27.02.2020 - 10:03 Uhr
WiesauOberpfalz

Die ersten Schritte auf die Bühne

Wer den Traum von der Schauspielerei träumt, muss neben Talent auch Geduld mitbringen. Ist die Ausbildung absolviert, beginnt die Zeit der Vorsprechen. Erfolg und Ruhm sind nie sicher. Christina Baumer aus Wiesau ist ihren Weg gegangen.

Christina Baumer: "Ich musste Hochdeutsch neu lernen. Obwohl ich dachte, dass ich längst Hochdeutsch spreche."
von Ulla Britta BaumerProfil

"Deine Träume haben keine Deadline. Wenn du etwas nicht gleich erreichst, stehe auf und versuche es solange, bis es dir gelingt." Das ist das Lebensmotto der in Wiesau aufgewachsenen Schauspielerin Christina Baumer. Für ihren Traum hat sie auf einen soliden Beruf verzichtet. Leicht war ihr Weg zur Karriere als Fernseh- und Bühnenschauspielerin nicht.

Talent, sagt sie, sei wie überall die Grundlage dafür. Wer in der Schule oder in einer Laienschauspielgruppe von Kindesbeinen an mitwirkt, habe gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz an einer Schauspielschule. Bewerben könne man sich an einer staatlichen Schule mit Abitur, an privaten Schauspielschulen sei auch manchmal Mittlere Reife ausreichend.

Online könne man sich über die geeignete Bildungseinrichtung kundig machen. "Schickt eine Vita, Schulzeugnisse und Fotos von euch hin. Nicht wundern. Es ist auch ein Attest von einem HNO-Arzt erforderlich", sagt Baumer und erklärt das Attest mit der stimmlichen Voraussetzung.

Kürzlich wirkte Christina Baumer (im Bild als Wirtin Barbara mit ihrem Schauspielkollegen Michele Cuciuffo in der Hauptrolle) auf der Bühne im Zentraltheater München am Stück „Angst essen Seele auf“ mit.

Während staatliche Schulen kostenlos sind, müsse man an den privaten mit bis zu 500 Euro monatlich rechnen. "Das ist nach einer Ausbildungszeit von vier Jahren keine kleine Investition." Wer genommen wird und wer nicht, das sei oft nicht einfach nachvollziehbar. "Manch einer hat sich jahrelang bei den staatlichen Schulen beworben, bis er einen Platz bekommen hat."

Wer einen Bewerbungstermin erhält, muss vor einer Jury zwei daheim selbst einstudierte Monologe (klassisch und modern) vorspielen und eventuell vorsingen. Ist diese Hürde gestemmt, klingt der Unterricht in Sprecherziehung, Stimmtraining, Tanzen, Fechten, Pantomime, Clown, Gesang, Theorie, Szene und Monolog beinahe schon wie Schauspiel selbst. "Man kann bereits auch in Theaterstücken mitwirken. Viele Schulen sind Theatern angegliedert", sagt Baumer.

Richtig hart in der Ausbildung hätten es jene, die Dialekt sprechen. Dazu gehören die Oberpfälzer ganz speziell. "Ich musste Hochdeutsch neu lernen. Obwohl ich dachte, dass ich längst Hochdeutsch spreche", erinnert sich Christina Baumer noch gut an ihre stundenlangen Sprechübungen, auch nach dem Unterricht, bis der Sprachlehrer zufrieden war. Ist die Ausbildung nach vier Jahren beendet, kann noch immer keiner einfach durch die Türen der Fernsehsender wie BR, ZDF oder ARD marschieren.

Aktuell ist Christina Baumer unter anderem mit dem Schauspieler Andreas Leopold Schadt (Kommissar im Franken-„Tatort“) im Kino zu sehen in „Der Fichtelgebirgskrimi – Siebenstern“. Am Filmset sei es einfacher, erzählt sie aus dem Arbeitsalltag. Wenn was nicht passt beim Dreh vor der Kamera, würde der Regisseur sofort „Danke, das machen wir noch einmal“ rufen und man bekomme die Chance, sich zu verbessern.

