24.05.2019 - 15:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

So misst die Polizei den Abstand auf Autobahnen

Ein Mal pro Woche kracht es im Schnitt auf den Autobahnen 6 und 93, weil Autofahrer den Sicherheitsabstand nicht einhalten. Eine weitere Haupt-Unfallursache ist Raserei. Georg Fritsch spricht von einer "enormen Steigerung" dieser Verstöße.

Vier Monitore zeigen die Live-Bilder, die zwei Kameras von der Pirker Brücke über der A 93 sowie eine dritte Kamera direkt an der Fahrbahn aufnehmen. Georg Fritsch, Leiter der technischen Verkehrsüberwachung bei der Weidener Verkehrspolizei, kündigt verstärkte Messungen von Sicherheitsabstand und Tempo an.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Der Leiter der technischen Verkehrsüberwachung bei der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Weiden kündigt eine verstärkte Überwachung dieser zwei häufigsten Unfallursachen auf den rund 80 Streckenkilometern, die die VPI auf den Autobahnen betreut. Viele Autofahrer unterschätzen ihm zufolge ihre Geschwindigkeit und überschätzen den Abstand zum voranfahrenden Fahrzeug. "Man glaubt manchmal gar nicht, wie knapp das ist", so Fritsch. "Und dann haben wir natürlich auch die typischen Drängler, die über ihre eigene Fähigkeit hinaus ein Fahrzeug führen", ergänzt VPI-Leiter Werner Ochantel. "Der Abstand hängt immer mit der Geschwindigkeit zusammen. Und wenn das Tempo auf der Autobahn nicht passt, hat ein Unfall meist schwere Folgen." Selbst ein "banaler Auffahrer" sei höchst gefährlich. Außerdem gebe es oft Folgeunfälle

"Wenn man sich an die Regel ,Halber Tacho' hält, macht man grundsätzlich alles richtig", so Ochantel. Fährt man also beispielsweise mit 140 km/h, sollte man mindestens 70 Meter Sicherheitsabstand halten. Orientieren können Autofahrer sich an den schwarz-weißen Pfosten am Straßenrand, die im Abstand von 50 Metern aufgestellt sind.

Messung und Auswertung

Die Polizei verlässt sich bei der Beweissicherung auf den Autobahnen auf das hochmoderne Gerät VKS 3.0. Dabei ist das Messen und Auswerten von Abstandsverstößen aufwendiger, als man sich das als Laie vorstellt:

  • Für die Messung werden an einer Autobahnbrücke drei Kameras installiert. Die VPI Weiden nutzt Brücken in Wiesau, Pirk und zwischen den Ausfahrten Weiden-Nord und Weiden-West. Zwei davon stehen auf der Brücke, eine wird mit einem Drahtseil herabgelassen und dockt sich mit einem Magneten direkt an die Leitplanke in der Autobahnmitte an. Die Kameras filmen über die gesamte Messdauer.
  • Die Kameras haben einen Bereich von rund 300 Metern Länge im Blick. Gemessen wird aber nur in dem Feld, das auf der Fahrbahn durch kleine Markierungen begrenzt ist. Diese Markierungen helfen bei der späteren Auswertung.
  • An der Brücke steht ein Fahrzeug der VPI. Die Bilder der Kameras werden über Kabel auf vier Monitore im Auto übertragen und von einem Beamten beobachtet. Die Technik sortiert kritische Fälle vor.
  • Im Büro wertet ein Beamter diese Fälle aus. Dafür legt er bei jedem Fall am Computer Messpunkte auf die Fahrbahnmarkierungen, um den Bereich einzumessen. Dann stoppt er das Video an zwei Stellen mit den Autos innerhalb der Markierung und legt Messbalken an die Vorderräder der Autos.
  • Die Software wertet das Tempo und die zwei gemessenen Abstände aus. Km/h-Toleranz und die Fahrzeuglänge des vorausfahrenden Autos werden abgezogen. Der für die Auswertung relevante Abstand ist der für den Autofahrer günstigere, also größere.
  • Uneindeutige Fälle (wenn der Vordermann abgebremst hat oder kurz vor dem Hintermann erst auf die Fahrbahn eingeschert ist) sortiert Georg Fritsch aus. Ebenso Fälle, bei denen man Kennzeichen oder Fahrer nicht erkennen kann. "Ich nehme nur 100 Prozent eindeutige Fälle", betont er.
  • Misst der Beamte einen Verstoß, trägt er weitere Falldaten ein: Kennzeichen, Geschlecht und Altersgruppe des Autofahrers, Geschwindigkeit, Abstand. Vorschriftsmäßig muss ein zweiter Beamter später noch einmal alle Fälle prüfen und bestätigen.
  • Für eine Messung über mehrere Stunden, wie sie normalerweise durchgeführt wird, braucht es viele weitere Stunden Auswertung, wenn alles vorschriftsmäßig läuft. Die Auswertung führen die Beamten in Weiden vorläufig bis zum 30. September im Rahmen eines Pilotprojekts selbst durch.
Zwei hochwertige Kameras dieses Typs VKS 3.0 stehen auf der Pirker Brücke über der A 93 und überwachen den Verkehr. Ihre Bilder werden über Kabel direkt ins das Fahrzeug der Verkehrspolizei gesendet, das etwas versteckt neben der Brücke parkt.
Eine weitere Kamera ist per Magnet auf der Leitplanke direkt an der Fahrbahn befestigt. Sie wird beim Aufbau von der Brücke aus herabgelassen.
Die Kabel, die an die Kameras angeschlossen sind, führen direkt ins Fahrzeuginnere. Dort werden die Bilder auf vier Monitore übertragen, die von einem Polizeibeamten permanent kontrolliert werden müssen.

"Es geht nicht ums Geld"

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