04.08.2018 - 13:08 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Männer auf der Überholspur

Die Straßenwärter der Autobahnmeisterei Windischeschenbach/Rehau können von Glück reden, dass sie noch leben. Unfälle mit unaufmerksamen Auto- oder Lkw-Fahrern haben sie nahezu alle schon erlebt. Sie fragen sich, wie lang das noch gut geht.

„Zusammengefahren haben sie mich schon fünf, sechs Mal“, erzählt Straßenwärter Josef Bösl (links). Auch sein Kollege Robert Siegritz war bereits drei Mal während seiner Arbeit in Unfälle verwickelt. Bei der Autobahnmeisterei Windischeschenbach/Rehau gibt es kaum einen Kollegen, bei dem das anders ist.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

(jak) Josef Bösl, seit 25 Jahren Straßenwärter, ist einer von den Männern, die bei Unfällen während ihrer Arbeit auf der A 93 schon ernsthaft verletzt worden sind. Im Mai 2017 hatte der 52-Jährige bereits zum zweiten Mal einen heftigeren Unfall bei Straßenreinigungsarbeiten auf der Standspur. Ein Lkw hatte das Kleinfahrzeug der Autobahnmeisterei gestreift und seitlich weggeschoben. "Ich habe in dem Moment neben dem Fahrzeug gestanden und bin weggeschleudert worden. Es ist noch glimpflich ausgegangen. Ich hatte eine Gehirnerschütterung. Aber die Rettungskräfte haben befürchtet, ich hätte eine Gehirnblutung und haben mich deshalb mit dem Hubschrauber nach Bayreuth geflogen. Die beiden Kollegen im Fahrzeug hatten ein Schleudertrauma." Das ist aber nicht alles.

"Zusammengefahren haben sie mich schon fünf, sechs Mal", erzählt er trocken. Vor einigen Jahren bescherte ihm ein Unfall gebrochene Rippen und eine gebrochene Schulter. Am gefährlichsten sei für die Straßenwärter das Stehenbleiben auf der Standspur. "Es ist relativ eng und die Lkw fahren oft über den Strich drüber. Die fahren manchmal auf 20 Zentimeter an uns vorbei." Bösl erinnert sich an einen weiteren Unfall, in den mehrere Kollegen verwickelt waren. Ein Lkw hatte einen Hänger der Meisterei 120 Meter weit geschoben. "Alle, die von uns daran beteiligt waren, haben Josef geheißen. Das waren sieben Josefs. Heute fahren unsere Josefs nicht mehr zusammen", erzählt er lachend. Bei einem anderen Unfall habe ein Lkw-Fahrer während der Fahrt Sms mit seiner Freundin geschrieben und sei ungebremst auf die Baustelle gefahren, wo die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei standen: "Dann kam alles auf uns zu."

Auf der Standspur ist besonders wenig Platz, daher sei das Halten hier für die Männer der Autobahnmeisterei besonders gefährlich, so Josef Bösl.

"Reine Glückssache"

Es sei "reine Glückssache, dass wir in unserer Meisterei noch keine tödlichen Unfälle hatten." In anderen Meistereien sei das durchaus anders. "Aber der ein oder andere Kollege hat schon ein mulmiges Gefühl und fragt sich, wie lange das noch anhält." Die erste Zeit nach einem Unfall sei nicht einfach. Am schlimmsten sei es jedoch für die Angehörigen. "Wir selbst können ganz gut damit umgehen."

Weil sich Unfälle häuften, gibt es seit 2017 eine Vorwarntafel mehr, die auf Baustellen oder gesperrte Spuren hinweist. Die erste von drei Vorwarnungen steht seitdem rund 1,5 Kilometer vor der Gefahrenstelle. Für die Absicherung benötigen die Straßenwärter in der Regel vier Fahrzeuge. Die Warnleitanhänger mit den blinkenen Pfeilen sind mit CB-Funk ausgestattet, so dass Lkw-Fahrer, wenn sie ihren Funk eingeschaltet haben, kurz vor der Gefahrenstelle eine akustische Warnung bekommen. Und sie sind mit GPS ausgestattet, wodurch viele Navigationsgeräte ebenfalls Warnungen empfangen.

Die Autobahnmeisterei leitet den fließenden Verkehr auf den Parkplatz Peuntbach um. Passt in diesem Moment ein Autofahrer nicht auf, wird es schnell lebensgefährlich für den Straßenwärter.

Zwei Hänger pro Jahr

"Bei einem Überholvorgang und einem oder mehreren Lkw auf der rechten Spur übersieht man schon mal einen Anhänger", sagt Harald Windschiegl, Leiter der Autobahnmeisterei. Er habe aber erst Ende Juni erlebt, dass ein Lkw-Fahrer nach dem Auffahren auf einen Warnleitanhänger sagte, doch, er habe die Vorwarnungen gesehen, aber er habe wegen des Autoverkehrs nicht auf die linke Spur wechseln können. Auf die Idee, zu bremsen und anzuhalten, sei dieser aber wohl nicht gekommen.

Zwei beschädigte Anhänger pro Jahr hat die Autobahnmeisterei zu verzeichnen, weil Auto- oder Lkw-Fahrer damit kollidieren, so wie hier erst im Juni.

So sieht einer der Hänger der Meisterei nach einem Unfall aus.

Wie viele Unfälle es in den vergangenen Jahren gegeben hat, kann er nicht beziffern. Nur so viel: "Heuer wurden von uns schon zwei Anhänger beschädigt, einmal davon nur leicht. Auch zwei Vorwarntafeln haben leichte Schäden davongetragen. Zwei Hänger pro Jahr ist schon normal, alleine in unserer Meisterei." Ein Mitarbeiter sei in diesem Jahr bisher nicht verletzt worden.

Als Josef Bösl und seine Kollegen auf der A 93 den Verkehr in Richtung Süden komplett über den Parkplatz Peuntbach umleiten, weil Zoll und Polizei dort eine Fahndungskontrolle durchführen, wird klar: Der 52-Jährige ist nicht alleine mit seinen Horror-Geschichten von Unfällen. "Fast jeder hier" könne solche Geschichten erzählen, sagt sein Kollege Robert Siegritz vor Ort. Er ist seit 1992 Straßenwärter. "Der Kollege liegt neben dem Auto und schreit, weil er die Rippen gebrochen hat, und ein Autofahrer beschwert sich, dass wir das Fahrzeug wegstellen sollen, weil er nicht durchkommt", schildert er eine seiner Erfahrungen.

Auch er war bereits drei Mal in Unfälle verwickelt. "Das hat man die ersten 14 Tage danach noch im Kopf." Warum einige Fahrer so unaufmerksam sind, dass sie sämtliche Vorwarnungen übersehen, weiß er nicht. "Keine Ahnung, woran es liegt. Wenn die Temperaturen höher sind, ist es schlimmer."

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