25.07.2018 - 17:11 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Hüft-OP als Schnellschuss

Mit 43 Jahren bekommt die Windischeschenbacherin eine neue Hüfte. Das war 2015. Drei Jahre und drei Operationen später sieht sie den Arzt, der ihr das neue Gelenk verpasst hat, vor Gericht wieder.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

(ui) Es geht um 25.000 Euro Schmerzensgeld. Außerdem - und das ist den Klägern noch wichtiger - um die Feststellung der Schadenersatzpflicht im Grundsatz. Der juristische Ausdruck bedeutet, dass auch mögliche Folgeschäden wenigstens finanziell aufgefangen würden. Ob da etwas nachkommt und was die Patientin noch erleiden muss, weiß derzeit niemand. Erst zwei Wochen ist es her, dass ein Chirurg wieder einmal das Messer ansetzen musste. In die Zivilkammer des Landgerichts läuft die Frau mit Krücken. Die nächste Reha steht bevor.

Richter Peter Werner sprach am Ende von einem schwierigen medizinischen Bereich. "Gleichwohl wird wohl in dieser Instanz etwas an dem Beklagten hängenbleiben." Eine gütliche Einigung schlossen der Arzt und sein Bayreuther Rechtsanwalt Harry Braunersreuther aus. Sie wollen sich erst zu den Aussagen des Sachverständigen äußern, wenn diese schriftlich vorliegen. Eine Entscheidung kündigte Richter Werner für den September an.

Laut Gutachter war der Einsatz einer neuen Hüfte, die die Patientin bei der ersten Operation bekam, die falsche Behandlung. Außerdem war das Ersatzteil für die Frau zu groß, verursachte Beschwerden, musste ausgetauscht werden.

Angefangen hatte alles mit Schmerzen ein knappes Jahr vor der ersten OP. Etwa vier Jahre zuvor hatte die zweifache Mutter mit dem Joggen begonnnen. Bei der Suche nach den Ursachen der Schmerzen kam das Gespräch auch auf ihren Vater, der zwei neue Hüften hat. Das war im Dezember 2014. Drei Monate darauf, im Februar 2015 liegt die Frau auf dem OP-Tisch in einem kleineren Haus der Kliniken AG Nordoberpfalz. Operateur ist ein externer Kooperationsarzt.

Von einer Arthrose ersten Grades bei der Windischeschenbacherin berichtete Privatdozent Dr. Carsten Englert vor Gericht. Der Gutachter nannte Röntgen und Kernspintomographie den Facharztstandard bei den Voruntersuchungen. Röntgenbilder zeigte er im Gerichtssaal den beiden Anwälten und Richter Peter Werner. Das heißt für ihn, dass man bei diesem Krankheitsstadium zunächst konservativ oder arthroskopisch vorgehe, bevor es zum weit schwereren Eingriff mit Endoprothetik komme. Die sei bei Grad zwei angesagt.

"Man kann Befunde und Patienten nicht vergleichen", meinte der Operateur. Es sei bei der Windischeschenbacherin um Lebensqualität gegangen. Sie sei sportlich, joggte häufig. Der Arzt bestätigt, dass sie bis zu 50 Kilometer pro Woche gerannt sei. Deshalb habe er sich bei ihr für die klinische Variante entschieden. Inhaltlich habe das gepasst, was der Gutachter bis dahin vorgetragen habe.

Der sprach davon, dass er an den Pauspapieren der OP-Planung wichtige Details nicht habe erkennen können. Er habe im Rahmen des Gutachtens selbst eine OP-Planung erstellt. "Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass eine kleinere Pfanne nötig gewesen wäre." Das in der ersten Operation verwendete Ersatzteil sei zu groß gewesen. Das Vorgehen bei der zweiten und dritten Operation in einem anderen Haus der Kliniken AG bezeichnete Englert als nachvollziehbar. Er habe auch kein Problem, wenn der Arzt befragt würde, der diese beiden Operationen durchgeführt habe, meinte der Gutachter. "Das wird nur geschehen, wenn ich Zweifel an Ihrer Aussage habe", stellte Richter Werner klar.

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