15.04.2021 - 13:36 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Neubau der Schule: Freie Wähler zweifeln Pläne an und verärgern Architekten und Rektorin

Denkbar knapp entscheidet sich der Stadtrat Windischeschenbach für den Neubau der Grund- und Mittelschule. Die Freien Wähler wollen dies verhindern, doch ihre Argumentation stößt Architekturbüro und Schulleitung vor den Kopf.

Der Neubau der Grund- und Mittelschule ist beschlossene Sache, was aber nicht heißt, dass das markante weiße Gebäude aus den 1950er Jahren zwingend abgerissen werden muss.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

In der Sitzung des Stadtrats Windischeschenbach am Mittwoch in der Aula der Grund- und Mittelschule stand ein seit Wochen heiß diskutiertes Thema auf der Tagesordnung. Soll die Schule komplett neu gebaut werden? Oder ist eine Sanierung die bessere Wahl? Im Prinzip war schon im Vorfeld klar, welche Fraktion sich für die eine bzw. die andere Variante entscheiden wird. Und so fiel die Abstimmung erwartungsgemäß mit 11:10 Stimmen pro Neubau sehr knapp aus. Die CSU plädierte dafür, SPD, Freie Wähler und Grüne stimmten dagegen.

Bevor es zur Abstimmung kam, umriss Bürgermeister Karlheinz Budnik die Sachlage und verwies auf die umfangreiche Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Juretzka, die im Stadtrat bereits 2019 diskutiert und in der vergangenen Sitzung im März noch einmal durch das Büro Juretzka ausführlich erklärt worden war. Budnik stimmte klar für einen Neubau, auch die Stadtverwaltung gab diese Empfehlung ab. Ein Neubau sei wirtschaftlicher und kostengünstiger, sagte er. Das Schulgebäude ist für 1000 Schüler ausgelegt, aktuell besuchen aber nur 245 Mädchen und Buben die Grund- und Mittelschule. Da Windischeschenbach 2021 wieder Stabilisierungshilfe bekommt, seien auch die Fördersätze höher als ohne diese Unterstützung. Budnik sprach sich dafür aus, das Projekt zügig auf den Weg zu bringen, um von den Höchstfördersätzen profitieren zu können.

In dem Antrag auf Förderung soll auch der Abriss der alten Schule enthalten sein. Dies muss aber nicht zwingend geschehen. Falls sich ein Investor findet und das Konzept für eine weitere Nutzung plausibel klingt, könne der Trakt aus den 50er Jahren durchaus erhalten werden. Dieser Passus soll auf Antrag der CSU-Fraktion in den Grundsatzbeschluss mit aufgenommen werden. Auch die Photovoltaikanlage, die sich seit 2006 auf dem Dach des Gebäude befindet, kann abgebaut und wo auch immer weiter verwendet werden.

"Wir können den Schulstandort nur unter zeitgemäßen Bedingungen erhalten", betonte CSU-Sprecher Thomas Wilhelm. "Eine Bestandssanierung ist nicht mit einem Eimer Farbe erledigt." Eine Generalsanierung bedeute Rückbau bis auf Rohbaustandard, was es nahezu unmöglich mache, parallel dazu den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. "In der Praxis müssten wir unsere Kinder auf einer Baustelle unterrichten", gab Wilhelm zu bedenken. "Wir haben jetzt die Chance, eine Schule nach den neuesten technischen und pädagogischen Grundsätzen zu bauen." Durch den Neubau würden keine weitere Flächen versiegelt werden, da das Gelände bereits jetzt zu 97 Prozent durch einen asphaltierten Parkplatz und den Pausenhof versiegelt sei.

Dann ging das Wort an Markus Herrmann, der für die Freien Wähler und die Grünen sprach. Um seine Worte zu untermauern, hatte er eine Präsentation vorbereitet. Doch was dann kam, erstaunte wohl die meisten in der Aula. Wozu jahrelang Architektur oder Lehramt studieren, wenn man sich die Materie auch in ein paar Tagen anlesen kann? Diesen Eindruck vermittelte Herrmann in knapp 30 Minuten.

Unter den Stichpunkten Energetik, Pädagogik, baulicher Zustand und Möglichkeiten griff er verschiedene Punkte auf und stellte die Kompetenz des Architekturbüros und der Rektorin Annette Spreitzer komplett in Frage. "Man darf sich nicht auf alle Berechnungen verlassen", sagte er. Und eine Schule müsse offen für mehrere pädagogische Konzepte sein.

