aber nur wenn man’s kann.“ Springt während der Fahrt die Kette aus, „muss ich sie wieder einlegen. Wenn das Rad regelmäßig gewartet wird, passiert das nicht.“

Wer mit dem Fahrrad die Natur genießen will, sollte die nötigen Vorkehrungen treffen.

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