19.02.2018 - 16:18 Uhr
Oberviechtach

Heimatforscher Max Zinnbauer stellt 13. Band vor Intrigen um das Pflegamt

Im November 1760 und im Mai 1761 richten heftige Stürme großen Schaden am Schloss und den Stallungen auf "Haus Murach" an. Heimatforscher Max Zinnbauer hat den Schriftverkehr des Pflegverwalters in einen neuen Band der "blauen Reihe" gepackt. Dabei geht es um Geld und Karriere.

Die für die Stadt Oberviechtach sehr wertvollen Bände von Max Zinnbauer enthalten auch historisches Bildmaterial. Auf dieser Karte des Kuramts Murach aus dem Jahr 1589 sind Details von Schloss und Pfleghaus zu erkennen.
von Ludwig BergerProfil

-Obermurach. Zu einer erneuten Buchübergabe aus der Reihe "Amtsinhaber im Pflegamt Murach von 1623 bis 1810" reiste Heimatforscher Max Zinnbauer mit Gattin Ellen wieder einmal aus Germering bei München nach Oberviechtach. Dabei stellte er im Rathaus den aktuellen Band 13 (1760 bis 1761) vor. Dieses Treffen beinhaltete zudem ein kleines Jubiläum, das "30 Jahre Transkription und Edition Maximilian Josef Zinnbauer für die Stadt Oberviechtach" enthält.

Bürgermeister Heinz Weigl bedankte sich beim Autor mit den Worten: "Du schaffst für die Stadt Werke von bleibendem Wert". Die beiden Jahre 1760/61 hinterließen umfangreichen Schriftverkehr einerseits in der Werbung um den Posten des Pflegverwalters, beziehungsweise der Hauptpflegschaft, anderseits das Bitten um Geld zur Beseitigung des teilweise sehr maroden Zustands einiger Gebäudeteile. "Insbesondere für den damaligen Pflegverwalter auf Burg Murach, Johann Georg Klement Ehrnlechner, war diese Zeitspange sehr beschwerlich", berichtete Max Zinnbauer in seiner Einführung. Dazu trugen zwei gewaltige Unwetter mit bei. Ab dem 23. November 1760 wütete über mehrere Tage ein Wintersturm, der großen Schaden an den Schlossgebäuden am Amtskasten und an den Stallungen verursachte.

Hagel vernichtet Ernte

Nicht genug des Unglücks, ein halbes Jahr später, am 28. Mai 1761, folgte eine weitere Unwetterkatastrophe. "Das ganze Geschehen begann mit einer außerordentlichen Finsternis und es dauerte kaum eine halbe Stunde", berichtete Ehrnlechner in einem Schreiben an Kurfürst Maximilian III. in München. Die sintflutartigen Wassermassen führten zu mannstiefen Ausschwemmungen und der Hagel vernichtete fast die gesamte Ernte der Schlossökonomie. "Die Katastrophe ist in der Dimension mit Worten nicht zu beschreiben", heißt es im Schriftwechsel. Betroffen waren die Ackerbürger des Marktes Oberviechtach und die Bauern und Söldner der 16 Dorfschaften im Pflegamt. Der Lehensvasall Baron Georg Albert von Sazenhof meldete am 4. September 1760 erneut eine Anwartschaft auf die Hauptpflegschaft Obermurach an. Er bezog sich auf seine am 29. August erhaltene Audienz beim Landesherrn, wo er um die Verleihung des kleinen Pflegamts oder um ein Gnadengeld in beliebiger Höhe gebeten hatte. Er aktivierte erneut sein vermeintliches Anrecht auf die Hauptpflegschaft in Obermurach und wiederholte alle seine bereits erworbenen Meriten, die er sich im Bayerisch-Österreichischen Erbfolgekrieg (1741 bis 1745) angeblich erworben hatte.

Am 10. November 1760 übermittelte der Pflegverwalter Ehrnlechner die Nachricht vom Tod der Hauptpflegerin in Obermurach, Maria Theresia von Alphson. Noch am gleichen Tag bezog sich Baron von Satzenhof auf die Versprechen bei der zweiten Audienz bei "Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht". Die Hauptpflegerin sei nun verstorben, ihm könne die Hauptpflegschaft jetzt verliehen werden. Er würde sich vorerst auch mit dem Absentgeld begnügen, das Frau von Alphson bis zu ihrem Ableben von dem bisherigen Pflegkommissar genossen habe - zumindest solange, bis Ehrenlechner auf eine andere Bedienstung versetzt werde.

Baron von und zu Murach

Diesbezüglich ging aber vom Kurbayerischen Kämmerer Mathias Joseph Baron von und zu Murach auch noch eine weitere Bewerbung beim Landesherrn ein mit der Begründung auf die Verdienste seiner Vorfahren, die als Hauptpfleger in Obermurach tätig waren. Diese Intrigen um das Pflegamt und zusätzlich der Umgang mit der Beseitigung der Unwetterschäden zogen sich bis zum Jahresende 1761 hin.

Für sein Engagement zur mühevollen Korrektur der Transkriptionstexte bedankte sich Max Zinnbauer bei Studiendirektor a.D. Paul Wallinger und für die Korrekturen in die Gegenwartssprache wie gewohnt bei der Zweiten Bürgermeisterin Christa Zapf, welche die Zusammenfassung des gesamten Schrifttums seit Beginn im Jahr 1997 bearbeitet.

30 Jahre Heimatforschung

Vor 30 Jahren begann Max Zinnbauer aus Germering mit seinen geschichtlichen Aktivitäten in Oberviechtach. Seine bis dahin bereits erfolgten Forschungen zur Familiengeschichte der Zinnbauer brachten die Erkenntnis, dass deren Stammhaus der "Wastl-Hof" in Nunzenried ist (heute Familie Süß).

Max Zinnbauer suchte einen örtlichen Ansprechpartner und wurde auf Gymnasiallehrer Georg Lang verwiesen, der im neu gegründeten Heimatkundlichen Arbeitskreis bereits in der Heimatforschung tätig war. Max und Ellen Zinnbauer bauten eine intensive Verbindung zur Familie Lang auf und fanden im damals noch bestehenden Gasthof Johannisberg von Lina Schlagenhaufer eine liebgewordene Unterkunft während der Forschungsarbeiten. Wie er bei der Buchpräsentation betonte, sei es Georg Lang gewesen, der ihm vor 30 Jahren den Tipp gab, die zusammengetragenen Archivalien als Quellenbände zu publizieren. Diese wissenschaftliche Form der Veröffentlichung wurde von Zinnbauer weiterentwickelt. Unmittelbar neben den Faksimile-Drucken der Quellen erfolgt eine Transkription und einleitend zusätzlich eine inhaltliche Zusammenfassung. Jede Publikation bietet ein Register der Orts- und Personennamen sowie von Begriffen, Bezeichnungen und Redewendungen. (bgl)

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