18.04.2019 - 10:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stipendium für Migrantin

Mermer Mammedrehimli ist erst seit sechs Jahren in Deutschland und gehört zu den besten Schülern des Kepler-Gymnasiums. Für ihre Leistungen hat die 16-Jährige aus Aserbaidschan ein Stipendium erhalten: Es soll ihr das Abitur ermöglichen.

Mermer Mammedrehimli darf bei der Verleihung des Stipendiums in der Allerheiligenhofkirche vor 260 Gästen am Klavier vorspielen.

Mit schweren Beinen steigt Mermer Mammedrehimli auf die Bühne zum Klavier. Die Allerheiligenhofkirche in München ist prall gefüllt, 260 Menschen verfolgen jeden ihrer Schritte. "Jetzt nur nicht stolpern", denkt die 16-Jährige mit einem mulmigen Gefühl im Magen, "nur nicht verspielen." Das Mädchen aus Weiden darf das Stück "River flows in you" des Künstlers Yiruma aus Südkorea vorspielen. Nicht ohne Grund: Sie erhält von Kultusminister Michael Piazolo für ihre schulischen Leistungen eines von 50 "Talent im Land"-Stipendien des Kultusministeriums und der Robert-Bosch-Stiftung für besonders begabte Jugendliche, die aufgrund ihrer Biografie besondere Herausforderungen zu meistern haben.

Mammedrehimlis Vater war Journalist in Aserbaidschan. "Er hatte in einem Bericht die Regierung kritisiert und wurde deshalb politisch verfolgt." Darum floh er mit Frau, Tochter und seinen drei Söhnen 2013 nach Deutschland. Nach der Unterbringung in einer Flüchtlingsunterkunft in Zirndorf, landete die Familie in einem Anwesen nahe Freihung. Dort besuchte Mammedrehimli die Luitpold-Mittelschule in Amberg: "Ich war dort in einer speziellen Klasse für Ausländer. Wir machten aber den selben Stoff wie andere Klassen."

Deutschland gefiel Mammedrehimli von Anfang an gut. Schon in ihrer Heimatstadt Şəki war sie eine gute Schülerin gewesen, und so hatte sie von Anfang an ein Ziel: Gute Noten schreiben, damit sie eine Zukunft in Deutschland hat. 2016 zog die Familie nach Weiden, und sie wechselte ans Kepler-Gymnasium.

Dort gehört die Aserbaidschanerin zu den besten Schülern. Sie ist gut integriert, hat einen Schnitt von 1,8, spielt Klavier, spricht ausgezeichnet Deutsch, versucht sich in der Schule und privat in Spanisch, Russisch, Koreanisch sowie Türkisch. 2017 erhält ihre Familie einen dauerhaften Aufenthaltstitel. Ihre Lehrer ermutigen sie, sich für ein Stipendium zu bewerben.

In einem Bewerbungsverfahren wird die jetzige Zehntklässlerin unter 230 Schülern als eine der 50 engagiertesten und begabtesten Jugendlichen ausgewählt. Dank des Stipendium gibt es einen monatlichen Zuschuss von 100 Euro. "Damit ich die Förderung weiter bis zum Abitur bekomme, muss ich regelmäßig meine Noten angeben und wofür ich das Geld verwendet habe," informiert die Schülerin. Das Programm richtet sich vorrangig an Kinder mit Migrationshintergrund. Wichtiger als das Geld ist für Mammedrehimli der Austausch mit Gleichgesinnten. Dafür soll es regelmäßige Treffen geben.

Mammedrehimli hat genaue Pläne für die Zukunft: "Mir gefallen Biologie und Chemie sehr gut. Darum möchte ich nach dem Abitur Medizin studieren." Eine dauerhafte Rückkehr nach Aserbaidschan schließt sie aus, auch wenn sie dort noch Familie hat: "Meine Heimat ist Deutschland."

Kultusminister Michael Piazolo überreicht Mermer Mammedrehimli (Dritter von links) persönlich die Stipendiumsurkunde.
Die Schulleitung mit Direktorin Sigrid Bloch (rechts) und Johannes Wagner beglückwünscht Mermer Mammedrehimli zu ihrem Stipendium.

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