19.07.2020 - 14:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Grünen-Bundestags-Verkehrsexperte ausgebremst

Das Repair-Café der Grünen im Max-Reger-Park stößt auf große Resonanz. Die Polizei begleitet MdB Stefan Schmidt auf der Suche nach dem Weidener Radwegenetz. Und es gibt aber auch kritische Anmerkungen.

Auch MdB Stefan Schmidt (Mitte) macht sich die Finger an kaputten Radln schmutzig. Luftaufpumpen traut sich der Grünen-Verkehrsexperte gerade noch zu. Kurz vorher war der Regensburger während einer Demo-Tour durch Weiden von einer Polizeistreife ausgebremst worden.
von Helmut KunzProfil

Ausgerechnet den Verkehrsexperten der Grünen im Bundestag, Stefan Schmidt, stoppt am Samstag zunächst eine Polizeistreife, als er in Höhe Bahnhof mit seinem Radl daherkommt. Der Bundestagsabgeordnete ist um 11.35 Uhr mit einer - laut eigenen Angaben - 35-köpfigen Gruppe aus Parteifreunden, Sympathisanten und "Fridays for Future"-Aktivsten vom Pavillon im Max-Reger-Park aus zu einer halbstündigen Demo-Runde durch die Weidener Innenstadt aufgebrochen.

Gemeinsam will man die Fahrradinfrastruktur in Weiden bewerten. Ihr Pech ist allerdings, dass einige aus der Gruppe Fahnen mit sich führen, was einer Streife auffällt. Auf Nachfrage der Beamten stellt sich dann heraus, dass die Grünen zwar einen mobilen Stand im Stadtpark angemeldet haben, nicht aber diese mobile Aktion. Die Polizei zeigt allerdings Herz, erledigt die Angelegenheit unbürokratisch und gewährt die Radltour spontan. Zudem werden die Radfahrer fortan ganz offiziell mit Blaulicht durch die Stadt begleitet.

Radl reparieren

Hat das Fahrrad einen Platten? Macht es komische Geräusche? Bremst es nicht mehr richtig? Mit ihrem Repair-Café wollten die Grünen mit Tipps und handwerklichem Know-how Radlern unter die Arme greifen. Kurzerhand hatte man eine komplette Schnellwerkstätte eingerichtet. Vier Stunden lang wurde kostenlos geschraubt, beraten und bedient. MdB Schmidt, in Regensburg nur mit dem Fahrrad unterwegs, traut es sich zu, nicht nur sein Radl aufzupumpen, sondern auch den Schlauch zu flicken. Allerdings: "Gerade noch. Denn dann hört es auch schon auf." Bis Mittag nahmen mehr als 20 Radler die Grünen-Dienste in Anspruch. "Wir hatten bisher über 100 Besucher, die sich für unseren Stand interessierten", sagte Günter Stalinski.

Mehr Rechte für Radler

Immer ging es aber auch darum, die Leute zu sensibilisieren, aus der Max-Reger-Stadt eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Kommune zu machen. Schmidt informierte über die durch die Novelle der Straßenverkehrsordnung deutlich ausgeweiteten Rechte von Radfahrern. "Wir wollen zeigen, dass Fahrradfahren Spaß machen kann", so Andreas Gmeiner, der selber seit Jahrzehnten passionierter Fahrradfahrer ist und der sich schon den einen oder anderen Reparaturkniff zutraut. "Fahrradfahren bringt auch das Stadtklima voran und ist gut für die Gesundheit."

"Die Leute können zu uns kommen und wir überprüfen ihre Räder, füllen Luft nach, überprüfen das Öl, stellen Bremsen und Schaltungen ein. Wir kümmern uns um den Kleinkram, den sonst keiner macht." Oft fehle es am richtigen Werkzeug. Meist an der Lust. "Hingegen wollen wir, dass sich die Leute wieder auf ihr Fahrrad schwingen. Schon des Klimas wegen." Ferner informiere man über Rechte und Pflichten der Radlfahrer.

"Die Grünen haben sich verjüngt. Wir versuchen, mit solchen Aktionen häufiger mit den Bürgern in Kontakt zu kommen", erklärte Stephan Korb. Das Ganze laufe unter dem Thema "Grüner Zukunftsdialog." In monatlichen Abständen wolle man ähnliche Modelle anbieten. Wie Gmeiner erklärte, versuche man vor allem Repaturwerkstätten zu entlasten, die ja ohnehin keine Termine frei hätten oder nur Stammkunden bedienten. SPD-Stadtrat Matthias Loew betrachtete die "Umsonst-Aktion" kritisch, die nicht unbedingt die Sicherheit der Räder erhöhe, aber Arbeitsplätze in den Fahrradreparaturwerkstätten gefährde.

Mit Blaulicht wurden MdB Stefan Schmidt und seine Demonstranten in den Max-Reger-Park zurückbegleitet.
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Kommentare

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Andreas Gmeiner

Made my day. Also da finde ich die Aussagen von Herr Loew schon sehr interessant und sie zeigen, dass er vermutlich nicht so viel mit Fahrädern zu tun hat. Würde auch erklären warum die Weidener Fahrrad-Infrastruktur so desolat ist wenn noch weitere Mitglieder unserer Mehrheitsparteien im Stadtrat mit solcher Fahrrad-Kompetenz aufwarten. Nein Moment, es geht ja um Arbeitsplätze und Verkehrssicherheit! (lol). Ob nun durch einen aufgepumpten Reifen, oder durch Öl auf der Kette die Verkehrssicherheit erhöht wird oder nicht sei mal dahingestellt, das Rad fährt aber auf alle Fälle besser. Aber ob die Bremsen die wieder funktionieren, das Licht das wieder leuchtet ist definitv besser als die gleiche Person ohne die Mini-Reparatur rumfahren zu lassen, und bei wirklich sicherheitsrelevanten Themen haben wir natürlich die Leute auch zur Fachwerkstatt weitergeschickt.

Und offensichtlich hat Herr Loew auch noch nicht versucht sein Fahrrad (sofern er eins besitzt) im Sommer zur Reparatur zu bringen. Erst vor kurzem wurde ich (als ich eine komplettes Bremssystem austauschen lassen musste) von drei Fahrradwerkstätten weitergeschickt, die meinten, dass sie entweder nur Fahrräder reparieren die bei Ihnen gekauft wurden, oder so viele Aufträge haben, dass es frühestens in drei bis vier Wochen fertig ist, was natürlich bei einem Fahrrad, dass das einzige Verkehrsmittel ist, dass man nutzt nicht unbedingt optimal ist. Und jetzt B90/DIE GRÜNEN in Anbetracht dessen als böse Arbeitsplatzvernichter hinzustellen die mit einer einmaligen Aktion im Sommer bei der wir Leuten bei Reparaturn helfen die die meisten selber daheim machen können die ist leider nur eins: Typisch SPD ;-) Danke für den Einblick :-D

20.07.2020