Seiner Meinung nach sei der Flachbau ein Paradebeispiel für flexible Gestaltung. Man könne alle Wände rausnehmen und neu einziehen. Die Fachräume könne man im Altbau unterbringen. In knapp 30 Minuten brachte er verschiedene Vorschläge an, wie eine Generalsanierung verlaufen könne und stellte Rechnungen über Heizkosten auf. "Uns geht es grundsätzlich darum, die Schule komplett zu erhalten", bekräftigte er den Wunsch von Freien Wählern und Grünen. "Ich würde mir mehr Zeit zum Diskutieren wünschen." Bei so einem Projekt könne man keine schnelle Entscheidung fällen.

In diese Kerbe stieß auch Werner Sauer für die SPD. "Wir wollen uns nicht gegen den Schulstandort stellen, sondern würden uns ebenfalls wünschen, die Abstimmung in die übernächste Sitzung zu verlegen", sagte er. Für Thomas Wilhelm und seine CSU-Fraktion war das keine Option. "Was soll denn der nächste Schritt sein? Sollen wir noch einmal ein Architekturbüro einschalten? Seit 4, 5 Jahren machen wir uns Gedanken um die Zukunft der Schule und jetzt stellt man uns hin, als ob wir das von Jetzt auf Gleich entscheiden würden", ärgerte er sich. Auf einmal seien alle überfordert. "Was soll denn in 6 bis 8 Wochen anders sein?"

Hier geht es um den pädagogischen Ansatz und das Wohl der Schüler

Windischeschenbach

Da Hermanns Gedankenspiele ein Frontalangriff auf die Arbeit des Architekturbüros war, bekam Armin Juretzka, der zusammen mit Sohn Alexander als Zuhörer in der Sitzung anwesend war, die Gelegenheit, auf Herrmanns Worte zu reagieren. "Mir fehlen die Worte. Da werden Dinge stark durcheinander gemischt", schüttelte Juretzka über die Sichtweise der Freien Wähler nur den Kopf. Er bezeichnete die "Interpretation der Studie als sehr politisch motiviert". "Anscheinend haben sie die Machbarkeitsstudie nicht genau gelesen", sagte er. Sämtliche Argumente seien aus dem Zusammenhang gerissen. "Das ist unseriös. Solche Dinge muss ich mir nicht anhören. Sie ziehen raus, was Ihnen passt. Und was Ihnen nicht passt, lassen Sie weg." Solche eine Pseudofachlichkeit erlebe man nicht oft. Auch den Vorwurf, es sei zu wenig Zeit, um sich zu informieren, ließ er nicht gelten. "Sie haben ja in Ihrem Wahlkampfflyer schon falsche Behauptungen aufgestellt", ärgerte er sich. Und das sei vor über einem Jahr gewesen. Man könne keine Parolen raushauen, nur um andere in die Defensive zu bringen.

Bevor über den Grundsatzbeschluss entschieden wurde, ließ der Bürgermeister über die Vertagung abstimmen. SPD, Freie Wähler und Grüne wollten den Punkt verschieben, die CSU nicht. Mit der gleichen knappen Mehrheit ging auch der Neubau durch. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Vergabe der ersten Leistungsphasen vorzubereiten.

 

 

Kommentare

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Christian Sperber

Nach diesem Artikel frage ich mich schon, ob Der Neue Tag eine seriöse Zeitung oder ein Parteiorgan der CSU ist. Alleine die Darstellung von Herrn Hermanns (Freie Wähler) Vortrag ist eindeutig wertend, was an der Neutralität des Verfassers oder der Verfasserin zweifeln lässt. Die Tatsache, dass es SPD und Grüne ja scheinbar ähnlich sehen wie er, wirft Fragen auf. Denn sehen wir uns doch mal die Argumentation an: Windischeschenbach bekommt 2021 wieder Stabilisierungshilfe, ist also chronisch pleite. Daher muss man jetzt rund 20 Millionen in die Hand nehmen, um ein neues Schulhaus zu bauen. Für mich nicht nachvollziehbar. Oder auch die Behauptung, diese Maßnahme sein mit über 80.000,-€ pro Schüler wirtschaftlich und kostengünstig, erschließt sich mir nicht. Die Frage, warum ein Schulhaus, dessen Dach erst vor ein paar Jahren erneuert wurde, deren Sanitärzellen sukzessive modernisiert wurden und das in den letzten Jahren erst auf den neuesten Stand der Brandschutztechnik gebracht wurde, nun auf einmal abgerissen werden soll, wird nicht beantwortet.

Und auch der Hinweis auf "Was soll denn in 6 bis 8 Wochen anders sein?" ist überflüssig. Jeder weiß, dass sich in ein paar Wochen z.B. durch Krankheit die Mehrheitsverhältnisse verändern können und das Projekt kippt. Das kann sich ändern.

Seriöse Berichterstattung sieht anders aus. Daher würde ich mir für die Zukunft neutrale und informative Berichte wünschen. Dieser ist einer seriösen Zeitung nicht würdig.

19.04.2021