24.02.2019 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Stromtrasse: 400 Bürger begehren auf

„Solang noch kein Bagger rollt, können wir die unnötigen Stromtrasse verhindern." So hieß es bei der Ortsbegehung. Andernfalls gingen Tausende Hektar Wald verloren. Die einhellige Meinung: Viele Einsprüche und Politiker könnten helfen.

Großer Andrang CSU-Ortsbegehung und Medieninteresse: Großer Andrang am Ende des Hopfenwegs zur Begehung der geplanten Erdverkabelung, auch ein BR-Fernsehteam war vor Ort. Bild: Dobmeier
von Autor rdoProfil

Wenn die Stromtrasse kommt, werde der Klimaschutz am Fischerberg zerschnitten und durch die Verdichtungen der Bodenformation des „Rotliegenden“ eine Schneise von über 50 Meter Breite als Todesstreifen bleiben. Das sagte Landwirt Alois Lukas aus Tröglersricht bei der Ortsbegehung zum geplanten Verlauf der Hochspannungs-Gleichstromleitung am Fischerberg. Der CSU-Ortsverband Weiden-Ost hatte dazu geladen. Etwa 400 Bürger sind gekommen, darunter auch Mitglieder der BI „Weiden gegen die Stromtrassen“ und der BI „Neustadt gegen die Trassen – für eine dezentrale Energiewende“ sowie Filmteams wie das des Bayerischen Rundfunks.

Sie alle begrüßte Ortsverbands-Chef und Stadtrat Hans Forster. Dann legte er los: Wertvollstes Naherholungsgebiet und Natur werde durch die Trasse vernichtet und die gesundheitlichen Folgen der Erdverkabelung seien unerforscht. Das beunruhigt etwa auch den Träger des Waldkindergartens, Learning Campus, mit aktuell 40 Kindern in zwei Gruppen. Geschäftsführer Benjamin Zeitler war gekommen, um sich zu informieren.

Stadtrat Alois Lukas schildert den Gästen unterhalb des „steinernen Tisches“ den geplanten Trassenverlauf herkommend von Störnstein, Görnitz, Edeldorf über den hinteren Stall das Staatsgut Almesbach ins Schierchendorf weiter fast bis zum Zollhaus Richtung Bechtsrieth. "Es ist Irrsinn, wenn im geschützten Landschaftsbestandteil in einer Breite von bis zu 60 Metern Schierchendorf der Wald abgeholzt werde. Es handelt sich dabei um eine echte Rodung, auf der kein Baum und Strauch mehr wachsen darf, die Wasseradern versiegen und nur noch Gas darf wachsen."

"Die HGÜ-Stromleitung ist wie eine Autobahn ohne Abfahrt", erläuterte Grünen-Stadtrat Karl Bärnklau in der anschließenden Aussprache in der „Almhütte“. Die Energiepolitik in München liege total. Bärnklau plädierte für eine dezentrale Energieversorgung und rief zu vielen Einsprüchen auf. CSU-Stadtrat und „Butterhof“-Besitzer Heiner Vierling sieht viel Natur zerstört, ein Drittel seines Grundes werde niedergewalzt: "Wir müssen die Abgeordneten dazu bringen, mit uns zu kämpfen."

„Wo sind die CSU-Mandatsträger, wenn die Hütte zu Hause brennt?“, fragte Alois Frank, als Forster die Abgeordneten entschuldigte. „Wir wollen die Trasse nicht“, sagte Kreisvorsitzender Hans Babl vom Bund Naturschutz. Landtagsabgeordneter Tobias Gotthardt von den Freien Wählern forderte einen parteiübergreifenden und regionalen Zusammenschluss, auch der Bürgermeister, um die „Dinosauriertrasse“ mit Planungen aus dem Jahr 2012 zu korrigieren, die kein Mensch mehr brauche. Für eine Verbandsklage sei der OWV Hauptverein zu klein, lediglich der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz könnten hier einschreiten um Tausende Quadratmeter an Wald zu retten. Diese Trasse brauche es gar nicht, sie transportiere Kohlestrom aus der Lausitz und Atomstrom aus Polen, sagte die BN-Ortsvorsitzende Sonja Schuhmacher. "Wir wollen dezentrale erneuerbare Energien vor Ort und brauchen diese Leitungen nicht."

