12.12.2018 - 00:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Imbiss am ZOB: Held der Bratwürste

Der Glühwein verkauft sich noch nicht recht und die staade Zeit lässt im Imbiss am ZOB auf sich warten. Sie beginnt dort erst nach Weihnachten. Bis dahin jonglieren Dieter Held und sein Team im Akkord Würste, süße Teilchen und Kfz-Schilder.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Die staade Zeit liegt bei uns zwischen Januar und März", erzählt Inhaber Dieter Held. Zwar gebe es Glühwein im Imbiss und Plätzchen sowie Lebkuchen im Brotkistl nebenan, doch zur Weihnachtszeit ist es nicht weniger stressig als sonst. "Wir müssen immer die Geschwindigkeit halten. Im Mittagsgeschäft ist das schon ein extremer Druck: Da wollen viele Kunden in äußerst kurzer Zeit ihre Bestellungen." Diese Herausforderung stemmt sein Team seit 30 Jahren.

Ehefrau Ilona Held gehört seit fast 14 Jahren zum Team. Hinzu kommen drei weitere Angestellte, darunter eine Schwägerin von Dieter Held. Als Imbiss-Betreiber waren schon seine Eltern aktiv, vor fast 40 Jahren. "Das war noch vor dem Ankerdurchbruch. Verkauft haben sie anfangs aus einem Bratwurstwagen heraus." Den Imbiss am ZOB, so wie er jetzt ist, gibt es seit 22 Jahren.

"Bratwurst-Semmel geht immer"

"Gleich essen oder einpacken?" Diese Frage richten Dieter Held und seine Mitarbeiterinnen immer wieder an Angestellte aus den umliegenden Firmen, Bankangestellte, Ärzte und ihre Mitarbeiter, Schüler, Bedienstete des Rathauses, Pendler. 80 Prozent der Kunden sind Stammkunden, schätzt der 51-Jährige. Ab 9.30 Uhr holen sich die ersten Busfahrer ihre Brotzeit. Schon um diese Uhrzeit riecht es im Imbiss nach Burgern, Würstchen und Fett. Die Lüftung kann im Winter nicht laufen. Sie saugt die kalte Luft von draußen dermaßen stark durch das kleine Verkaufsfenster herein, dass es im Imbiss nicht auszuhalten ist. "Lieber erstunken als erfroren", kommentiert Dieter Held das.

18 Jahre lang sei der Imbiss immer offen gewesen. "Seit drei Jahren machen wir im August die ersten zwei bis drei Wochen Betriebsurlaub." Aber ganz zu ist eigentlich nie, denn das Brotkistl bleibt wegen der Kfz-Schilder offen. "Es gibt immer eine Anlaufstelle am ZOB", so Held. Er bekommt dadurch schnell mit, was die Weidener beschäftigt. Unbehelligt durch die Fußgängerzone zu gehen, ist für ihn so gut wie unmöglich. Selbst im Ausland ist er schon erkannt worden. "1989 hat mich jemand aus Floß in einer Disko in der Dominikanischen Republik angesprochen, der mich vom Imbiss kannte. Und auch auf Rhodos bin ich mal an einem wenig frequentierten Strand angesprochen worden: ,Du hast doch einen Bratwurststand in Weiden!'"

Täglich ins Fitnesscenter

Um kurz nach 11 Uhr beginnt das Mittagsgeschäft. Im Winter gibt's Deftigeres wie Schaschlik ("Allein das Zubereiten von Schaschlik dauert mehrere Stunden"), Gulasch oder Gyros, Nudeln mit selbstgemachter Soße, im Sommer stattdessen Salate oder Gegrilltes. Dauerbrenner sind Bratwurst-Semmeln: "Eine Bratwurst-Semmel geht immer", sind sich Dieter Held und seine Frau Ilona einig. Auch Currywurst und Burger sind gefragt. Nebenan im Brotkistl verkaufen Held und sein Team dank der Kooperation mit einem Weidener Bäcker zur Weihnachtszeit Gebäck, Lebkuchen und Stollen.

Dabei ist Dieter Held nicht nur Bratwurst- und Backwaren-, sondern auch Schilder-Held. Unter diesem Namen stellt er in einem kleinen Hinterraum Kennzeichen her. Und eilt zwischen Currywürsten, Nussecken und Nummernschildern rüber zur Zulassungsstelle im Rathaus. "Für die Kunden, die keine Zeit haben, selbst hinzugehen." Trotzdem nimmt er sich auch für den ein oder anderen Plausch mit Stammkunden gerne Zeit. Klingt nach einem Tag, an dem man abends platt auf die Couch fällt. Dieter Held grinst: "Ich gehe jeden Tag abends noch ins Fitnesscenter."

"Weihnachtsstimmung kommt bei uns erst kurz vor dem Fest auf", weiß Ilona Held aus Erfahrung. Das sei auch dieses Jahr so. Daheim in Bechtsrieth gibt's an Heiligabend Bratwürste mit Kraut.

Info:

Achteinhalb Jahre hat Dieter Held zusätzlich zum Imbiss das „Salute“ betrieben. „Wir haben einen der bekanntesten Musikclubs Nordbayerns aufgebaut. Ich habe mich damals gefragt: Kannst du mehr als Bratwürste drehen? Das war eine schöne Zeit. Aber ohne die Unterstützung meiner Frau hätte das nicht funktioniert.“ Heute engagiert sich Held organisatorisch für die Rockbühne auf dem Bürgerfest, wo er außerdem einen Hähnchenstand hat.

Info:

"Macht auf die Tür": So heißt der Adventskalender unserer Zeitung. Bis zum 24. Dezember öffnen wir in dieser Serie täglich jemands Tür und sehen, wie er oder sie sich auf das Weihnachtsfest einstimmt.

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