"So einfach ist es leider nicht", erklärt die Wiesauerin, die jetzt in München lebt, lachend. Ein junger Schauspieler müsse sein Profil online auf Plattformen wie "filmmakers" und "schauspielervideos" anlegen. "Und hoffen, dass er von einem Caster bei einer Filmproduktionsfirma vorgeschlagen wird, die einen Schauspieler für einen Film sucht." Leider garantiere der Anruf eines Casters keine Zusage. Sie nennt ein Beispiel: Ob eine "Tochter" zur bereits festgelegten Rolle einer "Mutter" äußerlich passt, entscheiden mehrere Personen. Außerdem sei man nie allein. Die Caster seien angehalten, für eine Rolle zwei bis drei Vorschläge zu machen. "Und dann bist du wieder einmal die Zweite und eine andere kriegt die Rolle." Ans Theater bewirbt man sich ganz klassisch mit einer Bewerbungsmappe rechtzeitig vor den Theatersaisonstarts.

Was Baumer nicht liefern kann: eine genaue Prognose zum Verdienst eines Schauspielers. "Manche leben ganz gut von ihren Rollen, andere können das im Alter von 50 Jahren immer noch nicht." Festanstellung gebe es zwar, wie in Fernsehserien. Aber das könne schnell wieder vorbei sein. Kürzlich erst sei die Krimiserie "Soko München" abgesetzt worden. "Zack, sind die Serien-Schauspieler arbeitslos." Noch schwieriger sei es mit einem zuverlässigen Einkommen am Theater, wo man sich meist von Saison zu Saison neu bewerben müsse.

Was man davon hat? "Magische Momente und einen aufregenden Berufsalltag." Bereits das Einstudieren einer Rolle sei ein Abenteuer und erzählt, warum. "Bei der Serie ,Dr. Klein' sollte ich eine Schwangere spielen. Um mich auf meine Rolle vorzubereiten, steckte ich mir ein Kissen unters Kleid und lief durch München. Alle waren total nett zur 'Schwangeren'. In der U-Bahn bekam ich einen Platz angeboten, eine Imbissstand-Besitzerin meinte gar , ob es wohl bald soweit ist." Auch seien die Drehorte immer ein Erlebnis, mal in Stuttgart oder Köln, dann wieder auf einer Berghütte im Allgäu, in einem Nobelhotel oder auf einem Schiff bei einer Tauchszene im Atlantik bei der Inselgruppe Azoren. "Und ich lerne stets andere, nette Kollegen vor und hinter der Kamera kennen. Wir Filmleute sind eine einzige, große Familie", nennt Baumer nur einige Beispiele, die für ihren Beruf sprechen.

Zur Person:

Christina Baumer

Christina Baumer ist in Wiesau aufgewachsen und hat nach dem Abitur am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der „Akademie für Darstellende Kunst Bayern“ in Regensburg gemacht.

Ihre erste Fernsehrolle hatte sie in einem ARD-Fernsehfilm mit Veronika Ferres in der Hauptrolle. Es folgten Rollen in Filmen mit Stars wie Christine Neubauer und den Münchener „Tatort“-Kommissaren Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. Mitgewirkt hat Christina Baumer unter anderem in „Hubert ohne Staller“, „Familie Dr. Kleist“, „Der Watzmann ruft“, „Der Pass“, „München 7“ und in zahlreichen Fernsehfilmen in ARD und ZDF. In München spielte sie jüngst am Zentraltheater die Wirtin Barbara in dem Stück „Angst essen Seele auf“ nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder unter der Regie des bekannten Regisseurs Josef Rödl. Im Kino mimt Christina Baumer derzeit in „Der Fichtelgebirgskrimi – Siebenstern“ die Polizeiwachtmeisterin Lena Völkl. Außerdem tourt sie als Kabarettistin durch Bayern. (ubb)

Tipps & Co.:

Aktuell bleiben

Schauspieler müssen immer ihre Homepage auf dem aktuellen Stand halten. Das sei die Visitenkarte für die Caster, die sich daran orientieren, erklärt Christina Baumer. Deshalb seien regelmäßig neue aktuelle Fotos erforderlich. „Unbedingt von einem Profi machen lassen. Handy-Selfies oder verwackelte Fotos von Freunden, das geht gar nicht!“, sagt sie. (ubb)

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