Als Sprecher der BI Neustadt gegen die Stromtrassen sagte Josef Langgärtner, ob vor der eigenen Haustür oder im Nachbarbezirk, die Stromautobahnen verhinderten die dezentrale Energieversorgung. Es gebe keine rechtliche Grundlage für den Bedarf. Welcher Windstrom solle von Norddeutschland nach Süden transportiert werden, fragte Langgärtner, wenn 2030 der Strom für Norddeutschland gerade noch ausreiche. Eine Trasse entlang der Autobahn A 93 komme für den Netzbetreiber nicht in Betracht. Eine Bündelung an der A 93 berge Konflikte mit großen Siedlungsgebieten in Weiden, dem Wasserschutz, von FFH-Gebieten und technischen Problemen bei der Querung der Naab. Diese großräumigen Hindernisse würden ein häufiges Verlassen der Bündelung und zu einer erheblichen Verlängerung führen.

Zerstörung der Natur und höhere Strompreise für Verbraucher mit fürstlichen neun Prozent Eigenkapitalrendite für den Übertragungsnetzbetreiber seien die Folgen. Die Forderung der BI an die Politiker: „Erstellt endlich einen Masterplan für die Energiewende, in dem die Bürger die erste Rolle spielen und nicht die Netzbetreiber.“

Das tatsächlihe Ausmaß der Erdverkabelung mit 50 Metern Breite zeigte die BI Weiden gegen die Stromtrassen den Teilnehmern bei der Trassenbegehung.
Alois Lukas erläuterte den vielen Teilnehmern den Trassenverlauf unterhalb des steinernen Tisches Richtung Zollhaus am Fuße des Fischerberges.
Alois Frank (links) und Josef Langgärtner stellen ein Mahnkreuz auf, es kommt erst weg, wenn die Trasse nicht kommt.
Großes Interesse gab es am CSU-Bürgergespräch in Weiden-Ost zu den Stromtrassen in der Almhütte zu dem Alois Lukas (am Mikrofon) den Trassenverlauf erläuterte.
Hintergrund:

Einwendungen gegen die Stromtrasse: So geht's

Jeder Bürger kann Einwendungen bis 12. April 2019 geltend machen. Schriftlich geht das an die Bundesnetzagentur, Referat 803, Postfach 8001, 531905 Bonn, Betreff Vorhaben 5, Abschnitt C oder als Niederschrift bei der Auslegerstelle der Stadt Weiden oder auch über das Internet unter der Adresse www.newgegendietrasse.de.

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Kommentare

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Joachim Schmidt

Besonders erwähnenswert und wichtig finde ich, was die Arbeit der ehrenamtlichen Video-Reporter betrifft. Denn diese stiften unheimlich gute transparenz, wenn sie die ganze Veranstaltung filmen und auf Videoportale veröffentlichen, so wird einerseits dokumentiert, dass Einwände auf den Tisch lagen und welche Argumente welcher Redner hatte, aber andererseits, und dies kann nicht überschätzt werden,
es werden ALLE Argumente nochmals hörbar und nicht nur die kurzen Medien-Schnippsel in den großen TV Stationen:

Das Argument von Tobias Gotthardt, der auf vielen Demonstrationen und Infoabenden auftritt, wird medial fast immer vollständig ausgeblendet, nämlich dass wir in Deutschland für den Ausbau eines Transeuropäischen Energienetzes zahlen sollen.
Sinngemäß sagt Tobias Gotthardt in der Vergangenheit:

Diese Trasse ist Teil eines transeuropäischen Energienetztes. Die Trasse Endet in Ohui. und in Ohui beginnt eine Transittrasse durch Österreich nach Italien. Darum gehts. Es geht darum Strom aus Norden Europas nach Süden zuschicken, nur sagt das keiner. Denn dann müssen wir auch dazu sagen, dass wir mit unserem Strompreis und einem Preis übrigends von geschätzten 15 Mrd (für die beiden Trassen) einen Transfer eines Stroms von Norden nach Süden bezahlen.

28.02.2019