Kabarattistn Inka Meyer begeistert mit "Der Teufel trägt Parka"
Falten-Sixpack vom Lachen

Die Vollblut-Kabarettistin Inka Meyer begeisterte das Publikum mit ihrem Auftritt bei den "Freunden der Kunst" im Emil-Kemmer-Haus. Hier bekamen so manche ihr Fett ab, die dem Schönheitskult frönen. Bild: weu
Kultur
Oberviechtach
16.04.2018
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Sie hält nichts von Ananas-Diät und Weizengras-Smoothies und deckt schonungslos, witzig und brillant den Wahnsinn der Schönheitsindustrie auf. Kabarettistin Inka Meyer begeistert in Oberviechtach mit ihrem neuen Programm "Der Teufel trägt Parka".

Passend zum Titel trat die Kabarettistin im Parka auf die Bühne des Emil-Kemmer-Hauses. Mit der Verpflichtung von Inka Meyer hat die Vorsitzende der "Freunde der Kunst", Monika Krauß, wieder in die goldene Schatulle gegriffen und eine Künstlerin engagiert, die es verstand, Kritik humorvoll auszuteilen und die Welt zu verdrehen. Einem Maschinengewehr gleich feuerte die "mittelfränkische Pfälzerin mit friesischem Migrationshintergrund" eine Pointe nach der anderen ab. Mit Frauen und Schuhen, einem beliebtem Thema, setzte sie gleich zu Beginn ein Zeichen. Während ihre Oma Nordsee-Pumps trägt, damit im Deich keine Löcher entstehen, hat die moderne Frau Highheels, also "Spargelstecher" an. "Sie sollen uns schlanker aussehen lassen, aber Schweine laufen auch spitz zu und sind fett", so ihr Kommentar. Schönheit sei ja in Ordnung, aber nicht auf Kosten der Gesundheit. Meyer berichtete von Frauke Petry, die in ihren Highheels nach links abgeknickt ist, wo sie doch nach rechts rücken wollte. Mit unvorstellbarem Redeschwall zog sie über den Dresscode von Rappern her und über die Hipstermode, die auch von Salafisten getragen werde.

Ob es empfehlenswert sei, ein Zebra-T-Shirt in der Serengeti anzuziehen oder nackt zum Wählen zu gehen, klärte sie ebenso witzig und frech, wie sie in rhetorisch geschliffener Sprache gegen den Diätwahn wetterte. Kohlsuppe verursache Blähungen und "Low-Carb" erzeuge Hunger. Da empfahl die studierte Diplom-Designerin das Küssen, bei dem pro Minute zwanzig Kalorien verbraucht werden. Sport sei in Deutschland sowieso schwer zu praktizieren: "Im Sommer ist es zu heiß, im Winter zu kalt, dazwischen regnet es." Da halte sie es mit der Devise, "lieber Speck auf den Rippen als Magersucht im Hirn".

In langen, mit Fachausdrücken gespickten Sätzen hielt sie ein Plädoyer für entspannte Weiblichkeit, bei der Falten als "Sixpack vom Lachen" gesehen werden und Hautcremes nicht für die "Restaurationsphase" der Frau angepriesen werden sollen. Auch die Herren der Schöpfung nahm sei aufs Korn, besonders ihren scheinbar zu klein geratenen Mann. Wenn der 80-jährige Senior seine kanariengelbe Hippie-Jeans spazieren führt, sei schon zu überlegen, ob er die Katze erschrecken oder die Nierenfunktion des Hundes anregen will. Ob Jack-Wolfskin-Jacken das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken oder die "Me-too-Debatte" die Wiederbelebung von Verletzten verhindere, ob man eine Bikinifigur braucht, wenn man nackt baden geht - die Münchnerin, die "im teuersten Schuhkarton des größten Dorfes der Welt" lebt, brachte ihre Botschaft als satirisches Schmuckstück an die Frau und den Mann: "Bei Schönheits-Operationen wollen Frauen ihr erotisches Kapital sichern." Monika Krauß bedankte sich bei der Künstlerin und lud die Gäste für Freitag, 4. Mai, um 20 Uhr ins Emil-Kemmer-Haus ein; Das Duo "Ladybird" aus München singt deutsche Schlager aus den 30er und 40er Jahren.

Lieber Speck auf den Rippen als Magersucht im Hirn.Kabarettistin Inka Meyer
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