Beate Nunes Fernandes endeckt nach schwerer Krankheit die Kunst für sich
Wie Balsam für die Seele

"Geduld ist nicht meine Stärke" bekennt Beate Nunes Fernandes und legt deshalb oft den Pinsel vom Abend bis in die Morgenstunden nicht aus der Hand. Bild: Bugl
Kultur
Oberviechtach
09.12.2016
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Pferde kommen besonders häufig vor in den Bilder der Oberviechtacherin.

Ihre Frauenfiguren schweben wie grazile Märchengestalten durchs Bild, nicht selten mit einem Pferd an der Seite. Wenn Beate Nunes Fernandes den Pinsel in Farbe taucht, dann kümmert sie keine Kunstkritik - nicht nach einem Leben, das lange auf der Kippe stand.

60 Bilder hat die 48-Jährige geschaffen, seit sie das Malen für sich entdeckt hat. Da hatten sie drei fast ununterbrochen in Krankenhäusern verbrachte Jahre aus der Bahn geworfen. In der Frankenalb-Klinik in Engelthal ging es darum, die angeschlagene Psyche zu stabilisieren, denn die Erkrankung hatte auch Depressionen im Gepäck. Acht Jahre später bestreitet Beate Nunes Fernandes in den Räumen der Klinik eine große Ausstellung mit insgesamt 54 Bildern - und genießt ihren Erfolg. "Man hat mich schon gefragt, ob das mein Künstlername ist", schmunzelt sie und stellt klar: Den fremd klingenden Namen trägt sie erst seit einem Jahr, nachdem sie einen Mann mit portugiesischen Wurzeln geheiratet hat.

"Malen kann ich nicht", war die erste Reaktion der gelernten Verkäuferin, als sie in der Kunsttherapie die Wahl zwischen Arbeiten mit Ton oder Farbe hatte. "Dann drücken Sie halt ihre Gefühle mit Farbe aus", lautete die Anweisung. Mehr aus Langeweile denn aus Neigung habe sie dann zum Pinsel gegriffen, erzählt die Hobbymalerin. Ihr erstes Bild war das Porträt einer verschleierten Frau. "Alle waren begeistert, da hab' ich weiter gemalt."

"Das Malen tut mir heute noch gut, um Stress abzubauen und einfach runterzukommen", erzählt die inzwischen mehrfache Großmutter, der vor Jahren ein Gallenstein langwierige, lebensbedrohliche Komplikationen bescherte. Wochenlang lag sie im Koma, die Ärzte waren sich nicht sicher, ob sie es schaffen würde. "Meine Zwillinge, die befanden sich da gerade in der Pubertät", erinnert sich die 48-Jährige, "da konnte ich doch nicht sterben". Ihr Glaube - sie ist Zeugin Jehovas - habe ihr geholfen, die Erkrankung zu überstehen, und auch alles, was danach kam.

Traum und Experiment

Heute ist Beate Nunes Fernandes Frührentnerin und träumt von einem eigenen Atelier. Und ein wenig verträumt sind auch ihre Bilder. Möwen fliegen da über die Leinwand, ein Adler posiert vor dunkelblauem Himmel und immer wieder schiebt sich ein Pferdekopf ins Bild. Andere Bilder zeigen farbenprächtige imaginäre Landschaften, und es gibt auch Werke die mit halbierten Kugeln und purer Farbe ins Plastische oder Abstrakte tendieren. "Mitternachtsdepression" oder "Sehnsucht" titeln die Werke, in denen Frauen die Hauptrolle einnehmen.

Mit "Gefühlswelten" ist die aktuelle Ausstellung in Engelthal bei Hersbruck überschrieben, und Beate Nunes Fernandes steht zu dieser Welt ohne Störfaktoren. Ihre Bilder orientieren sich nicht an der Umgebung, sie entstehen als Skizzen im Kopf. Mit Acrylfarben macht sich die 48-Jährige dann an die Umsetzung, meistens abends, "und manchmal auch die ganze Nacht durch" .

"Ich könnte nie wochen- und monatelang an einem Bild malen, dazu bin ich zu ungeduldig", sagt die Hobbykünstlerin. Wenn es um anatomische Korrektheit geht zieht sie allerdings schon mal Fotos aus dem Internet zu Rate. Und dann ist da noch der Ehemann, Fan und Kritiker zugleich, "er sagt mir, wenn etwas nicht stimmig ist". Wird allerdings die "heile Welt" in ihren Bildern kritisiert, dann steht die Oberpfälzerin zu ihrem Werk. "Ich beschäftige mich lieber mit schönen Sachen, für Hässliches brauche ich nur die Nachrichten einzuschalten", stellt sie klar und fügt hinzu: "Das ist eben meine Art von Kunst."

Stolz auf Künstler-Mama

Und ihre Gegenwelten finden Liebhaber. Einige der Bilder, die noch bis 3. Februar in der Frauenalb-Klinik ausgestellt sind, sind schon reserviert. Am meisten aber freut sich die 48-Jährige, für die das Malen wie "Balsam für die Seele" ist, über die Anerkennung von ihren beiden Söhnen. Die 27-jährigen Zwillinge Tobias und Stephan, haben längst eine eigene Familie und sind stolz auf die "Künstler-Mama".

"Gefühlswelten" mit SchattenseitenDie Ausstellung von Beate Nunes Fernandes mit dem Titel "Gefühlswelten" in den Räumen der Frankenalb-Klinik Engelthal ist noch bis 3. Februar zu sehen. Die Klinik ist spezialisiert auf Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Die Hobbykünstlerin war dort im Anschluss an ihre schwere Erkrankung wegen Depressionen in Behandlung. Wie sie sich fühlte spiegelt auch so mancher Bildtitel wider: "Hoffnungslos" heißt da beispielsweise ein Frauenporträt oder "Mitternachtsdepression".
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