Beim Ovigo-Stück "Gift." spürt der Zuschauer den Schmerz der Traurigkeit
Sich mit dem Leben versöhnen

Christina Götz und Florian Waldherr spielen in dem Stück "Gift." so beeindruckend, dass sie am Ende ein betroffenes Publikum hinterließen. Dieses bedankte sich mit begeistertem Applaus bei den Akteuren. Bilder: weu (2)
Kultur
Oberviechtach
12.10.2017
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Wenn eine Theaterinszenierung das Publikum zwei Stunden lang in ihren Bann zieht, dann muss es sich um ein besonderes Stück handeln. "Gift. Eine Ehegeschichte" erfüllt diesen Anspruch. Nicht zuletzt wegen der exzellenten Darsteller Christina Götz und Florian Waldherr. Regisseurin Julia Ruhland, die das berührende Stück inszenierte hatte, begrüßte die Gäste im Emil-Kemmer-Haus und führte kurz in die Thematik ein. Das Stück beginnt mit einem Crash, dem Martinshorn vom Rettungswagen, Wiederbelebung - Aus.

Wut und Zärtlichkeit

"Er" begegnet "Ihr", seiner früheren Ehefrau, auf dem Friedhof. Aus Anlass einer Grabverlegung kommen die Frau und der Mann, die sich zehn Jahre nicht mehr getroffen haben, wieder zusammen. Gift soll aus einer nahegelegenen Fabrik ausgetreten sein und die Umbettung der Toten notwendig machen. Darunter ist auch der bei einem Verkehrsunfall verstorbene Sohn Jakob.

Beide stehen sich nach der langen Trennung teils stumm, teils abweisend gegenüber. Dennoch ist die Frau "froh, dass wir hier sind", am Friedhof am Wolfgrubenweg. Im Verlauf der zögerlich anlaufenden Konversation wird deutlich, dass "Er" am 31. Dezember 1999, um 19.10 Uhr "Sie" verlassen hat. Im Verlauf des spannenden Stücks wird das gesamte Leben der beiden nach außen gekehrt. Der Zuschauer wird Zeuge, wie sie sich anschreien, in Wut ausbrechen, heulen und völlig zusammenbrechen.

Voller Körpereinsatz

Diese Szenen werden mit vollem Körpereinsatz so authentisch auf die Bühne gebracht, als hätten die beiden Darsteller das selber erlebt. "Jakob fehlt mir so, jeden Tag", schreit "Sie", während sie glaubt, dass "Er" durch eine neue Beziehung und das zu erwartende Kind das Vergangene vergessen habe. Bis "Er" durchdreht, in Schreikrämpfe ausbricht und ruft: "Mir fehlt er auch! Ich bin dem Schmerz davongelaufen."

Die Szenen der Wiederbegegnung bewegen sich zwischen Abrechnung und Annäherung, Trost und Trauer, Härte und Zärtlichkeit. "Er" singt mittlerweile im Männerchor und aus der Musik, genauer gesagt aus dem Lied "It must be so", schöpft er seine Kraft und seine Erlösung und kommt zu der Erkenntnis: "Wir müssen es akzeptieren, so wie es ist, und froh sein, am Leben zu sein. Mehr können wir nicht daraus machen."

Beide haben sich verziehen, da macht es nichts mehr aus, dass das Treffen von ihr arrangiert wurde. Die Idee mit dem Gift habe sie aus der Zeitung entnommen. Er hält sie fest und singt, dann gehen beide ihre getrennten Wege. Zurück bleibt im Oberviechtacher Emil-Kemmer-Haus ein betroffenes Publikum, das die überaus gelungene Inszenierung mit viel Applaus würdigt. "Großartig!" Dieses Lob ist öfters zu hören.

Am Samstag, 21. Oktober, um 20 Uhr, ist das Stück in Neunburg vorm Wald in der Schwarzachtalhalle zu sehen. Eine Möglichkeit für alle, die diesen beeindruckenden Theaterabend verpasst haben.
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