16.11.2017 - 17:40 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Daniela Schießl forscht über Eisenbarth Spottlied bleibt hängen

Es ist nicht alltäglich, dass ein Vater seine Tochter als Referentin begrüßen darf. Am 290. Todestag von Johann Andreas Eisenbarth ist das so. Ludwig Schießl, der Vorsitzende des Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreises International, hat zum 50-jährigen Jubiläum des Museums seine Tochter Daniela Schießl zu Gast. Ihren Vortrag gibt es auch als Museumsschrift.

Ludwig Schießl übergibt seiner Tochter Daniela ein in Leder gebundenes Exemplar der Museumsschriften Band 3/2017. Bild: bgl
von Ludwig BergerProfil

Das Thema des Vortragsabends im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum lautete "Das Eisenbarth-Bild vom Ende des 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts". Daniela Schießl, die seit ihrem Staatsexamen im Jahr 2016 als Assistenzzahnärztin am Universitätsklinikum Regensburg tätig ist (siehe Info-Kasten), greift in ihrer Arbeit einen speziellen Aspekt der Eisenbarth-Forschung auf und zwar die Rezeptionsgeschichte, das heißt die Geschichte der öffentlichen Wahrnehmung Eisenbarths. Damit schließt sie eine Lücke und rundet durch ihre fundierte Untersuchung das Gesamtbild Eisenbarths ab.

Ausgeprägter Zwiespalt

"Als Vorsitzender des Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreises freue ich mich", so Dr. Ludwig Schießl, "über diesen Forschungsbeitrag und als Vater um so mehr darüber, dass meine Tochter in diese Fußstapfen getreten ist und die rund 60-jährige Familientradition weiterführt, die mit dem späteren Bürgermeister Georg Neuber in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts begann". Dr. Daniela Schießl erklärte zunächst die Relevanz ihrer Forschungsarbeit unter dem Aspekt der ambivalenten öffentlichen Wahrnehmung Eisenbarths: Auf der einen Seite der bedeutende Handwerkschirurg mit großem Geschick als Operateur und einer geringen Anzahl an Todesfällen und auf der anderen der exponierte Repräsentant der übel beleumundeten Kurpfuscher.

Dieser ausgeprägte Zwiespalt ist in der Tatsache begründet, dass um das Jahr 1800 in Göttinger Studentenkreisen, wohl aus einer spontanen Laune heraus, ein Spottlied auf Johann Andreas Eisenbarth gedichtet wurde, das seitdem fast als "Gassenhauer" Eingang in das deutsche Volksliedgut gefunden hat. Darin wird der Wundarzt auf äußerst derbe Art und Weise verunglimpft. Zu Beginn ihres Vortrags ging die Eisenbarth-Forscherin auf die Zielsetzung ihrer Arbeit und den von ihr gewählten Untersuchungszeitraum ein.

Anschließend gab sie einen Überblick über das Quellenkorpus ihrer Dissertation. Das erste überlieferte Schriftstück stammt aus dem Jahr 1686. Es handelt sich dabei um das Privileg für das Herzogtum Sachen-Gotha-Altenburg, das erste von zwölf nachweisbaren Privilegien. Abgerundet wurde der Vortrag mit einem Überblick über die Selbstdarstellung Eisenbarths anhand seiner überlieferten Flugblätter, Zeitungsinserate und Gesuche um Privilegien sowie mit dem Kapitel "Eisenbarth aus heutiger Sicht". Unter all den Quellen zu Johann Andreas Eisenbarth nimmt das sogenannte Eisenbarth-Spottlied eine herausgehobene Position ein, denn es hat die Art und Weise, wie der Handwerkschirurg in der breiten Bevölkerung wahrgenommen wird, entscheidend beeinflusst.

Dritte Museumsschrift

In ihrer Schlussbetrachtung zog Daniela Schießl das Resümee, dass die Rezeptionsgeschichte Johann Andreas Eisenbarths bis heute insgesamt durch ein eigenartiges Phänomen gekennzeichnet ist, das darin besteht, dass er zwar anders war als sein (schlechter) Ruf, diesen aber trotz der im 19. Jahrhundert einsetzenden Forschungsarbeit nie ganz abschütteln konnte.

Nach dem Vortrag stellte Ludwig Schießl als Schriftleiter der Museumspublikationen das Druckwerk vor, das die Dissertation von Daniela Schießl beinhaltet, nämlich Band 3/2017 der Reihe "Oberviechtacher Museumsschriften". Diese wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen, um ein wissenschaftliches Forum für Themen zu bieten, die im Kontext der inhaltlichen Konzeption des Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseums Oberviechtach angesiedelt sind.

Die beiden ersten Bände von 2002 und 2008 beschäftigen sich mit Pfarrer von Miller und Pater Balthasar Knellinger, beide exponierte Gestalten der Ortsgeschichte. Doktor Eisenbarth ist das Kernstück des Museums und hat dem Haus auch seinen Namen gegeben. Seine Erforschung hat in Oberviechtach eine lange Tradition; sie reicht bis in das Jahr 1937 zurück. Somit fügt sich das neueste Werk inhaltlich und konzeptionell nahtlos in die Publikationsreihe ein.

Die Autorin

Daniela Schießl wurde 1991 in Oberviechtach geboren und machte ihr Abitur 2010 am Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach. Von 2010 bis 2016 Studium der Zahnmedizin an der Universität Regensburg. Ab Juli 2016 Assistenzzahnärztin an der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Regensburg. Promotion in Zahnmedizin 2017. Langjährige Mitwirkende beim Doktor-Eisenbarth- Festspiel Oberviechtach.

Im Vergleich zu der an der Universität Regensburg eingereichten Dissertation ist die Museumsschrift mit einem neuen Titel, nämlich "Doktor Eisenbarth - eine ambivalent wahrgenommene Persönlichkeit" versehen und um einige formale Aspekte sowie ein Vorwort ergänzt. Mit dieser Veröffentlichung erfüllt die Autorin eine der Voraussetzungen für die Vergabe des höchsten Prädikats für ihre Arbeit, nämlich "summa cum laude". (bgl)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.